LandtechnikAckerbautechnikIm Fahrbericht: APV Variostriegel 1200 M1

Im Fahrbericht: APV Variostriegel 1200 M1

Der VS 1200 M1 ist derzeit das größte Variostriegel-Modell von APV.
Quelle: Weninger

Bereits auf der Agritechnica 2017 stellte APV seinen Variostriegel vor. Damit reiht sich der österreichische Landtechnik-Hersteller in die Anbieter von Hackstriegeln mit indirekt gefederten und exakt geführten Zinken ein. Seine Ackerstriegel herkömmlichen Federzinken bietet APV übrigens weiterhin an. Zur Agritechnica 2019 hat der Variostriegel von APV einige Neuerungen erhalten. Dazu zählt ein optimiertes Federpaket, Tasträder auch hinten sowie eine komfortable Einstellung der Tasträder. In der abgelaufenen Striegel-Saison konnten wir das Modell Variostriegel 1200 M1 in Ackerbohnen fahren.

Tasträder vorne und hinten

Dieses derzeit größte Modell bietet eine Arbeitsbreite von 12,20 m. Daneben baut APV den Variostriegel auch mit den Arbeitsbreiten 1,5 m, 3 m, 6 m, 7,5 m sowie 9 m. Derzeit arbeitet APV auch an einer 15,2 m breiten Version. Beim Variostriegel 1200 besteht der Klapprahmen aus fünf Segmenten. Zuerst klappen die äußeren Segmente auf die inneren Rahmenteile, anschließend klappen diese um 90° hoch. Eine Folgesteuerung in der Hydraulik verhindert Fehlbedienungen.

Angebaut wird der APV-Striegel im Dreipunkt der Kategorie II oder IIN. Für die Unterlenker steht eine Anbauhöhe bereit. Der Oberlenker wird entweder im Festloch oder im Langloch gefahren. Letzteres, wenn der Striegel mit den optionalen Tasträdern hinter dem Striegel gefahren wird. Eine Wasserwaage am Rahmen hilft dabei, den Striegel parallel zur Bodenoberfläche auszurichten.

Die hinteren Tasträder sind schwenkbar ausgeführt, an allen Tasträdern ist das Lochbild „zweischnittig“.
Quelle: Weninger

Der von uns gefahrene Variostriegel hatte vorne sechs und hinten vier Tasträder montiert, alle mit Reifen der Dimension 16.0/6,5-8. Übrigens: APV baut alle Striegelrahmen schon vorsorglich mit den Aufnahmen für die hinteren Stützräder. Diese können also auch einfach nachgerüstet werden. Die Tasträder bieten zwei Griffe zum einfacheren Einstellen: oben am Formrohr und unten an der Nabe. Durch das doppelte, versetzte Lochraster können die Bolzen feinstufig gesteckt werden. Mit den Tasträdern werden der Zinkenwinkel und damit seine Aggressivität verändert. Dennoch bleibt der Zinkendruck gleich.

Die Tasträder im Heck sind für leichte Kurvenfahrten (mit ausreichend großem Radius!) schwenkbar. Zum Abstellen werden sie fixiert. Wer hinten keine Tasträder bestellt hat, muss zum Abstellen zwei Stützen ausfahren. Alle Tasträder am Variostriegel können übrigens an die Spurweite des Traktors bzw. an den Reihenabstand der Kultur angepasst werden.

Zwischenrahmen und Mengenteiler

Die Zinken am Variostriegel sind auf sechs Balken aufgeteilt. Der Aufbau des Variostriegels von APV ist neuartig: Ein Tragrahmen (auf den Bildern in rot erkennbar) nimmt den Anbaubock, die Tasträder und den darunterliegenden Zinkenrahmen (gelb) auf. Zwischen Trag- und Zinkenrahmen sitzen die speziellen Federpakete. Unter dem gelben Rahmen schauen nur die Zinken hervor – die Kultur kann also nicht durch Federn verletzt werden, zudem ist der Durchgang höher. Wird der gelbe Zinkenrahmen nun hydraulisch nach vorne oder hinten geschwenkt, ändert sich die Länge der Federn und damit der Zinkendruck – das ist natürlich auch während der Fahrt möglich. Eine gut lesbare Skala am Striegel gibt einen Anhaltspunkt über die aktuelle Einstellung. Die Skala reicht von -3 bis 6. Der Bereich von -3 bis 0 begrenzt den Weg der Zinken, die Stellung -3 dient als Transportstellung. Somit können die Zinken nicht nur vorgespannt, sondern auch ausgehoben werden (zum Patent angemeldet). Ab 0 beginnt der tatsächliche Zinkendruck.

Wird der gelbe Zinkenrahmen hydraulisch verschwenkt, ändert sich die Länge der obenliegenden Federn und damit der Zinkendruck.
Quelle: Weninger

Damit auf allen Zinken der gleiche Druck lastet, ist im Hydrauliksystem des Variostriegels ein Mengenteiler eingebaut. So sollen die parallel geschalteten Hydraulikzylinder immer gleich arbeiten. Integrierte, wartungsfreie Ölfilter sollen die eingebauten Drosselscheiben frei halten und somit Störungen verhindern. Für das Klappen und um den Druck einzustellen (serienmäßig hydraulisch), sind zwei doppeltwirkende Steuergeräte am Traktor nötig.

Spezielle Federn und Zinken

Jeder Zinken verfügt über ein eigenes Federpaket. Die außenliegende Kunststoffhülle hat APV zur letzten Agritechnica überarbeitet und verstärkt. Im Inneren des Spritzgusskörpers sorgen drei Federn für einen Zinkendruck von 0 kg (bzw. dem Eigengewicht des Zinkens) bis 3,1 kg pro Zinken. Die einzelnen Federn sind dabei für unterschiedliche Bereiche des gesamten Federweges zuständig. Übrigens setzt APV hier auf Druckfedern. Diese würden laut APV im Vergleich zu Zugfedern über die Jahre nicht an Kraft verlieren und könnten nicht überdehnen.

Durch die indirekte Federung der Zinken und die drehbare Aufhängung im Rahmen ist der Druck in jeder Stellung gleich – egal, ob sich der Zinken auf der Krone, den Flanken oder in der Sohle eines Dammes befindet. Um das zu ermöglichen, können die Zinken seitlich nicht ausweichen. So können sie sich auch nicht in Rillen oder Fahrspuren „verlaufen“. Zudem kann durch das Ausheben des Zinkens auch in sensibleren Kulturen bzw. Pflanzenstadien gestriegelt werden.

Herzstück des Variostriegels sind seine Federpakete. In den schwarzen Kunststoff-Schalen verbergen sich drei Druckfedern.
Quelle: Weninger

Beim größten Variostriegel 1200 arbeiten insgesamt 350 Zinken. Das ergibt einen Strichabstand von 35 mm. Die Zinken sind 520 mm lang und 8 mm stark. Von der Zinkenspitze bis zur Biegung sind es 115 mm – als nutzbare Verschleißlänge bleiben also gut 100 mm. Die Arbeitstiefe gibt APV mit 0 bis 30 mm an. Auf Wunsch können statt den Zinken aus Federstahl auch Zinken mit Hartmetallauflage bestellt werden. Die aufgelöteten Hartmetallplättchen weisen eine Länge von 60 mm auf. Der Aufpreis beträgt 15,60 Euro pro Zinken (alle Preise inkl. 20 % MwSt.), das bedeutet beim 12-m-Striegel 5.460 Euro Aufpreis.

Falls ein Zinken gewechselt werden muss, kann die Kunststoffhalterung mit nur einer Schraube gelöst werden. In dieser Halterung kann auf Wunsch auch ein „Zinkenhalter“ montiert werden (10,20 Euro Aufpreis pro Stück). Er sorgt dafür, dass die jeweiligen Zinken hochgestellt werden, um z.B. in empfindlichen Reihenkulturen die Pflanzen zu schützen.

Auf Wunsch mit Sägerät

Noch ein paar Worte zu einer weiteren Option für den Variostriegel: Natürlich bietet APV auch für diesen die pneumatischen Sägeräte, für die das Unternehmen weithin bekannt ist, als Zubehör an. Auf unserem Striegel war das Modell PS 200 H mit hydraulischem Gebläse aufgebaut – wofür ein weiteres Steuergerät mit drucklosem Rücklauf erforderlich ist. Die 16 Prallbleche sind im Abstand von 75 cm vorne am Striegelrahmen montiert. Über den Aufstieg mit Handlauf und die Plattform erreicht man den Behälter zum Befüllen. In der Traktorkabine hängt das bekannte Steuermodul 5.2 zum Einstellen der Sämenge.

APV setzt beim Variostriegel auf eine Paketklappung.
Quelle: Weninger

Schmierstellen finden sich nur an den Klapppunkten und -zylindern des Hauptrahmens. Die Gleitlager der Druckverstellung sind wartungsfrei. In Grundausstattung wiegt der 12 m breite Variostriegel laut APV 1.500 kg. Dazu kommen noch das Gewicht für die (nicht serienmäßigen) Warntafeln samt Beleuchtung, die hinteren Tasträder sowie das PS-Sägerät (mit Saatgut) samt Bedien-Plattform. APV gibt einen Leistungsbedarf von mindestens 100 PS für sein Striegel-Topmodell an. Mit dem genannten Zubehör und in hügeligem Gelände dürfen es gerne auch größere Traktoren sein. Der Grundpreis beträgt laut Liste 28.764 Euro. In der von uns gefahrenen Ausstattung mit Sägerät ruft APV für den Variostriegel 1200 M1 einen Listenpreis von 41.656,80 Euro auf.

Schauen Sie sich hier einige weitere Fotos des APV Variostriegel 1200 M1 an: