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John Deere 6120M Traktor aus Mannheim

Vier kompakte 6M-Traktoren mit kurzem Radstand.
Quelle: Suppan-Film

Mit der neuen 6M-Serie will John Deere alle Anforderungen vom Grünland bis zum Ackerbau abdecken. Das Angebot ist dementsprechend vielfältig: Zehn Modelle von 90 bis 195 PS, vier verschiedene Radstände von 2,4 m bis 2,8 m und die drei Ausstattungsvarianten „Select“, „Select+“ und „Premium“. Für unseren Fahrbericht stellte uns John Deere das Topmodell mit dem kleinsten Radstand von 2,4 m – den 6120M – zur Verfügung. Er war mit der Select+-Ausstattung und weiteren Optionen konfiguriert. Mit der Einführung dieser neuen Kompakttraktoren hat der Hersteller die bisherigen kompakten 6MC und 6RC von der Verkaufsliste gestrichen.

Kompakter Freisichttraktor

Die neuen kleinen 6M-Traktoren sind deutlich kompakter als ihre Vorgänger 6MC bzw. 6RC, aber größer und schwerer als die 5R-Baureihe. Ähnlich wie diese hat auch der 6M eine vorne abgeschrägte Motorhaube, wie wir sie auch von älteren Serien diverser Marken kennen, die aber in den letzten Jahren aufgrund der ständig steigenden Anforderungen an die Abgastechnologie mehr und mehr verschwunden sind.

Ein heller, aufgeräumter Arbeitsplatz
mit guter Rundumsicht.
Quelle: Paar

Eine verbesserte Rundumsicht und Wendigkeit waren zentrale Anforderungen bei der Entwicklung dieser Traktoren. Diese Vorhaben sind den Mannheimer Traktorenbauern unserer Meinung nach gut gelungen. Die Sicht sowohl auf den Frontanbauraum als auch auf den angehobenen Frontlader ist beeindruckend. Ermöglicht wird dies unter anderem durch eine schmal gehaltene Lenksäule ohne Armaturenbrett, eine durchgehende Frontscheibe sowie das optionale Panoramadach.
Imponiert hat uns auch die Wendigkeit unseres Vorführtraktors, der mit der größtmöglichen Bereifung (vorne 540/65 R24, hinten 600/65 R38) ausgestattet war.
Laut Hersteller wiegen die kleinen 6M-Traktoren mit Basisausstattung etwa 5,8 t. Wer sich beim Kauf für das starke Hubwerk (und damit verbunden für 10,45 t zulässiges Gesamtgewicht – in Österreich sehr oft gewählt) entscheidet, kann bis zu 4,7 t zuladen. Mit diesem guten Wert entspricht John Deere den ständig steigenden Gerätegewichten. Auch das seit 1992 bewährte Rahmenkonzept trägt das Seine dazu bei.

4,5 Liter-Motor, Stufe 4

Unter der abgeschrägten Motorhaube sitzt der auf vier Silentblöcken im Rahmen gelagerte PowerTech-4-Zylindermotor mit 4,5 Liter Hubraum. Der 6120M hat eine Nennleistung von 88 kW/120 PS nach ECE-R120. Bei schweren Zugarbeiten entfaltet dieses Triebwerk laut Hersteller bei etwa 1.900 Motorumdrehungen eine Maximalleistung von bis zu 133 PS. Bei Zapfwellenbetrieb oder Transportfahrten stellt das IPM (Intelligentes Power Management) bis zu 20 PS Mehrleistung zur Verfügung. Der Konstantleistungsbereich von 600 U/min erstreckt sich zwischen 2.100 und 1.500 Motorumdrehungen. Das maximale Drehmoment von 562 Nm soll bei 1.600 U/min zur Verfügung stehen.

Der 4,5-Liter-Motor im 6120M leistet bei Nenndrehzahl 88 kW/120 PS (nach ECE-R120).
Quelle: Paar

Der Motorraum und die wichtigsten Wartungsstellen sind gut zugänglich. Sogar die beiden Seitendeckel lassen sich dank Magnethalterungen werkzeuglos abnehmen. John Deere verfolgt bei diesem Motor mit Common RailEinspritzung und Turbolader mit Abgas-Bypassventil ein anderes Abgasmanagement als bei den Traktoren von 6R bis 9R. Der 6120M hat keine Abgasrückführung und auch keinen Partikelfilter. Die Abgase werden nur mit einem Dieseloxidationskatalysator (DOC) und AdBlue (SCR-Technologie) nachbehandelt. Das ist auch „der Schlüssel“ für die gute Sicht nach vorne. Die abfallende Motorhaube hat aber auch ein kompakteres Kühlpaket erforderlich gemacht, so dass die Kühler leider nicht mehr ausziehbar sind. Allerdings sind sie mit größeren Zwischenräumen versehen. Lediglich der kleine Kraftstoffkühler lässt sich für Reinigungsarbeiten zur Seite schwenken.
Standardmäßig fassen die Tanks 175 Liter Diesel und 19 Liter AdBlue. Optional gibt es einen 205 Liter großen Dieseltank.

Drei Getriebevarianten

Unser Vorführtraktor 6120M war mit dem AutoQuad Plus Eco-Getriebe ausgestattet. Drei Varianten stehen zur Wahl, vom einfachen Handschalt- bis zum vollautomatisierten Lastschaltgetriebe: PowrQuad Plus, AutoQuad Plus (Eco), CommandQuad Plus (Eco). Die Zusatzbezeichnung Eco bedeutet, dass die Höchstgeschwindigkeit 40 km/h beträgt und diese bei reduzierter Motordrehzahl erreicht wird. Konstruktiv sind alle Varianten gleich aufgebaut: sechs Gruppen mit vier unter Last schaltbaren Gängen. Beim Powr- und AutoQuad Plus-Getriebe muss man die Gruppen händisch schalten. Bei der vollautomatischen CommandQuad-Variante schalten auch die Gruppen elektrohydraulisch, also ohne das Kupplungspedal treten zu müssen.

 

Im Gangschalthebel des AutoQuad-Getriebes sind zwei Lastschaltknöpfe, ein Knopf für die automatische Lastschaltung und ein Kupplungsknopf integriert.Beim AutoQuad Plus-Getriebe lassen sich die vier Lastschaltgänge auf drei verschiedene Arten manuell – mit zwei Knöpfen im Gangschalthebel, einem Taster in der rechten Bedienkonsole und auch am programmierbaren elektrischen Joystick – oder auch automatisch schalten. Neu ist, dass sich neben den Schaltzeitpunkten auch die Aggressivität der lastschaltbaren Wendeschaltung einstellen lässt.

Der Gangschalthebel hat serienmäßig einen Kupplungsknopf und eine integrierte Parksperre. Ist die Parksperre eingelegt, wird gleichzeitig auch die Druckluftbremse des Anhängers aktiviert.
Der Linkshand-Reversierer ist bei dieser Traktorserie nicht mehr gerastet, sondern getastet. Das heißt: Zum Fahrtrichtungswechsel muss er nur mehr kurz angetippt werden. Zusätzlich gibt es auch im elektrischen Armlehnen-Joystick einen Knopf, mit dem sich mit der rechten Hand die Fahrtrichtung wechseln lässt.

Bis zu 114 l/min und 7 Steuergeräte

John Deere bietet zwei Hydraulikpumpen an: 80 l/min oder eine Loadsensing-Anlage mit einer verstellbaren Axialkolbenpumpe von bis zu 114 l/min. Der gemeinsame Ölhaushalt von Getriebe und Hydraulik kann bei Bedarf mit einem optionalen Zusatztank vergrößert werden. Die Bauart mit dem Zusatztank hat laut Hersteller zwei wesentliche Vorteile: Zum Ersten stehen bis zu 35 Liter Öl für externe Verbraucher schnell zur Verfügung und zum Zweiten erhöht sich die Wirtschaftlichkeit durch redu zierte Planschverluste. Wie bei der Premiumserie 6R drückt eine Luftpumpe im Getriebe überschüssiges Öl in den Zusatzölbehälter.

Im Heck stemmen die kleinen 6M-Maschinen mit den starken Zylindern
über den gesamten Hubbereich laut Hersteller 3.600 kg (610 mm hinter den Koppelpunkten
nach OECD).
Quelle: Paar

Der 6M kann mit mechanischen oder elektrischen Zusatzsteuergeräten ausgestattet werden. In unserem Fall waren drei elektrische Hecksteuergeräte und drei Zwischenachssteuergeräte verbaut. Insgesamt sind bis zu sieben doppeltwirkende Steuergeräte oder sechs und ein Power Beyond-Anschluss möglich. Es gibt sogar einen Hydraulikblock, bei dem sich der Loadsensing-Druck zur besseren Steuerbarkeit von Geräten zwischen vier und 24 bar regeln lässt. Neu ist auch, dass es ab Werk eine Vorbereitung für einen drucklosen Rücklauf gibt.

Auch bei der Hubkraft lässt sich John Deere nicht mehr lumpen: Im Heck stemmen die kleinen 6M-Maschinen mit den starken Zylindern über den gesamten Hubbereich laut Hersteller 3.600 kg (610 mm hinter den Koppelpunkten nach OECD). Auch vorne hebt er gute 3.300 kg. Das Fronthubwerk lässt sich mit einem Absperrhahn von einfach- auf doppeltwirkend umstellen. Mit einer Drossel kann für den einfachwirkenden Betrieb die Senkgeschwindigkeit verlangsamt werden.
Weniger üppig ist die Zapfwellenausstattung: Im Heck kann man zwischen 540, 540E und 1.000 Umdrehungen wählen. Vorne gibt es wie üblich die 1.000er-Variante.

Überarbeitetes Kabinendesign

Die Kabine ist außen und innen neu designt. Gegen Aufpreis gibt es eine mechanische Kabinenfederung, die ergänzend zur gefederten Vorderachse für einen hohen Fahrkomfort sorgt. Das neue LED-Scheinwerferpaket leuchtet volle 360° aus. Auch innen hat sich viel getan: Auffällig ist, dass es kein Armaturenbrett mehr gibt, dafür ein gut lesbares Eckpfostendisplay, wie es von den Großtraktoren bekannt ist. Die Sicht nach vorne ist wie schon erwähnt beeindruckend. Die Lenksäule lässt sich schwenken und teleskopieren. Viele einstellbare und gut angebrachte Luftdüsen sorgen für ein angenehmes Klima. Die Klimaanlage lässt sich allerdings nur mechanisch regeln.
Alle Einstellungen für Motor, Getriebe, Hydraulik, Zapfwelle und vieles mehr lassen sich über ein Drehrad und die Schnellzugrifftasten in der rechten Seitenkonsole bedienen. Mit etwas Übung findet man sich in den diversen Menüpunkten rasch zurecht. Auch die Bedienelemente von Hubwerk, Hydrauliksteuergeräten und Zapfwellen sind aus den anderen John Deere-Traktorserien bekannt. Ein Novum bei John Deere ist der Taster zum Speichern von zwei Drehzahlen – endlich! Die damit gespeicherten Motordrehzahlen lassen sich jederzeit übersteuern. Zudem kann auch eine maximale Drehzahl eingestellt werden.

Dieser elektronische Joystick lässt sich für den Betrieb von
Hubwerk, Steuergeräten und Frontlader konfigurieren.
Quelle: Paar

Wer an seinen 6M auch einen Frontlader anbauen möchte, sollte sich den elektronischen Joystick mit Reversier- und Gangschaltfunktionen näher ansehen. Damit lässt sich aber nicht nur ein Frontlader komfortabel bedienen, es können auch die Hubwerke und andere Hydraulikfunktionen von der rechten Bedienkonsole auf die Armlehne gelegt werden. Weiters bietet die Kabine viele praktische Details wie z.B. verschiedene Stromsteckdosen, USB- und AUX-Anschlüsse, ISOBUS-Dosen bis hin zu staubdichten und absperrbaren Ablagen.
Zu guter Letzt lässt sich der 6M auch mit allen von John Deere verfügbaren intelligenten Lösungen wie z.B. ISOBUS, automatischem Lenksystem oder dem Telemetrie-System JDLink ausrüsten. Dann ist der 6M jedoch technisch und vermutlich auch preislich der Premiumserie 6R nahezu gleichzusetzen. Der gut ausgestattete Vorführtraktor 6120M kostet laut Preisliste gute 150.000 Euro inkl. 20 % MwSt. In der Basisausstattung mit weitgehend mechanischer Bedienung gibt es ihn ab etwa 104.500 Euro.