BioIn 10 Schritten zum eigenen Frühstücks-Ei

In 10 Schritten zum eigenen Frühstücks-Ei

Im Auslauf sollten sich auch Bäume und Sträucher zum Schutz vor Greifvögeln und als Schattenspender befinden. Foto: Goldberger

Von Roman GOLDBERGER, LANDWIRT Redakteur und Hobby-Hühnerhalter

1. Wie viele Hennen will ich halten?

Hühner sind mit Ausnahme des Eierlegens immer in der Gruppe unterwegs. Von der Futtersuche über das Putzen des Gefieders bis zum Schlafen machen Hühner alles gemeinsam. Deshalb ist es auch ratsam, mindestens vier Hühner zu halten. Auch ohne Hahn legen die Hühner Eier, die eben nicht befruchtet sind. Das wird dann schlagend, wenn Sie selbst die Nachzucht heranziehen wollen. Grundsätzlich wirkt sich aber ein Hahn in der Gruppe positiv auf das Sozialverhalten der Hühner aus. Je nach Rasse stellen 5 bis 20 Hennen pro Hahn eine stabile Gruppe dar.

2. Wo kaufe ich Junghennen?

Als Bio-Betrieb können Sie die ca. 18 Wochen alten Junghennen von einem Aufzuchtbetrieb kaufen. In Österreich haben sich die Verbände in einer Branchenlösung auf das Bruderhahn-Projekt geeinigt. Das heißt, dass die männlichen Hühner ebenfalls aufgezogen werden und die schlechtere Mastleistung durch höhere Kosten für die Junghennen kompensiert wird. Auch in Deutschland gibt es diese Bruderhahn-Projekte. Junghennen aus diesen Projekten kosten mit ca. 16 Euro um rund 5 Euro mehr als herkömmliche Bio-Junghennen. Direktvermarkter können diese Mehrkosten in einem Jahr hereinholen, wenn sie das Ei um 2 Cent teurer verkaufen. Zertifizieren Sie Ihre Legehennen nicht als Bio, sondern sind sie nur für den reinen Eigenverbrauch (max. 10 Hennen) gedacht, so können Sie auch herkömmliche Junghennen oder aussortierte Hühner konventioneller Legehennen-Betriebe kaufen.

3. Welche Hühnerrasse soll ich wählen?

Wer sich in Österreich Junghennen aus dem Bruderhahn-Projekt kauft, bekommt die Hybridhennen Lohmann Sandy oder Lohmann Brown. Diese legen ca. 300 braunschalige Eier pro Jahr. Bei den Linienrassen gibt es eine beinahe unerschöpfliche Liste: Anfänger sollten sich für eine robuste Rasse entscheiden. Relativ oft findet man die außergewöhnlich ruhigen und zutraulichen Sussex-Hühner oder auch die Sperber auf Bio-Höfen. Beide Rassen legen ca. 200 Eier pro Jahr und sind unkompliziert. Wollen Sie Junghennen in eine bestehende Gruppe eingliedern, so gliedern Sie unbedingt mehrere neue Junghennen ein, damit sich die Auseinandersetzungen zur Bildung einer neuen Hackordnung auf mehrere Hühner verteilen. Außerdem sollte keinesfalls nur ein Huhn einer Rasse eingegliedert werden – Hühner sind in dieser Hinsicht Rassisten. Ablenkungen im Auslauf und intensive Beobachtung sind während der Eingliederung sehr wichtig.

 

Sperber oder Sussex sind gängige und robuste Hühnerrassen für Anfänger. Foto: Goldberger

4. Wie soll der Auslauf aussehen?

In Deutschland müssen Bio-Betriebe ihren Legehennen mindestens 4 m² Auslauf pro Huhn anbieten. In Österreich sind es 10 m², die man allerdings in Koppeln zu mindestens 4 m² unterteilen darf. Da diese Regelung auch für Betriebe mit Hunderten Hennen gilt, ist es für Kleingruppen ratsam, die 10 m² pro Henne einzuhalten. Manche Experten raten sogar zu 100 m² für 5 Hennen, also 20 m² pro Tier. Mit kleinmaschigen Steckzäunen (1,5–2 Meter hoch) können Sie den Auslauf regelmäßig umstecken und somit die Grasnarbe schützen. Sträucher, Bäume oder Bretterbauten geben den Hennen Deckung und Schutz vor Greifvögeln. Zudem spenden diese Strukturen Schatten. Natürlich können die Hühner auf Bauernhöfen auch frei laufen. Dabei ist es aber wichtig, dass die Eier trotzdem an der dafür vorgesehenen Stelle gelegt werden. Hühner legen ihre Eier oft auf dem gleichen Platz ab, an dem sie ihr Ei das erste Mal abgelegt haben. Es ist daher sinnvoll, die Hühner zumindest zu Beginn im Auslauf zu halten, um sie an die angedachten Legenester zu gewöhnen. Hühner legen große Strecken zurück und machen auch vor Ihrem Garten oder jenem Ihrer Nachbarn nicht Halt. Dieses Risiko sollte Ihnen bewusst sein.

5. Welchen Stall brauchen Hennen?

Der eingestreute Stall dient den Legehennen als Rückzugsort bei Schlechtwetter und in der Nacht. Zudem befinden sich im Stall auch die Ablagenester. Für Hobby-Halter empfiehlt sich zumindest ein eingestreutes, erhöhtes Einzelnest für fünf Hennen. Einzelnester sollten 25–30 cm breit und 35–40 cm tief sein. Zudem wird eine Höhe von 35 cm empfohlen. Da Hühner erhöht schlafen, sollten für alle Tiere genügend Sitzstangen (20 cm/Henne) vorhanden sein. 4 cm breite und hohe Stangen sind optimal, an den Ecken sollte sie leicht abgeschrägt werden. Bringen Sie unter den Sitzstangen einen Kotkasten oder ein Kotbrett an, das Sie einfach aus dem Stall ziehen und reini-gen können. Die Innenwand sollte glatt sein, damit sich keine Milben darin halten können. Ob Sie Wasser und Futter im Stall oder im Auslauf anbieten, liegt an Ihnen. Für Kleinbestände haben sich händisch zu befüllende Vorratsfutterbehälter und Rundschalentränken bewährt. Im Stall werden diese 25 cm über dem Boden aufgehängt, um die Verschmutzung gering zu halten und Mäuse vom Futterbehälter fernzuhalten. Die Auslauföffnung sollte mindestens 40 cm breit und 35 cm hoch sein. Bei größeren Beständen empfiehlt sich eine zweite Öffnung. Damit wird auch die Grasnarbe rund um die Auslauföffnung etwas entlastet. Pro Quadratmeter Stallfläche dürfen laut EU-Bio-Verordnung maximal sechs Legehennen gehalten werden. In Kleinställen haben sich weniger als 6 Hennen pro m² bewährt. Wenn Sie einen Stall bauen möchten, so stellen Sie diesen auf Steher, sodass sich keine Ratten unter dem Stall einnisten können.

 

Weitere Tipps zur Hobby-Hühnerhaltung, darunter ein Planungsbeispiel für einen Kleinstall für fünf Hennen oder die richtige Fütterung, finden Sie in der aktuellen LANDWIRT-Bio Ausgabe 2/2019. Bestellen Sie gleich ein Probeheft.

LANDWIRT Tipp
Viele Informationen bietet das neue ÖKL-Merkblatt 36 „Kleine Ställe für Legehennen“. Auf 16 Seiten finden Sie Haltungsvorschriften, Tipps für die Stall- und Auslaufgestaltung und Planungsbeispiele.
Preis: 7 Euro; Bestellungen im ÖKL unter 0043 1/5051891 oder office@oekl.at