AgrarpolitikHofnahe Schlachtung soll wiederbelebt werden

Hofnahe Schlachtung soll wiederbelebt werden

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Kürzere Transportwege: Künftig soll vermehrt die hofnahe Schlachtung für Großvieh ermöglicht werden. Die konkreten Vorstellungen von EU-Kommission und Europaabgeordneten gehen diesbezüglich jedoch auseinander.
Quelle: Landpixel

Geht es nach der EU-Kommission, dürfen Landwirte künftig einige, wenige Schweine und Rinder auf ihren Betrieben schlachten lassen, um Transportwege entsprechend zu verkürzen. Dies erklärte Eric Thévenard von der Generaldirektion für Gesundheit im Agrarausschuss des Europaparlaments laut einer Aussendung von aiz.info. Der Vorschlag reicht zahlreichen EU-Abgeordneten augenscheinlich jedoch nicht weit genug. Wohl sehe die EU-Verordnung für die Lebensmittelhygiene vor, dass mobile Weide-Schlachtfahrzeuge auch für den Einsatz im Betrieb zugelassen werden sollen. An ein Modell der hofeigenen Fleischverarbeitung und Direktvermarktung, die zu einem wichtigen Standbein in der lokalen Vermarktung werden könnte, denke die EU-Kommission hingegen nicht.

3 Rinder oder 6 Schweine

Die EU-Kommission werde dazu im März einen Vorschlag vorlegen. Der delegierte Rechtsakt beinhalte, so Thévenard, dass Landwirte drei Rinder oder sechs Schweine pro Schlachtgang auf ihren Betrieben betäuben und ausbluten lassen dürfen. Die toten Tiere müssten dann innerhalb von zwei Stunden zu einem Schlachthof transportiert und dort ausgenommen werden. Die neuen Vorschriften für Hofschlachtungen sollten vor allem dem Wohl von Rindern dienen, die kaum an den Umgang mit Menschen gewöhnt seien, erklärte der Kommissionsmitarbeiter.

Man sei indes gezwungen, die Ausnahme vom grundsätzlichen Schlachtverbot für Großtiere auf Höfen mengenmäßig zu begrenzen. Grund hierfür sei, dass die Hygiene im Schlachthof besser als am Bauernhof sei. Darum sei auch die Fleischbeschau von einem Veterinär bei der Hofschlachtung notwendig, um Anforderungen an die Lebensmittelsicherheit nicht zu mindern.

Massive Kritik aus dem EU-Parlament

Der geplante Vorschlag der EU-Kommission wurde im Agrarausschuss von Europaabgeordneten über alle Fraktionen hinweg kritisiert. Vor allem die Forderung der EU-Kommission, dass ein Veterinär die Hofschlachtung überwachen soll, lehnen die Abgeordneten entschieden ab. Denn: Dadurch entstünden Kosten, die die Hofschlachtung und damit die kürzeren Wege von vornherein zum Scheitern brächten.

“Wir werden uns den Vorschlag genau anschauen”, verkündete etwa Ausschussvorsitzender Norbert Lins von der CDU. Nach dessen Ansicht nehme die EU-Kommission mit diesem Vorschlag die eigene “Farm to Fork”-Strategie nicht ernst genug. Um die Transportwege zu verkürzen, müssten die Hofschlachtungen durch versierte handwerkliche Fleischhauer dem Schlachthof gleichgestellt und nicht als Ausnahme betrachtet werden, erklärte Lins. Simone Schmiedtbauer, Agrarsprecherin der ÖVP, begrüßte unterdessen den lange geforderten Vorstoß der EU-Kommission zur lokalen Schlachtung zunächst. Sie zeigte sich jedoch nicht überzeugt von dessen Praxistauglichkeit und Wettbewerbsfähigkeit.