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Göweil Press-Wickelkombination G-1 F125 Kombi im Test

Bei der neuen Press-Wickelkombination G-1 F125 hat Göweil Gutes noch besser gemacht.
Quelle: Paar

Schon bei unserem Praxistest im Jahr 2015 hat unser Testteam beim Vorgängermodell G5040 Kombi viel Gutes festgestellt. Kritikpunkte gab es in erster Linie bei der Bedienung, der Wartung und beim Einzug von nassem, kurzem Futter. Diese Mängel hat Göweil in der neuen Maschine fast zur Gänze behoben. Die augenscheinlichste Änderung ist aber das neue Design mit den geschlossenen Folienmagazinen und den großen Rädern.

Damit hat sich der Hersteller aber nicht zufriedengegeben und hat auch die Antriebe der neuen Press-Wickelkombination nochmals verstärkt. Unser erfahrener Testfahrer rechnet mit einer längeren Lebensdauer von mindestens 50 %, die aber auch bisher – im Vergleich zu vielen Mitbewerbern – sehr hoch war. Das würde bedeuten, dass sich auch die Betriebskosten reduzieren.

Alt Bewährtes ist in der neuen „Kombi“ dennoch gleich geblieben. Das sind in erster Linie die fixe Ballenkammer mit dem nach oben drehenden Schneidrotor und der Wickler. Leider betrifft das auch das Eigengewicht. Unsere Testmaschine brachte rund neun Tonnen auf die Waage. Sie ist gegenüber der alten G5040 aufgrund des neuen Tandem-Fahrwerks nochmals um ein paar hundert Kilo schwerer geworden.

Neues, bodenschonendes Tandem-Fahrwerk: 560/45 R22.5 in Serie, 710/35 R22.5 optional.
Quelle: Paar

Neues Fahrwerk

Beim Fahrwerk hatte Göweil den größten Handlungsbedarf gegenüber seinen Mitbewerbern, die schon längere Zeit mit großen Rädern bodenschonend unterwegs sind. Der bisherigen Göweil-Kombi muss man aber zugutehalten, dass sie mit der hydraulischen Achsentlastung sowohl am Hang als auch beim Boden viel gut macht – ja, sogar besser war, als mancher Mitbewerber mit großen Rädern. Der auf die hintere Achse drückende Hydraulikzylinder entlastet die vorderen Räder. Folglich erhöht sich die Stützlast und damit die Traktion am Zugfahrzeug. Diese Achsentlastung hat auch auf der Straße hinsichtlich Reifenverschleiß und Fahrverhalten Vorteile. Dieses Highlight bietet auch das neue Fahrwerk. Daran schrauben die Oberösterreicher jetzt aber serienmäßig Räder der Dimension 560/45-R22.5 von Vredestein. Dadurch wird das Gewicht gleichmäßiger verteilt und trotz höherem Eigengewicht der Boden weniger belastet. Auf weichem Boden sind deutlich weniger Spuren zu sehen, als es bisher mit der G5040 der Fall war. Für extrem schwierige Bedingungen gibt es optional noch breitere Räder: 710/35-R22.5. Damit erhöht sich aber die serienmäßige Fahrzeugbreite von 3,00 m auf 3,30 m.

Für steile Hanglagen bietet der Hersteller wie bisher eine hydraulische Triebachse an, die bergauf treibt und bergab bremst. Aber auch dabei gibt es Verbesserungen: Da das größere Fahrwerk stärkere 8-Loch-Felgen hat, kann ein leistungsfähigerer Ölmotor verbaut werden. Der neue Ölmotor hat nicht wie bisher zwei, sondern drei Gänge, und treibt jetzt bis 10 km/h an.

Im geschlossenen Folienmagazin ist Platz für 14 Rollen Wickelfolie und zwei Rollen Netz oder Mantelfolie.
Quelle: Paar

Geschütztes Folienmagazin

Bei unserem Praxistest 2015 hatten unsere  Testfahrer den Wunsch nach einem witterungsbeständigen Folienkasten geäußert. Diesen Wunsch hat Göweil erfüllt – Bravo! Das neue Magazin ist wie bisher hydraulisch klappbar, bietet Platz für 14 Wickelrollen statt bisher zehn und zusätzlich zwei Rollen Netz oder Mantelfolie. Außerdem ist es gegen Regen geschützt. Zudem ist durch den geschlossenen Kasten jetzt auch Schluss mit zerrissenen Folien durch herabhängende Äste.

Das neue Design und das integrierte Folienmagazin machen aber auch einen bisher propagierten Vorteil zunichte: Das Fahrgestell lässt sich nicht mehr von der Presse trennen wie beim Vorgängermodel. Damit konnte der Wickler nämlich für mehrere Pressen genutzt werden. Laut Hersteller laufen aber bereits Gespräche mit Herstellern, die keine eigene Press-Wickelkombination im Programm haben, um das neue Fahrwerk an deren Presse anzupassen.

Zeitgemäße Bedienung

Auch steuerungstechnisch hat sich einiges verändert. Die „altertümliche“ Bedienung bei der G5040 ist einer zeitgemäßen ISOBUS-Bedienung gewichen. Diese gibt es jetzt sogar serienmäßig. Für Kunden, die keinen ISOBUS-Traktor bzw. ISOBUS-Terminal haben, bietet der Hersteller ein „eigenes“ ISOBUS-Terminal mit einem Kabelsatz an.

Die ISOBUS-Bedienung ist serienmäßig.
Quelle: Paar

Die neue ISOBUS-Bedienung wurde durchwegs gelobt. Die Oberfläche ist übersichtlich und logisch aufgebaut. Alle wichtigen Funktionen lassen sich direkt auf dem Arbeitsbildschirm, ohne erst in Untermenüs suchen zu müssen, bedienen. Zudem gab es während der gesamten Saison keinerlei Probleme. Verbesserter Einzug und Rotor Auch da gab es beim Test des Vorgängers Kritik: Feuchtes, kurzes Herbstgras schlupfte nicht immer problemlos in die Presskammer.

Es kam hin und wieder zu einem Futterstau. Änderungen an der Pick-up sowie an der zusätzlichen Zuführwalze vor und am Rotor selbst haben es deutlich verbessert. Die mittig, mit einem Bolzen aufgehängte, ungesteuerte Pick-up passt sich Bodenunebenheiten hervorragend an. Mit ihren 2,20 m Breite und den Kunststoffabstreifern hat sie schon in der Vergangenheit viel Lob geerntet. Lediglich auf sehr unebenen Flächen kommt es vor, dass Zinken in den Boden einstechen und manchmal dann auch brechen. Mit den verstärkten Zinken soll damit jetzt Schluss sein.

Die Zuführwalze vor dem Rotor war bei der G5040 hydraulisch angetrieben. Am Profil dieser Walze wurde schon mehrmals experimentiert, um für alle Bedingungen die optimale Wirkung zu erzielen. Jetzt hat sie schmale Paddelbleche angeschweißt und wird mechanisch angetrieben. Trotzdem gibt es noch einen Ölmotor. Dieser soll den Einzug aber nur unterstützen, wenn er zu verstopfen droht. Registriert das Sensorsystem in der Rutschkupplung des Pick-up-Antriebes einen Schlupf, wird der Ölmotor automatisch aktiv und drückt das Futter in den Rotor hinein. Laut Hersteller bekommt diese Walze zur nächsten Saison nochmals einen etwas größeren Durchmesser. Der Rotor selbst wurde ebenso optimiert. Er schluckt jetzt mit „nur“ sechs Sternen mehr als
bisher mit acht.

Bewährte Highlights

Viele bewährte Highlights sind gleich geblieben oder wurden „nur“ hinsichtlich der Wartungs- und Servicefreundlichkeit verbessert. Das trifft z.B. auf das Schneidwerk zu: Die 30 zweischneidigen Wendemesser im Schneidkanal haben jetzt etwas mehr Luft und lassen sich dadurch vor allem bei erhöhtem Staubanfall leichter wechseln. Zudem sind die weiteren 30 Messer in der Parkposition oberhalb des Schneidkanals so geschützt, dass beim Wechseln keine Verletzungsgefahr besteht. Eine Gruppenschaltung bietet Göweil auch bei dieser zweiten Generation nicht an.

Die praktischen Optionen wie die hydraulische Knickdeichsel und Deichselfederungen mit einer Stickstoffblase gibt es unverändert auch bei der neuen Kombi. Das gilt auch für das getrennte Antriebskonzept von Rotor und Presskammer mit dem „Auto Flow Control“-System zur nahezu vollautomatischen Beseitigung von Stopfern. Dadurch kann man die Presse auch ohne große Bedenken an der Leistungsgrenze fahren.
Nach wie vor einzigartig ist die schon beim ersten Praxistest vor vier Jahren viel gelobte optionale Doppelbindung. Damit können gleichzeitig zwei Netzrollen oder Mantelfolien eingespannt werden. Das halbiert die Bindezeit und reduziert die Zeit für den Wechsel von Folie oder Netz. Die Doppelbindung kann auch als Einzelbindung genutzt werden: In diesem Fall wird ein Schacht mit Netz und der andere mit Folie bestückt. Sowohl die Netz- als auch die Folienbindung funktionierten in der gesamten Testphase klaglos.

Bei der neuen Press-Wickelkombi gibt es an den Schutzverkleidungen kaum mehr waagrechte Flächen, auf denen sich Futter ansammeln könnte. Vor allem der Bereich der Ballenübergabe und des Fahrwerkes war deutlich weniger verschmutzt.

Außer den Hauptantriebsketten wurden auch alle anderen Ketten wie z.B. jene des Wickeltisches verstärkt. Diese sind zudem wartungsfrei. Schmierstellen wurden ebenso reduziert, und dort, wo es notwendig ist, zu gut erreichbaren Schmierleisten zusammengefasst. Der Ölbehälter für die Kettenschmierung ist jetzt größer.

Rundum gibt es viele kleine Detailverbesserungen bei Wartung und Service, die die Arbeit angenehmer und durch zusätzliche Aufstiege und Trittstufen auch sicherer machen.

Schon die erste Generation der Göweil Press-Wickelkombination war ein absolutes Profigerät mit vielen praktischen Highlights. Trotzdem ist es dem Hersteller gelungen, diese gute Gesamtleistung auf ein noch höheres Niveau zu trimmen. Für den Landwirt als Auftraggeber hat sich nur die Bodenschonung durch das große Fahrwerk verbessert. Pressdichte und Ballenform waren schon bei der ersten Generation hervorragend. Dem Lohnunternehmer bietet die neue Kombi jedoch viele Vorteile. Die zahlreichen Verbesserungen erhöhen die Lebensdauer und die Zuverlässigkeit, woraus sich geringere Betriebskosten ergeben. Beim Listenpreis von rund 148.000 Euro inkl. MwSt. unserer gut ausgestatteten Testmaschine sollte das aber auch der Fall sein.