SchweinGütesiegel ist mehr wert!

Gütesiegel ist mehr wert!

Das AMA Gütesiegel ist das größte und bekannteste Qualitätsfleischprogramm in Österreich. Mehr als 1800 Schweinemäster nehmen am Programm teil. Rund 1,9 Mio. Schweine haben 2018 das Siegel erhalten. Die Arbeit dieser ‚Gütesiegelbauern‘ wird nun etwas besser entlohnt als bisher. In zähen Verhandlungen mit ihren Abnehmern konnte die Ö-Börse eine Erhöhung des Gütesiegelzuschlags erreichen, berichtet Johann Schlederer, Geschäftsführer der Ö-Börse.
„Die bisherige Tarifregelung für AMA-Gütesiegelschweine blieb mehr als 20 Jahre unverändert. Die damals vereinbarten 50 Groschen das sind etwa 3,6 Cent je kg Schlachtgewicht sind inflationsbereinigt heute weniger als 2 Cent. Es war daher höchste Zeit, eine Anpassung durchzuführen“, freut sich Rupert Hagler, Vorsitzender im Mastausschuss des Verband Österreichischer Schweinebauern, über das Verhandlungsergebnis. Im neuen Tarifpaket sind nun auch Abgeltungen für AMA-V Schweine sowie für sogenannte AGAP Zuchtsauen vorgesehen. AMA-V steht für AMA-Verarbeitung. Mitte 2017 wurde das obere Gewichtslimit für die Stempelung von AMA Schweinen von 102 auf 120 kg angehoben. Die Schweine aus diesem Gewichtsbereich werden überwiegend für Wurstwaren und Verarbeitungsprodukte verwendet. Durch die verstärkte Verbreitung des AMA Gütesiegels auf Verarbeitungsprodukten ist auch der Bedarf an Gütesiegelfleisch gestiegen. Für diese Schweine gab es aber bisher keine zusätzlichen Zuschläge. „Die Landwirtschaft hat hier eine Vorleistung erbracht, damit der gesteigerte Gütesiegelfleischbedarf von Lebensmitteleinzelhandel und Fleischindustrie gedeckt werden konnte“, erklärt Hagler. „Nach zwei Jahren ‚Probebetrieb‘ war es nun an der Zeit, dass diese Schweine auch zusätzlich honoriert werden.“ Neu ist auch, dass Zuchtsauen aus zertifizierten AMA-Gütesiegel Bauernhöfen, bei denen auch die Ferkelstufe von der AMA – Marketing mitkontrolliert wird, den AMA Stempel bekommen können. Das Fleisch dieser sogenannten ‚AGAP Zuchten‘ ist am Markt präsent und muss zukünftig auch honoriert werden. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass der jeweilige Abnehmer bzw. Schlachtbetrieb auch einen Bedarf für diese Kategorie hat.

Zwei Abrechnungsmodelle

Wie schwierig die Verhandlungen waren, sieht man auch daran, dass sich letztlich zwei Abrechnungsmodelle herausgebildet haben. „Mit den beiden Modellen können wir den Unterschieden unserer Abnehmer in den Bundesländern gerecht werden. Sie können aber unterm Strich als wertmäßig gleichwertig gesehen werden“, betonen Johann Schlederer, Geschäftsführer vom VLV in Oberösterreich und Raimund Tschiggerl, Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft Styriabrid in der Steiermark. „Gütesiegelbauern werden in Zukunft im Schnitt um rund 1 Euro mehr Zuschlag je Gütesiegelschwein erhalten“, rechnet Schlederer. Die Erzeugerorganisation VLV in Oberösterreich verrechnet künftig für AMA-Gütesiegelschweine im Gewichtsbereich 80 bis 102 kg einen Zuschlag von 4,4 Cent pro kg Schlachtgewicht und für AMA-V im Gewichtsbereich 102 bis 120 kg einen Zuschlag von 1 Cent pro kg Schlachtgewicht an die Schlachtbetriebe.
Die Erzeugerorganisationen Gut Streitdorf in Niederösterreich und Styriabrid in der Steiermark verrechnen für AMA-Gütesiegelschweine im Gewichtsbereich 80 bis 102 kg einen Zuschlag von 4,8 Cent pro kg Schlachtgewicht. Mit diesem höheren Zuschlag werden in diesem Modell auch die AMA-V Schweine im Gewichtsbereich 102 bis 120 kg abgegolten, für die es dann keinen gesonderten Zuschlag gibt. „Wir haben uns auf eine Abgeltung nur für den Gewichtsbereich von 80 bis 102 kg geeinigt, weil bei uns das Schlachtgewicht ständig zunimmt. Unsere Abnehmer haben im höheren Gewichtsbereich aber immer mehr Qualitätsprobleme und können diese schweren Schweine auch schwieriger vermarkten“, erklärt Tschiggerl. Für AGAP Zuchten wird künftig von allen drei Erzeugerorganisationen der Ö-Börse ein Zuschlag von 5 Cent pro kg Schlachtgewicht verrechnet, wenn sie vom Klassifizierungsdienst entsprechend gekennzeichnet werden und der Schlachtbetrieb diese Kategorie auch vermarktet. Diese höheren Zuschläge wurden von Vertretern der Erzeugerorganisationen der Österreichbörse mit ihren Abnehmern ausverhandelt. Die AMA Marketing als Trägerorganisation des AMA Gütesiegels gibt nicht vor, wie hoch die Zuschläge sein müssen. „Ohne Erzeugerorganisationen hätte es keine Erhöhung des Zuschlags gegeben“, sind sich Schlederer und Tschiggerl einig.

Verarbeitungsware mit 100 % Gütesiegelfleisch

Eine weitere Neuerung gibt es im AMA Gütesiegelprogramm. Mit der Verarbeitungsbranche wurde vereinbart, dass mit Jahresende in Verarbeitungsprodukten mit dem AMA Gütesiegel auch zu 100 % AMA Gütesiegelfleisch verwendet werden muss. Mit September muss der Anteil 75 % betragen. Bisher können die Verarbeitungsbetriebe dafür auch Schweinefleisch verwenden, das mit dem Schweinefleischkennzeichnungssystem ‚sus‘ oder ‚VUQS-S‘ abgesichert ist und zu 100 % aus Österreich stammt.

Mit Jahreswechsel soll das Schweinefleisch in Verarbeitungsprodukten mit dem AMA Gütesiegel zu 100 % von AMA Gütesiegelschweinen kommen.
Foto: Mayringer

Die österreichischen Konsumenten bevorzugen beim Einkauf eindeutig Schweinefleisch aus heimischer Produktion. Bei Frischfleisch ist im Lebensmittelhandel daher auch fast ausschließlich österreichisches Schweinefleisch im Regal oder in der Bedientheke. Rund 80 % davon ist Fleisch mit dem rot-weiß-roten AMA-Gütesiegel. Dieses steht nicht nur für österreichische Herkunft von der Geburt der Tiere bis zur Schlachtung, sondern auch für überwachte Tiergesundheit, regelmäßige Kontrollen der Betriebe und beste Fleischqualität. In der Gastronomie und in Großküchen wird hingegen nach wie vor zu einem hohen Prozentsatz Schweinefleisch nicht österreichischer Herkunft verwendet. Der Verbraucher bekommt dies mangels Information über die Herkunft oft gar nicht mit.