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Gassner Zweischichten-Pflug im Praxistest

Der Gassner-Pflug ist etwas anders aufgebaut als viele Mitbewerber. Mit zusätzlichen Untergrundscharen wird er zum Zweischicht-Pflug – flach wenden und tief lockern.
Quelle: Paar

Der bayerische Pflughersteller Gassner produziert bereits in der dritten und vierten Generation. Mit speziellen Körperformen, diversen Zusatzausstattungen und besonderen Merkmalen will der Hersteller den oft umstrittenen Pflugeinsatz als nachhaltige und wirtschaftliche Bodenbearbeitung etablieren. Die Devise der Bayern lautet: flach einarbeiten und tief lockern. Daher haben wir für unseren Praxistest einen speziellen Zweischichten-Pflug ausgewählt.

Robust und einfach

Unser Testkandidat war als Vierscharer mit einer Rahmenstärke von 140 x 140 mm gebaut. An die Flanschplatte am Ende des Rahmens lässt sich bei Bedarf ein fünfter Pflugkörper anschrauben. Der Körperabstand unseres Pfluges betrug 100 cm, die Rahmenhöhe 80 cm. Bei großen Maisstrohmengen gab es mit dem Durchgang öfters Probleme. Für solche Fälle hätten wir uns eine größere Rahmenhöhe gewünscht. Leider ist das bei Gassner nicht möglich.

Die außenliegenden Hydraulikschläuche sind sauber verlegt und erleichtern Reparaturen.
Quelle: Paar

Bei diesem Pflugtyp verbauen die Bayern den mittelschweren Anbaubock mit einer Drehachse von 125 mm Durchmesser. Die volle Welle hat nachstellbare Kegelrollenlager. Auffällig am gesamten Pflug sind die vielen außenliegenden Hydraulikschläuche. Da sie aber sauber verlegt sind, sehen wir es im Falle einer Reparatur als Vorteil.

Bei unserem Vario-Pflug ließ sich die Schnittbreite der einzelnen Körper hydraulisch zwischen 30 und 55 cm einstellen. Daraus ergibt sich eine theoretische Arbeitsbreite von 120 bis 220 cm. Lob gab es für die gut sichtbare Anzeige der gewählten Schnittbreite und den Anbau an den Traktor. Die Hydraulikschläuche sind gut markiert und die Abstellstütze lässt sich in der Länge verstellen und einfach schwenken.
Die Vierkantwelle für die Unterlenkeranhängung mit Kat. II oder III ist zwar in der Höhe nicht verstellbar, hat in unserem Fall aber gut gepasst. Für den Oberlenker gibt es drei Bohrungen und ein Langloch.

Einfache Schlittenverstellung

Unsere Tester lobten auch die einfache Einstellung des Pfluges. Die Vorderfurchenanpassung erfolgt mit einem Schlitten. Dieser lässt sich mit dem mitgelieferten Schraubenschlüssel und einer Spindel einstellen. Verstellt man die Schnittbreite aller Körper, passt sich auch die Vorderfurche automatisch an. Der Zugpunkt ist laut Hersteller ab Werk eingestellt und verändert sich beim Einstellen der Schnittbreite nicht. Je nach Traktor lässt er sich bei Bedarf nach dem Lösen einer Klemmschraube korrigieren. Diese innenliegende Spindel ist etwas schwer zugänglich.
Die Neigung des Pfluges wird mit den beiden Sturzspindeln am Anbaubock eingestellt.

Mit dem bewährten Schlittensystem lässt sich der Pflug einfach einstellen.
Quelle: Paar

Sie sind gegen ungewolltes Verdrehen gesichert und mit einem Schmiernippel versehen. Das gilt auch für die Tiefeneinstellung des Stützrades.
Der Gassner-Pflug hat auffällig viele Schmiernippel – 26 konnten wir zählen. Laut Betriebsanleitung müssen diese alle 25 Stunden mit Fett versorgt werden.

Flach wenden, tief lockern

Die Pflugkörper und sämtliches Zubehör sind an den Rahmen geklemmt. Womöglich schwächende Bohrstellen findet man nicht. Wie eingangs erwähnt, war unser Testkandidat als Zweischichten-Pflug ausgestattet. Am ersten und dritten Pflugkörper waren zusätzliche Untergrundlockerer montiert. Aber nicht einfache Dorne, wie sie einige Mitbewerber als Zubehör anbieten, sondern Scharblätter, die eine intensivere, breitflächige Tiefenlockerung gewährleisten sollen. Diese Zusatzschare lassen sich einfach mit jeweils zwei Schrauben montieren und in der Tiefe verstellen. Sie sind wie der gesamte Scharkörper mit Abscherschrauben gegen Fremdkörper gesichert. Leider haben wir bei dem Wurzelausläufer eines Baumes ein Grindel leicht verbogen. Die Scherschraube blieb leider unversehrt, sie erfüllte also ihren Zweck nicht. Eine Werkzeugbox am Pflug, um beispielsweise die Scherschrauben aufzubewahren, gibt es leider auch nicht.

Gassner bietet besondere Körperformen für den Schräg- oder Rundschnitt an.
Quelle: Paar

Selbstverständlich kann man die Tiefenlockerer jederzeit abnehmen und den Pflug konventionell einsetzen. Das ist eine Arbeit von wenigen Minuten. Trotz der montierten Untergrundlockerer waren alle Testfahrer der Meinung, dass dieser Pflug leichtzügig ist.

Von der Raute zum Schrägschnitt

Gassner bietet besondere Körperformen für den Schräg- oder Rundschnitt an. Damit ist gemeint, in welcher Form der Erdbalken geschnitten und gedreht wird. Unser NS-36-Körper ermöglicht den sogenannten Schrägschnitt. Dieser ist eine Abwandlung des früher verwendeten Rautenkörpers. Durch einen schrägen Verlauf der Streichblechkante vom Schar zur Furchenwand wird diese schräg angeschnitten. In der Folge ergibt sich mehr Platz für breite Reifen, die sich besser verzahnen können und weniger Schlupf verursachen sollen. Zudem verspricht Gassner eine bessere Wendung des Erdbalkens auf Problemböden und in Hanglagen, eine verbesserte Furchenräumung sowie Kraftstoffersparnis.
Diese Argumente können wir nach unserem Test durchwegs bestätigen. Der NS 36 räumt die Furche breit und ermöglicht auch in Hanglagen ein sehr schönes Pflugbild. Unter schwierigen Bedingungen wie z.B. bei erhöhtem Maisstrohanteil oder Trockenheit trübt sich dieses Bild. Wie bei jedem Bodenbearbeitungsgerät spielt natürlich auch der Boden eine wichtige Rolle.

Das vorne montierte Pendelstützrad wendet ruckfrei und ermöglicht zudem Grenzpflügen.
Quelle: Paar

Eine Besonderheit sind auch die schräg schneidenden Scheibenseche. Sie laufen nicht wie üblich im rechten Winkel zur Bodenoberfläche, sondern sind schräggestellt. Damit hatten unsere Testfahrer ihre Probleme: Das schräge Scheibensech blieb bei größeren Maisstrohmengen manchmal stehen. Es federt unserer Meinung nach zu hoch aus und schiebt dann das Maisstroh vor sich her. Auch bei trockenen Bedingungen wird es aus dem Boden gedrückt. Bei der Einarbeitung organischer Masse kommt es in der Folge manchmal zu Verstopfungen. Zudem sollte die Halterung etwas stabiler sein, sie hat sich im Laufe des Tests verbogen.

Ruckfreies Wenden

Pluspunkte gab es für den Wendevorgang. Er geht ruckfrei und zügig vonstatten. Zuerst fährt der Memoryzylinder den Pflug auf die schmalste Schnittbreite zusammen, dann dreht der Pflug und schließlich begibt er sich wieder auf die zuvor eingestellte Schnittbreite. Praktisch beim Wenden ist, dass das groß dimensionierte Stützrad mit einer Begrenzungskette gehalten wird und dieses somit nicht hangabwärts hängen kann. Zudem fängt die Kette das Stützrad ab, wodurch es beim Wenden am Hang nicht gegen den Anschlag knallt.
Das Stützrad läuft zwischen dem zweiten und dritten Körper, so dass das Grenzpflügen gut möglich ist.
Auffallend sind auch die massiven Schleifklötze, die den Verschleiß der Anlagen hinauszögern sollen. Sie können vierfach gewendet werden.
Kritik gab es noch für die Streichbleche. Dass es bei neu lackierten Pflügen anfangs zu einem erschwerten Erdfluss und anhaftender Erde am Streichblech kommt, ist normal. Bei unsere Testkandidaten war das jedoch leider auch noch nach vielen Einsatztagen und Hektar der Fall.

Der Gassner-Pflug GV-1480-NS36 hat bei unserem Testteam zwar einen etwas zwiespältigen, aber weitgehend guten Gesamteindruck hinterlassen.
Quelle: Paar

 

Die Streichbleche wiesen auf der Oberfläche Riefen auf, sie waren nicht blank, wie sonst üblich. Dadurch klebte immer wieder Erde an den Streichblechen, die den Erdfluss behinderte. Der Hersteller hat uns zugesichert, dass mit dem Lieferanten an einer Verbesserung der Oberfläche gearbeitet wird. Künftig sollen alle Streichbleche poliert werden.
Gassner verwendet übrigens Pflugschare mit aufgeschweißten Spitzen und wechselt diese als Ganzes.
Gute Arbeit leisteten die Vorschäler. Für deren Einstellung benötigt man allerdings einen Schraubenschlüssel. Sie sind ebenso mit einer Scherschraube gesichert, eine Winkelverstellung gibt es nicht.

Der Gassner-Pflug GV-1480-NS36 hat bei unserem Testteam zwar einen etwas zwiespältigen, aber weitgehend guten Gesamteindruck hinterlassen. Dort, wo er hinpasst, kann er gute Arbeit verrichten. Er ist für verschiedene Arbeitstiefen konzipiert: Montiert man die zusätzlichen Untergrundschare, kann man flach einarbeiten und dennoch tief lockern. Für große Maisstrohmengen sind 80 cm Durchgangshöhe leider zu wenig. Das von uns getestete Pflugmodell ist aber leichtzügig und hinterlässt auch in Hanglagen ein sauberes Pflugbild. Die Vorteile des Schrägschnitt-Körpers haben sich in unserem Praxistest bestätigt, mit dem schräg gestellten Scheibensech hatten unsere Testfahrer keine Freude.
Der von uns getestete Gassner-Pflug kostet laut Preisliste 34.632 Euro inkl. 20 % MwSt. Knapp 2.400 Euro davon entfallen auf die Untergrundlockerer für das Zweischichtpflügen.