RindMutterkuhMutterkühe auf Kondition füttern

Mutterkühe auf Kondition füttern

Diese Mutterkuh mit der BCS-Note 3 ist etwas knapp im Futter. Die Dornfortsätze sind noch leicht abgesetzt. Der Übergang zur Hungergrube ist leicht eingezogen. Der Bereich zwischen den Hüfthöckern ist eingesunken. Der Beckenausgang ist als glatte flache Grube zu bezeichnen.
Quelle: Steinberger

Die Körperkonditionsbewertung (BCS – Body Condition Scoring) hilft Ihnen einfach und schnell den Nährzustand (Fettreserven) der Tiere regelmäßig zu bestimmen. So können Sie Fütterungsfehler rechtzeitig erkennen und korrigieren.
An den Versuchsherden der LLA-Bayreuth (Oberfranken) und des LVFZ Kringell (Niederbayern), jeweils Fleckvieh genetisch hornlos, werden die Empfehlungen zur Körperkondition seit mehreren Jahren in der Praxis umgesetzt.
So liegen in beiden Herden die Trächtigkeitsraten bei etwa 95 % und die durchschnittliche Zwischenkalbezeit unter 365 Tagen. Äußerst positiv zeigen sich auch die Auswirkungen hinsichtlich des Geburtsverlaufes. So wurden jeweils über 95 % der Abkalbungen
„ohne Hilfe bzw. Hilfe nicht nötig“ dokumentiert.

Verfettung ist problematisch

Bauen Mutterkühe gegen Ende der Säugedauer und der Trockenstehzeit, v.a. bei praktiziertem Frühabsetzen vor dem neunten bis zehnten Laktationsmonat, zu viele Körperreserven auf und sind sie vor der Geburt zu fett, kann dies gehäuft zu Problemen bei der Kalbung und geburtsbedingten Stoffwechselstörungen (Ketose und Milchfieber) führen. Die Ursache liegt darin, dass verfettete Tiere vielfach bereits zwei Wochen vor dem Kalbetermin weniger fressen. Sie beginnen bereits vor der Kalbung mit einem Abbau von Körperfett und neigen dadurch zu Leberbelastungen und Ketose (Azetonämie). Als Folge dessen ist mit höherer Wahrscheinlichkeit mit Fruchtbarkeitsproblemen zu rechnen.

Beginnende Überversorgung erkennen …

Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, müssen Sie die Kondition der Kühe richtig bewerten und die Fütterung darauf einstellen. Bei der Körperkonditionsbeurteilung benoten Sie, über wie viel Körperreserven in Form von Fettauflagen die Kühe verfügen. Im nächsten Schritt überprüfen Sie, ob die vergebenen Noten den Zielwerten der entsprechenden Laktationsabschnitte entsprechen. Treten vermehrt Abweichungen nach oben oder unten auf, müssen Sie die Ration anpassen. Die Kühe sollen gerade mit so viel Energie versorgt werden, dass sie ihr Leistungspotenzial ausschöpfen aber keine unnötigen Fettreserven anlegen.

… durch Betasten der Körperteile

Sie können den Ernährungszustand der Kühe benoten, indem Sie bestimmte Körperteile (Abb.) am Tier betasten. Die Notenvergabe erfolgt von 1 bis 5 mit einer Abstufung in Viertelpunkten, wobei die Note 1 für hochgradig abgemagert (Haut und Knochen ohne fühlbare Fettauflage; in der Mutterkuhhaltung nur bei kranken Tieren, meist Parasiten) und die Note 5 für ein hochgradig verfettetes Tier steht. Da Kühe nicht an allen Körperstellen gleichmäßig Fett ansetzen bzw. einschmelzen, wird für die aufgeführten Körperpartien eine Durchschnittsnote gebildet.
Die richtige Beurteilung und Einstufung in Noten erfordert Übung und Erfahrung. Besonders beim Erlernen des Systems ist es vorteilhaft eine getrennte Beurteilung durch zwei Personen durchzuführen und die Ergebnisse anschließend zu besprechen und abzustimmen.
Lassen Sie hin und wieder die Herde von einer externen Person beurteilen, um einer sich einschleichenden „Betriebsblindheit“ zuvorzukommen. Die anzustrebende Körperkondition ist letztlich vom Laktationsstadium abhängig. Im Idealfall beurteilen Sie die Körperkondition alle vier bis sechs Wochen, mindestens aber zu folgenden Zeitpunkten: Absetzen, in der Trockenstehperiode, zu Beginn der Abkalbe- und vor der Deckperiode.

Abkalbung mit Idealgewicht

Zum Zeitpunkt der Abkalbung ist eine Körperkondition im Bereich von 3,25 bis 3,75 anzustreben. Derart konditionierte Kühe neigen weniger zu Schwergeburten, Nachgeburtsverhaltungen, eitrigem Ausfluss und Fruchtbarkeitsproblemen.
Bei Jungkühen sollte die Kondition nicht über 3,5 liegen, um Probleme bei der Geburt nicht zusätzlich zu verstärken.

Leichte Abmagerung in Hochlaktation vertretbar

In der Hochlaktationsphase (30. bis 90. Tag) ist eine Verringerung der Körperkondition auf 3,0 bis 3,25 als günstig anzusehen. Ein stärkerer Rückgang auf BCS 2,75 ist bei sehr milchreichen Tieren in gutem Allgemeinzustand zu tolerieren. Ist jedoch ein größerer Teil der Herde in diesem Bereich oder niedriger (< 2,75) einzustufen, ist von einer nicht bedarfsgerechten Fütterung auszugehen. Entweder ist die Grobfutterqualität zu gering (Ziel: > 6,0 MJ NEL/kg TM) oder die Futteraufnahme (Futterangebot) zu niedrig. Insgesamt sollte die Körperkondition der Kühe bis zur Deckperiode maximal um 0,75 Noten abfallen. Ein stärkerer Abfall mit all seinen negativen Folgen ist vor allem bei stark verfetteten Kühen zu beobachten.

Verfettung in Trockenstehperiode vermeiden

Eine weitere Zunahme der Fettauflage während der Trockenstehperiode sollte auf jeden Fall verhindert werden. Bei Trockenstehzeiten von über zwei Monaten und bei guter Grobfutterqualität kann es sinnvoll sein größere Mengen an Stroh zu verfüttern. Ziel für Trockensteher ist eine Nährstoffkonzentration von 4,4 bis 4,8 MJ NEL/kg TM in der Ration. In den letzten drei Wochen vor der Kalbung müssen Sie die Futterqualität auf etwa 5,2 bis 5,6 MJ NEL/kg TM vornehmen.

Der Autor: Siegfried Steinberger arbeitet am Institut für Tierernährung und Futterwirtschaft der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Poing-Grub.