BioBio-BauernMüssen Bauern Hellseher sein?

Müssen Bauern Hellseher sein?

Bis jetzt wurde noch nicht festgelegt, wie die Vorgaben für die Umsetzung der Weidehaltung für das Jahr 2021 genau aussehen werden.
Quelle: Engler

Der vergangene Sommer war trocken und heiß, das heurige Jahr wiederum nass und somit gatschig. „Wie soll ich jetzt wissen, wo, wann und für wie lange meine Rinder 2021 auf die Weide kommen?“, sagt Leopold Brandstetter und schüttelt dabei den Kopf. Der Milchbauer kann die Vorgangsweise der „Oberen“ nicht mehr verstehen. „Wir betreiben seit jeher Weidehaltung, aber auch mit 25-jähriger Erfahrung ist es mir nicht möglich, vorauszuahnen, wie viele Tage ich meine Kühe nächstes Jahr austreiben werde“, gibt der Niederösterreicher zu bedenken.

Keine konkreten Vorgaben für 2021

Da Österreich die EU-Vorgaben aus Sicht der Kommission bei der Bio-Tierhaltung jahrelang nicht eingehalten hat, wurden diese heuer drastisch verschärft (wir berichteten in LANDWIRT bio, Ausgabe 2/2020). Weidehaltung ist somit für jeden Bio-Betrieb ohne Ausnahme Pflicht. Demnach hat jeder Betrieb, der Pflanzenfresser wie Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde aufzieht oder hält, 2020 verpflichtend eine Selbstevaluierung vorzunehmen und einen Weideplan zu erstellen. In diesem ist darzustellen, wie die Weidevorgabe umgesetzt wird. Dafür müssen die Anzahl der Tiere, die Weideflächen sowie die Weideperiode angegeben werden. Welche Flächen beweidet werden und welche Tiere auf die Weide kommen, entscheidet der Bauer.

Der Weideplan ist den zuständigen Kontrollstellen bis 30. September 2020 vorzulegen und wird im Zuge der jährlichen Kontrolle überprüft. Bauern tappen aber derzeit noch im Dunkeln. Bis jetzt wurde noch nicht festgelegt, wie die Vorgaben für die Umsetzung der Weidehaltung für das Jahr 2021 im Einzelnen aussehen werden. „Der Druck der Kommission im Hinblick auf maximalen Weidegang ist groß“, sagt Stefan Rudlstorfer, Bio-Berater der Landwirtschaftskammer Oberösterreich. Betriebe, die nicht alle Tiere weiden können, müssen deshalb weiterhin auf konkrete Vorgaben warten. „Für alle anderen Betriebe hoffen wir, dass die Weidedokumentation 2020 die Basis für den Weideplan sein kann, sofern sich in der Umsetzung nichts maßgeblich verändert“, erklärt Rudlstorfer. Sobald die Vorgaben offiziell sind, wird das Ministerium diese verlautbaren. Zeitgleich wird es dazu dann auch Vorlagen für den Weideplan geben.

 

Zusätzliche Kosten fürs Enthornen