AckerbauMaisGut verdaut ist halb gemolken

Gut verdaut ist halb gemolken

Sorte und Erntezeitpunkt beeinflussen den Futterwert von Silomais und damit auch die Futteraufnahme und Milchleistung von Kühen.
Quelle: Archiv

Maissilage ist eines der wichtigsten Grundfuttermittel in der Rinderfütterung. Deshalb sollten Sie auf einen hohen Futterwert der Maissilage achten. Dieser ist nicht nur eine Voraussetzung für die bedarfsgerechte Versorgung
der Rinder, sondern fördert auch die Futteraufnahme der Tiere. Denn es gilt: Je besser die Abbaubarkeit (Verdaulichkeit) des Futters im Pansen, desto mehr davon können die Kühe fressen, und das wirkt sich positiv auf
die Milchleistung aus. Der Futterwert von Maissilage wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst.
Dazu gehören die Silomais-Sorte, der Erntezeitpunkt, die Erntetechnik und die Witterung im Erntejahr. Ein Versuch an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein hat gezeigt, welchen Einfluss die Sorte und der Erntezeitpunkt auf den Futterwert von Silomais (Nährstoffzusammensetzung, Pansenabbaubarkeit und Gesamtverdaulichkeit) sowie auf die Futteraufnahme und Leistung von Milchkühen haben. Dazu wurden neun Silomais-Sorten (Reifezahl 230 bis 330) über drei Jahre hinweg angebaut und jeweils in drei verschiedenen Reifestadien (Beginn Teigreife, Mitte Teigreife,
Ende Teigreife) geerntet. Die Sorten mit niedriger Reifezahl wurden früher geerntet als jene mit hoher Reifezahl, um bei allen Sorten dasselbe Reifestadium bei der Ernte zu gewährleisten.

Maissorten unterschiedlich gut verdaulich

Beim Maisanbau spielt die Wahl der Silomais-Sorte eine bedeutende Rolle, wobei Sortenlisten eine Hilfestellung bei der Auswahl bieten. Diese Sortenlisten enthalten jedoch meist vor allem Informationen über pflanzenbauliche
Eigenschaften, während kaum Informationen über den Futterwert der Sorten in der Wiederkäuerfütterung angegeben sind.
Für einen Rinderhalter sollte jedoch die Frage,  wie gut die Maissilage vom Tier verwertet werden kann, genauso wichtig sein wie die Frage nach dem Ertrag. Hinsichtlich des Gehalts an Faserkohlenhydraten und Nicht-Faserkohlenhydraten (vor allem Stärke) sowie umsetzbarer Energie und Nettoenergie Laktation unterschieden sich die im Versuch untersuchten Sorten nicht. Dagegen wurden jedoch deutliche Unterschiede zwischen den Sorten in
der Gesamtverdaulichkeit (Verdaulichkeit im gesamten Verdauungstrakt) und in der Pansenabbaubarkeit
(Verdaulichkeit im Pansen) festgestellt. Das bedeutet, dass sich die Sorten (bei Ernte im selben Reifestadium) weniger in ihrer Nährstoffzusammensetzung, sondern viel mehr in ihrer Gesamtverdaulichkeit und Pansenabbaubarkeit unterscheiden.

Erntezeitpunkt optimieren

Für eine hohe Maissilagequalität ist die Wahl des richtigen Erntezeitpunkts genauso wichtig wie die Sortenwahl. Der Energiegehalt von Silomais hängt einerseits vom Stärkegehalt (Kolbenanteil) und andererseits von der Verdaulichkeit ab. Mit fortschreitender Reife nimmt der Stärkegehalt aufgrund des steigenden Kolbenanteils zu, gleichzeitig geht die Verdaulichkeit der Restpflanze zurück. Das hat zur Folge, dass der Energiegehalt von Silomais
ab einem bestimmten Reifestadium nicht mehr weiter steigt, sondern im schlechtesten Fall sogar zurückgeht.

Die Herausforderung liegt also darin, jenes Reifestadium zu finden, in dem der höchste Energiegehalt erreicht wird.
Im vorliegenden Versuch stieg der Gehalt an Nicht-Faserkohlenhydraten bis zum Beginn der Vollreife an, während im Gegenzug der Gehalt an Faserkohlenhydraten zurückging. Die Pansenabbaubarkeit der Maissilage ging dagegen ab Mitte Teigreife (36,6 % Trockenmasse der Maissilage) deutlich zurück (Abb. 1). Das hatte zur Folge, dass sich der Energiegehalt der Maissilage mit fortschreitender Reife nicht änderte. Das lässt den Schluss zu, dass es hinsichtlich des Futterwerts nicht entscheidend ist, ob man Silomais zu Beginn, in der Mitte oder am Ende der Teigreife erntet. Für die Verdaulichkeit der Silage ist der Erntezeitpunkt allerdings durchaus von Bedeutung.

Hohe Pansenabbaubarkeit fördert Futteraufnahme

Neben der Futterqualität beeinflusst auch die Menge an aufgenommenem Futter die Leistung der Rinder. Die Futteraufnahme wird unter anderem durch die Pansenfüllung reguliert. Ist der Pansen voll, frisst die Kuh nicht
mehr. Erst wenn ausreichend Futter verdaut ist, beginnt sie wieder zu fressen. Leicht verdauliches Futter fördert die rasche Entleerung des Pansens, was einen positiven Effekt auf die Futteraufnahme hat. Im aktuellen Versuch wurde Milchkühen eine Maissilage-betonte Ration (75 % Maissilage, 8,5 % Heu, 16,5 % Sojaextraktionsschrot) verfüttert. War die Pansenabbaubarkeit der Maissilage um 1 % erhöht, fraßen die Kühe pro Tag um 0,35 kg Trockenmasse mehr davon und die tägliche Energie-korrigierte Milchleistung (ECM-Leistung) stieg um 0,67 kg. Der Rückgang der Pansenabbaubarkeit zwischen Mitte und Teigreife führt also laut diesen Ergebnissen zu einer 1,15 kg niedrigeren Futteraufnahme und einer 2,21 kg geringeren ECM-Leistung pro Milchkuh und Tag. Daher ist eine späte Ernte des Silomaises (nach Mitte Teigreife) nicht zu empfehlen.

Informationen zu Verdaulichkeit nötig

Die Ergebnisse zeigen, dass durch eine hohe Pansenabbaubarkeit nicht nur der Futterwert der Maissilage steigt, sondern auch die Futteraufnahme und die Leistung von Milchkühen gefördert werden. Das spricht dafür, bei der
Produktion von Maissilage auf eine hohe Pansenabbaubarkeit und Verdaulichkeit zu achten.
Dies können Sie erreichen, indem Sie späte Erntetermine (nach Mitte Teigreife) vermeiden und Sorten mit hoher Pansenabbaubarkeit wählen. Der Versuch hat gezeigt, dass sich die Sorten hinsichtlich der Verdaulichkeit deutlich
unterscheiden, allerdings sind bis dato kaum Informationen zum Futterwert von Silomais-Sorten verfügbar. Damit Landwirte eine gezielte Auswahl treffen können, wäre es wünschenswert, vermehrt Informationen über den
Futterwert von Silomais in die Sortenlisten aufzunehmen.

Dr. Georg Terler leitet die Abteilung für Milchproduktion und Tierernährung der HBLFA Raumberg-Gumpenstein.