AckerbauGetreideLäuse und Zikaden im Blick

Läuse und Zikaden im Blick

Kontrollieren Sie Ihr Getreide auf Virusvektoren.
Quelle: Agrarfoto

Seit mehreren Jahren häufen sich die Fälle von Virosen im Getreide. Ein Problem, das von vielen Landwirten nach wie vor unterschätzt wird, denn wenn einmal infiziert, gibt es kein Mittel mit einer heilenden Wirkung. Davon betroffen sind vorrangig Frühsaaten, die bereits im September in die Erde kamen. Die Beratung empfiehlt seither, das Getreide nicht zu früh zu säen: also keinen Weizen im September säen und auch die Gerste muss nicht unbedingt zum Stichtag am 20. September in den Boden.

 

Von Läusen und Zikaden

Übertragen werden die Virosen durch sogenannte Vektoren – in diesem Fall saugende Insekten. Die laben sich über den Sommer an Gräsern und Ausfallgetreide – in denen auch die Virosen überdauern – und nehmen so die Krankheitserreger in sich auf. Im Herbst sinkt schlussendlich das Angebot an „ansehnlichen“ Nahrungspflanzen, erklärt Hubert Köppl, Pflanzenschutzreferent der Landwirtschaftskammer Oberösterreich. Der Mais wird reif und das Ausfallgetreide wird von Pilzkrankheiten befallen. Daher fliegen die Vektoren besonders gerne junge, grüne Pflanzen an und übertragen so die Krankheit weiter. Der Flug der Insekten wird aber maßgeblich von der Witterung beeinflusst. Je wärmer der Herbst, desto mehr vermehren sich die Vektoren und desto aktiver sind sie. Daher ist auch der spätere Aussaattermin so ausschlaggebend. Befallen wird vor allem die Gerste mit dem Gerstengelbverzwergungsvirus (BYDV). Dieser Virus wird durch diverse Blattlausarten übertragen. Aber auch bei Weizen wird der Weizenverzwergungsvirus (WDV) zu einem Problem. Dieser wird durch die Wandersandzirpe – eine Zikade – übertragen. Dass man den WDV nicht unterschätzen sollte, berichtete Hubert Köppl, Pflanzenschutzreferent der Landwirtschaftskammer Oberösterreich. Er besuchte einen Betrieb, bei dem bei Septemberweizen neben dem Oktoberweizen bei gleicher Kulturführung 4.000 kg Ertrag fehlten.

 

Vektoren bekämpfen

Wurde dennoch früh gesät, gilt es das Getreide im Auge zu behalten. Die Infektion selbst zeigt sich in der Regel dann erst im Frühjahr, in gestauchten, schlecht entwickelten und gelb gefärbten Pflanzen. Bekämpfen kann man die Virosen nicht direkt, sondern nur die Vektoren mithilfe einer Insektizidspritzung. Köppl empfiehlt dazu, den Bestand auch wirklich auf Läuse zu kontrollieren. „Nur weil Insekten am Feld fliegen, müssen das noch keine Läuse oder Zikaden sein.“ Für die Bekämpfung selbst reicht im Normalfall ein günstiges Pyrethroid aus. Da bei Frühsaaten auch die Herbizide meist im Herbst ausgebracht werden, empfiehlt es sich, die Maßnahmen zu kombinieren. Auf Bienen gilt es zu achten, doch laut Köppl ist hier keine große Gefahr zu erwarten, da sich keine Trachtpflanzen im Bestand befinden werden. Es gilt die Schadschwelle von zehn Prozent befallener Blätter. Eine Hilfestellung bietet das neue Virosen- Monitoring auf warndienst.lko.at, das die AGES in Kooperation mit der Landwirtschaftskammer ins Leben gerufen hat. Dabei wurde das Ausfallgetreide gebietsweise gesammelt und im Labor auf Infektionen mit den Virosen getestet. Die Ergebnisse zeigen an, welche Gebiete mit welchen Virosen infiziert sind. Was nicht heißen soll, dass ihr Getreide bei zwei grünen Lichtern sicher ist.