AgrarpolitikLK-Vollversammlung mit Mundschutz

LK-Vollversammlung mit Mundschutz

Die Folgen der Corona-Krise haben die heimische Land- und Forstwirtschaft voll erwischt. Die Kärntner Interessenvertretung fordert ein EU-Hilfspaket und einen Import-Stopp für Rundholz.
Quelle: Taferner

Am Donnerstag, den 30. April fand eine Vollversammlung der Landwirtschaftskammer Kärnten im Festsaal des Bildungshauses Schloss Krastowitz unter verschärften Bedingungen statt. Damit die Abstandsregeln und Sicherheitsmaßnahmen im Zeichen der COVID-19 Pandemie eingehalten werden konnten, beschlossen die Fraktionen nur mit der Hälfte der Kammerräte an der Sitzung teilzunehmen. Die Beschlussfähigkeit war wegen der ausgewogenen Paritäten gegeben – das stellte LK-Präsident Johann Mößler zu Beginn fest. Mundschutz, Handdesinfektionsmittel und ein eigener Tisch für jeden Kammerrat sollten den geforderten Hygienevorschriften genüge tun. Am Podium trennten Plexiglasscheiben die Mitglieder des Präsidiums voneinander.

EU-Hilfspaket für Milch und Fleisch gefordert

Durch den Wegfall der Gastronomie und des Tourismus sind europaweit die Preise auf den Agrarmärkten ins Trudeln geraten. Das gilt insbesondere für die für Kärntens Landwirtschaft so wichtigen Bereiche Milch und Rindfleisch, die gemeinsam knapp 50 % der landwirtschaftlichen Produktionsleistung ausmachen. Knapp 6.700 Kärntner Betriebe sind hier betroffen.
„Wir haben ein europaweites Problem, es braucht also europaweite Antworten“, betont Mößler. In einer einstimmigen Resolution wendet sich die LK-Vollversammlung deshalb an die EU-Kommission und fordert unter anderem einen von der EU bezuschussten Milchlieferverzicht. Bei Rindfleisch fordern die LK-Kammerräte von der Kommission einen Import-Stopp durch die Aktivierung von Schutzmechanismen, die im EU-Recht bei Marktverwerfungen vorgesehen sind. „Während die Preise für heimisches Rindfleisch in den Keller fallen, wird dieses weiterhin fleißig aus aller Welt zu uns importiert. Dieser Wahnsinn muss ein Ende haben – nicht nur in der Krise, aber besonders jetzt“, fordert der LK-Präsident stellvertretend für alle Kammerräte.

Gleiches Geld, aber inflationsangepasst

Seiner Forderung schließt er an, dass das Agrarbudget davon nicht betroffen sein dürfe. An den österreichischen EU-Haushaltskommissar Johannes Hahn richten die Kärntner Interessenvertreter die Forderung, dass die Finanzmittel für die EU-Agrarprogramme auch in Zukunft auf „zumindest gleicher Höhe wie bisher“ erhalten bleiben und inflationsangepasst werden. „Die Landwirtschaft hat in den letzten Wochen gezeigt, dass sie in der Krise die unverzichtbare Versorgung mit hochwertigen Lebensmitteln sicherstellt. Dass das so bleiben kann, ist keine Selbstverständlichkeit. Dafür braucht es vielmehr eine starke EU-Agrarpolitik, die den Bauern eine Perspektive bietet. Wir fordern nichts Unverschämtes, nur eine faire Abgeltung unserer Leistungen“, stellt Mößler klar.

Importstopp für Rundholz!

Auch die Lage auf dem Holzmarkt ist dramatisch: „Bereits letztes Jahr hat der Käfer rund 230.000 Festmeter Schadholz verursacht, heuer könnte es wesentlich schlimmer kommen“, warnt der LK-Präsident. Die mehr als 20.000 heimischen Waldbauern sind gesetzlich verpflichtet, Schadholz aus dem Wald zu verbringen. Sie sehen sich infolge der Corona-Krise jedoch einer sinkenden Nachfrage gegenüber, da die Holzindustrie ihre Kapazitäten eingeschränkt hat. Folge: der Holzpreis ist im Keller. Dazu kommen lange Abfracht-Zeiten, was nicht nur Qualitätsverluste für das Holz, sondern auch die Gefahr einer weiteren Ausbreitung des Borkenkäfers mit sich bringt. Die öffentliche Hand ist daher gezwungen, aus forsthygienischen Gründen öffentliche Gelder einzusetzen, um die Aufarbeitung und Lagerung des Holzes zu unterstützen.
Vor diesem Hintergrund ist es für die LK-Kammerräte völlig unverständlich, dass von der holzverarbeitenden Industrie nach wie vor Holz nach Kärnten importiert wird. Sie appellieren daher mit einer Resolution an die Vertreter der Holzindustrie, „Rundholzimporte zu stoppen, um das heimische Schadholz zügig und ohne weiteren Wertverlust“ aus Kärntens Wäldern verbringen zu können.  Mößler zeigt sich enttäuscht von der mangelnden Solidarität der Holzindustrie mit den heimischen Waldbauern.