RindIn drei Schritten zum nächsten Kalb

In drei Schritten zum nächsten Kalb

Lassen Sie Tiere mit bestätigter Trächtigkeitsuntersuchung nachuntersuchen, wenn sie Brunstsymptome oder einen ungewöhnlichen Scheidenausfluss zeigen.
Quelle: Peinhopf-Petz

Wenn Kühe keine Brunstsymptome zeigen, gibt es dafür meist zwei Gründe. Im Falle einer Azyklie ist der Eierstock nicht aktiv, bei einer Anöstrie wird die Brunst nicht erkannt.

Internationale Studien besagen, dass etwa ein Viertel der Kühe zwei Monate nach der Kalbung Azyklien aufweisen. Meiner Erfahrung nach sind das meist jene Tiere, die über längere Zeit sehr mager waren. Hormonelle Therapien sind erst sinnvoll, wenn diese Kühe substanziell an Körpermasse zulegen. Oftmals kommt es dann auch spontan zu Brunstäußerungen.

Anöstrien, also keine sichtbaren Brunstsymptome, sind einerseits von der Intensität der Brunstbeobachtung und andererseits vom Brunstverhalten der Kühe abhängig. Automatische Brunsterkennungssysteme registrieren
auch kurze brunstbedingte Veränderungen, da sie volle 24 Stunden pro Tag Verhaltensweisen wie Bewegung und Wiederkauen messen und analysieren.

Um eine Brunst ohne solche Hilfsmittel zu erkennen, sollten Sie mindestens dreimal täglich 20 Minuten dafür aufwenden. Beobachten Sie die Tiere am besten außerhalb der Fütterungs- und Melkzeiten. Werfen Sie auch spät
abends noch einen Blick in den Stall, da viele Kühe auch erst nachts Aktivität zeigen. Außerdem können Sie Brunstschleim oder auch ein Abbluten bei den bereits liegenden Tieren leichter erkennen.

Klauenprobleme und glatte Böden können eine Ursache für schwache Brunstäußerungen sein. Eine Studie aus dem Jahr 1986 zeigte, dass die Aufsprungaktivität auf einer Weide 15 Mal höher ist als auf Betonboden! Schaffen Sie gut einsehbare Bereiche mit griffigem Untergrund, damit die Rinder ihre Brunst ausleben können.

Hohe Leistung verkürzt die Brunstdauer

Das Stieren dauert bei einer Milchleistung von 25 Litern rund 15 Stunden, während Kühe mit 45 Litern  Tagesmilchmenge im Durchschnitt nur noch fünf Stunden brünstig sind. Damit wird es bei höheren Leistungen zunehmend schwerer, allein durch Tierbeobachtung verlässlich alle Brunsten zu erkennen.

Der Grund für die verkürzten Brunsten liegt im Stoffwechsel der höher leistenden Tiere. Hohe Leistungen setzen hohe Futteraufnahmen voraus, wodurch der Blutfluss im Magen-Darm-Trakt und in weiterer Folge zur Leber deutlich zunimmt. Da die Leber auch für den Abbau der Hormone verantwortlich ist, wird bei höheren Blutflüssen auch Östrogen rascher abgebaut, wodurch Brunstintensität und Brunstdauer abnehmen.

Ei- und Samenzelle vereinigen

Eine Konzeption (Empfängnis) setzt eine gute Qualität von Sperma und Eizelle voraus.
Gerade bei künstlicher Besamung müssen Sie die drei Grundregeln einhalten: die regelmäßige Kontrolle der Stickstoffmenge, ein ordnungsgemäßer Auftauvorgang und eine entsprechende Besamungsroutine. Die Temperatur
des aufgetauten Samens darf nicht mehr sinken. Bringen Sie die Besamungspistole vor allem im Winter nahe am Körper (unter der Achsel) zur Kuh oder nutzen Sie einen sogenannten Pistolenwärmer.

Bei starkem Körperfettabbau finden wir auch in der Eibläschenflüssigkeit freie Fettsäuren.
Eine Studie aus Belgien belegt, dass Eizellen dieser Kühe eine um etwa 30 % verminderte Fruchtbarkeitsleistung aufwiesen. Nachdem die Eizellen in den Eibläschen etwa zehn Wochen reifen, können auch länger zurückliegende
Ketosen den Besamungserfolg deutlich vermindern.

Ketose kann durch die Messung von Ketonkörpern in Blut, Milch oder Harn nachgewiesen werden.
Die Messung der Rückenfettdicke ist eine gute Methode um Fütterung und Stoffwechsel zu überwachen. Kühe, die innerhalb von fünf Wochen mehr als 7 mm an Rückenfett abbauen, haben sehr häufig Eierstockszysten. Tiere,
die über einen langen Zeitraum eine sehr geringe Körperkondition von nur 5 bis 7 mm haben, sind hingegen meist azyklisch und die Eierstöcke sind extrem klein.

Die Morgen-Abend-Regel einhalten

Die größte Chance für eine erfolgreiche Besamung haben Sie 24 bis 12 Stunden vor dem Eisprung (68 % lebende Embryonen). Aber  auch 12 Stunden davor und 12 Stunden danach liegt die Erfolgsrate immerhin noch bei 41 %. Als Grundregel gilt aber immer noch die Morgen-Abend-Regel. Demnach sollte eine Kuh, die in der Früh eine deutliche Brunst zeigt, gegen Abend besamt werden und umgekehrt.

Nach Entzündungen der Gebärmutter in der Nachgeburtsphase kann es vorkommen, dass ein oder beide Eileiter  verklebt sind und somit den Samenzellen der Weg versperrt wird. Ist die Verklebung nur einseitig, kann es
bei einer der nächsten Brunsten mit einem Eisprung am gegenüberliegenden Eierstock zu einer Befruchtung kommen. Sind jedoch beide Seiten betroffen, gibt es keine Chance für eine natürliche Trächtigkeit. Solche Tiere zeigen zwar regelmäßige Brunsten und einen klaren Schleim, werden aber nicht tragend. Einen Embryo aus einer Embryotransferspülung einzusetzen, ist eine mögliche Lösung.

Trächtigkeit ist mit Risiken behaftet

Vom unbeobachteten embryonalen Frühtod bis zum Spätabort gibt es viele Ursachen für eine Unterbrechung der Trächtigkeit. Da unsere Rinder nach einer erfolglosen Besamung oder nach einem Verlust der Frucht nicht immer
eine Brunst zeigen, ist eine möglichst frühzeitige Trächtigkeitsuntersuchung mittels Ultraschall oder auch durch Nachweis der PAGs in der Milch eine wesentliche Maßnahme im Fruchtbarkeitsmanagement. Das spart Zeit.

Die Wahrscheinlichkeit für eine Fehlgeburt ist in den ersten Trächtigkeitswochen am größten. Sie wird jedoch meist zu spät erkannt. Daher sollte in jedem Fall eine Nachkontrolle mittels Ultraschall ab dem 60. Trächtigkeitstag erfolgen. Verliert die Kuh den Fötus zu einem späteren Zeitpunkt, finden Sie entweder Fruchtteile oder die Kühe zeigen einen blutigen Vaginalausfluss.

 

Dr. Walter Peinhopf-Petz ist praktischer Rindertierarzt mit Schwerpunkt Bestandsbetreuung bei DR VET -Die
Tierärzte in der Steiermark.