AgrarpolitikKommentar: Aus Corona lernen

Kommentar: Aus Corona lernen

Die Corona-Krise stellt die Auswüchse der Globalisierung, des scheinbar grenzenlosen Wachstums und des zügellosen Freihandels in Frage.
Quelle: Wang An Qi/shutterstock.com

Unser Handeln ist geprägt von Preiskampf und Kostensenkung. Auf Schlachthöfen arbeiten osteuropäische Billigarbeitskräfte, um unsere Eltern kümmern sich rumänische Pflegerinnen, und Arzneimittel lassen wir in China und Indien produzieren. Alles so günstig wie möglich. Globalisierung bis zum Anschlag.

Doch plötzlich bricht dieses Gebilde ein. Plötzlich fragt sich die Fleischwirtschaft, ob ihre Gastarbeiter nach dem Wochenende wieder nach Österreich kommen dürfen oder wollen. Und plötzlich kommt Olga nicht mehr zu Vati und Mutti. Die Angst vor dem Coronavirus war ihr zu groß. Die Alten und Kranken haben nun aber ohnehin größere Sorgen, denn immer mehr Medikamente sind nicht mehr lieferbar. 80 % der Wirkstoffe werden in Asien produziert – aus Kostengründen. Die Abhängigkeit ist bedrohlich.

In Zeiten der Krise wird klar, dass wir unsere Existenz nicht dem freien Markt überlassen dürfen. Es braucht lenkende Eingriffe, gemeinsame europäische Lösungen und eine „gesunde“ Selbstversorgung. Europas Gesellschaft muss daraus lernen. Auch Lebensmittelhandel, Konsumenten und Agrarpolitiker sollen Lehren aus dieser Fehlentwicklung ziehen. Wer heute die lokale Landwirtschaft dem Weltmarkt opfert, ist morgen von internationalen Lebensmittelexporten abhängig. Das sei auch all jenen gesagt, die beim Einkauf ausschließlich auf den Preis schauen. Die nächste Krise kommt bestimmt.