LandtechnikBergtechnikMotormäherKarl Köppl im Gespräch : Technik muss bezahlbar sein

Karl Köppl im Gespräch : Technik muss bezahlbar sein

Karl Köppl jun. führt das Familienunternehmen in der vierten Generation. Foto: Paar

LANDWIRT: Herr Köppl, bei Motormähern haben sich viele Hersteller in den letzten Jahren Neuerungen einfallen lassen. Warum steht diese Technik so stark im Fokus der Entwickler?

Karl Köppl: Der Balkenmäher erlebt eine Renaissance. Es findet in unserer Gesellschaft ein Umdenken statt. Es wird wieder ökologisch gedacht. Als vor 20 Jahren die Rasentraktoren gekommen sind, wurde der Balkenmäher im Garten- und Hobbybereich bereits tot gesagt. Heute gibt es immer mehr Flächen, auf denen keine rotierende Technik mehr eingesetzt werden darf. Der Motormäher mit schneidender Technik ist wieder auf dem Vormarsch.

Abseits dieses ökologischen Aspekts: Was hat der Landwirt davon, der damit Geld verdienen muss?

Gerade ihm kommen die neuesten Entwicklungen zugute: Moderne Einachser sind viel mehr als ein Motormäher. Sie sind als Geräteträger konzipiert und können vielseitig eingesetzt werden. Die Schlagkraft ist durch stärkere Motoren und größere Arbeitsbreiten enorm gestiegen. Aber auch in puncto Komfort und Sicherheit haben wir viel getan.

„Durch das Umdenken in unserer Gesellschaft in Richtung Ökologie erlebt der Balkenmäher eine Renaissance.“

Wo sehen Sie die Grenzen bei der Motorleistung? Ein Mitbewerber von Ihnen hat Tests mit einem 37- PS-Motor angekündigt.

Natürlich wünscht sich der eine oder andere beim Mulchen noch mehr Motorleistung. Grundsätzlich könnten wir stärkere Motoren aufbauen, aber wir dürfen dabei den Gewichtsaspekt nicht aus den Augen verlieren. Je schwerer eine Maschine, desto stärker driftet sie ab. Bodenschäden und –verdichtungen nehmen zwangsweise zu. Unser Weg ist ein anderer: Wir haben uns für einen hydrostatischen Fahrantrieb und für die mechanische Zapfwelle entschieden. Das ist genau wie beim Fendt-Traktor: Vario Fahrantrieb, aber eine mechanische Zapfwelle –- und das bis 400 PS und mehr. Wäre ein hydraulischer Geräteantrieb effizienter, hätten wir heute andere Traktoren.

Aber ein mechanischer Antrieb hat nicht nur Vorteile.

Natürlich hat ein mechanischer Geräteantrieb konstruktive Nachteile. Es wäre für uns wesentlich einfacher alles hydraulisch zu machen. Zum Beispiel ist die Drehzahlanpassung bei Anbaugeräten mechanisch deutlich mehr Aufwand als mit einem Ölmotor. Beim mechanischen Antrieb spare ich in Summe aber Gewicht und bin effizienter. Wir haben mit unserem System auch kein Problem mit Ölverschmutzungen und Verunreinigungen. Am Ende des Tages zählen für den Landwirt der niedrigere Kraftstoffverbrauch, das geringere Gewicht und der geringere Bodendruck.

Wie sieht es mit dem Elektroantrieb aus? Sie haben im Vorjahr den Compact Easy eDrive vorgestellt.

Genau. Wir haben bei diesem Einachser den Verbrennungsmotor durch einen Elektromotor mit Akkutechnologie ersetzt. Daraus ist eine kleine Hausmeister-Maschine für Dienstleister im innerstädtischen Bereich entstanden. Das ist unser erster Beitrag zur CO2-Problematik. Diese Maschine ist viel leiser und daher für den städtischen Einsatz prädestiniert. Wir haben aber auch schon Anfragen von Bergbauern für komplett elektrobetriebene Maschinen, die ihren eigenen Strom von der Photovoltaik-Anlage nützen möchten. Wobei ich nicht der Überzeugung bin, dass das der letzte Stand der Entwicklungshierarchie ist.

Welche Entwicklungen haben für Sie Priorität?

Auch ein Motormäher wird immer komplexer. Daher rücken wir jetzt den Bediener in den Fokus. Er darf nur der Dirigent sein, alles andere muss die Maschine selber machen. Ich erkläre Ihnen das anhand eines Beispiels: Wenn ich die Achse manuell verschieben muss, muss ich überlegen was für eine optimale Gewichtsverteilung zu tun ist: Bin ich vorne zu schwer, komme ich aus einer Mulde nicht mehr raus oder bäumt sich der Mäher auf? Für eine stets optimale Balance bin ich ständig am Tun. Dabei hat man bei Arbeitsbreiten bis 4,7 m im unwegsamen Gelände mehr als genug zu tun. Daher haben wir die automatische Achsverschiebung entwickelt. So kann sich der Bediener voll auf das Mähen konzentrieren und steigert dadurch die Leistung. Wenn die dafür benötigten Sensoren und die Elektronik schon vorhanden sind, ist es zum ferngesteuerten oder autonom fahrenden Mäher nicht mehr weit.

„Den autonom fahrenden Motormäher bringen wir erst auf den Markt, wenn die Technik bezahlbar ist.“

Ist die Fernsteuerung bei Motormähern wirklich ein wirtschaftlicher Nutzen oder ist sie nur ein nettes Spielzeug?

Weder noch! Es gibt Anwendungsbereiche, wo die Sicherheit eine Fernsteuerung erfordert. Aber eines muss man auch deutlich sagen: Durch die Distanz zum Gerät verliert man das Gespür für die Maschine. Mit einer Kamera am Mäher und einem Display an der Fernsteuerung lässt sich zumindest ein visueller Kontakt herstellen. Das ist schon ein großer Fortschritt. In puncto Flächenleistung brauchen wir gar nicht diskutieren – handgeführt ist deutlich effizienter. Für Kommunen spricht noch, dass sich mit einer Fernsteuerung die möglichen Arbeitszeiten deutlich erhöhen lassen, da die Vorschriften der Vibrationsrichtlinie leichter erfüllt werden können.

Wann kommen die autonom fahrenden Einachser?

Die Autonomie beschäftigt uns schon sehr lange. Alle renommierten Hersteller entwickeln daran und haben meist bereits Lösungen in der Schublade – so wie wir. Die Technik muss bezahlbar sein, das ist uns wichtig. Die Mehrkosten für die Autonomie dürfen nach meinen Vorstellungen rund 15.000 Euro betragen. Wenn alle Tests abgeschlossen sind, werden wir damit auf den Markt gehen. Wichtig ist uns, dass man zwischen den Systemen Handbetrieb, Fernsteuerung und Autonomie hin und her wechseln kann. Daher arbeiten wir an einem Modulsystem. Der Landwirt wird die hohen Investitionskosten nur dann akzeptieren, wenn er den Mäher unter allen Bedingungen optimal einsetzen kann. In echten Steillagen wird es ohne Handsteuerung wohl nicht gehen.

„Der Bediener und die Qualität müssen bei allen Neuentwicklungen im Fokus stehen.“
Köppl Motorgerätefabrik

Rund 85 Mitarbeiter sind bei der Firma Köppl beschäftigt. Foto: Paar
  • Familienbetrieb in 4. Generation im Bayerischen Wald
  • Gründungsjahr 1896
  • 85 Mitarbeiter
  • Produktionsvolumen:

– 1.000-1.500 Trägerfahrzeuge pro Jahr

– rund 3.000 Anbaugeräte pro Jahr

  • Nettoumsatz pro Jahr: rund 9 Mio. Euro
  • Fertigungstiefe rund 85 %