BioBio-MilchviehEU stürzt Weideausnahmen

EU stürzt Weideausnahmen

Die österreichischen Ausnahmen zur Weidepflicht werden von der EU-Kommission nicht akzeptiert.
Quelle: Vetta

Ab 2020 wird ein überwiegender Teil der Bio-Tiere auf der Weide gehalten werden müssen. Das gilt für Bio-Betriebe mit Rindern, Schafen, Ziegen und Pferden. Mitte November informierten die zuständigen Ministerien, die Landwirtschaftskammer und Bio Austria die Landwirte über diese Neuerung. Vorausgegangen war eine Überprüfung der EU-Kommission im Juni 2017, wie Ulrich Herzog vom Gesundheitsministerium erklärte: „Das Ergebnis waren zehn Empfehlungen der Kommission zur Nachbesserung der österreichischen Umsetzung der EU-Bio-Verordnung.“ Sieben davon konnten dem Vernehmen nach bis Ende 2018 geklärt werden. Bei den restlichen drei Punkten gab es aber größere Auffassungsunterschiede. Folgende drei Themen stehen derzeit noch zur Diskussion:

  • Weidehaltung von Raufutterverzehrern
  • Genehmigung für das Enthornen von Kälbern
  • Überdachung von Auslaufflächen
Thomas Fertl (Bio Austria), Johannes Fankhauser (LW-Ministerium), Ulrich Herzog (Gesundheitsministerium) und Adolf Marksteiner (LK, von links) informierten die Öffentlichkeit Mitte November 2019 über die neuen Regelungen.
Quelle: Goldberger

Herzog: „In diesem Jahr hatten wir einen sehr intensiven Austausch mit der EU-Kommission. Wir versuchten, die Bedenken in Brüssel auszuräumen.“ Wie sich nun herausstellt, gelang das nicht. In ihrer Antwort stellte die EU-Kommission klar, dass Österreichs Bio-Bauern ab 2020 nicht mehr von den bisherigen Ausnahmen der Weidepflicht (siehe Info-Kasten) Gebrauch machen dürfen. „Es zeichnet sich ab, dass ab 2020 ein überwiegender Teil der Tiere auf der Weide gehalten werden muss“, stellte Adolf Marksteiner von der Landwirtschaftskammer Österreich klar. Was das konkret heißt, wollte er noch nicht mitteilen. Er verwies auf eine Vereinbarung mit dem Landwirtschafts- und dem Gesundheitsministerium sowie mit Bio Austria, wonach Details erst nach Genehmigung aus Brüssel veröffentlicht werden. Das sollte bis Anfang Dezember sein. Klar sei jedenfalls, dass ab 2020 auch die bisherigen Kriterien zur Berechnung der Weidefläche wegfallen werden. Bisher galten Weideflächen bei einer Entfernung von mindestens 200 Meter vom Stall als nicht weidefähig. Gleiches galt auch, wenn sogenannte „gefährliche Verkehrswege“ (asphaltierte Wege, Bahnübergänge, Wohnstraßen etc.) überschritten werden mussten. „Auch die Ackerflächen werden zu einem gewissen Prozentsatz zu den weidefähigen Flächen zählen“, erklärte Ulrich Herzig. Details wollten Interessenvertretung und Ministerien noch nicht bekannt geben. Auch hier werde auf die Antwort aus Brüssel gewartet. Bis Ende des Jahres sollten alle Definitionen klar sein.

Bisherige Ausnahmen zur Weidepflicht

Bisher gab es 3 Szenarien für Bio-Betriebe: 1. Die Summe der GVE der beiden kleinsten Rinderkategorien kommt auf die Weide (Beispiel GVE aus Summe von Jungvieh und Kalbinnen) 2. GVE-Anzahl der kleinsten Tierkategorie kommt auf die Weide, wenn dieser GVE-Anzahl weniger als ein Hektar weidefähiger Fläche pro GVE zur Verfügung steht. 3. Keine Weide, wenn dem Bio-Betrieb weniger als 0,1 Hektar weidefähige Fläche pro GVE der kleinsten Rinderkategorie zur Verfügung steht.

 

Insgesamt gibt es laut Landwirtschaftsministerium 18.000 Bio-Betriebe, die Rinder, Schafe, Ziegen oder Pferde halten. Zirka 15.500 davon nehmen an der ÖPUL-Maßnahme „Tierschutz – Weide“ teil. Thomas Fertl von Bio Austria plädierte dafür, dass auch die restlichen Betriebe bis zum 16. Dezember 2019 in diese Maßnahme einsteigen sollten: „Damit bekommen diese Betriebe für das Jahr 2020 und darüber hinaus eine Leistungsabgeltung für die Weidehaltung.“

Betriebe, welche die geforderte Weideverpflichtung nicht einhalten können, haben die Möglichkeit, sich bis zum Beginn der Weidesaison 2020 von der Weidemaßnahme sanktionslos abzumelden. Johannes Fankhauser vom Landwirtschaftsministerium betonte, dass auch die Möglichkeit zum sanktionslosen Ausstieg aus der Bio-Maßnahme im ÖPUL bis zum diesem Zeitpunkt vorgesehen sei.

Eingriff und Auslauf noch verhandelt

Während die Würfel bei der Weideverpflichtung im Wesentlichen gefallen sein dürften, läuft bei den beiden restlichen offenen Fragen noch der Diskussionsprozess mit der EU-Kommission. Bei der Kälber-Enthornung war der Brüsseler Behörde die derzeitige allgemeine Ausnahme des Verbots ein Dorn im Auge. Zukünftig sollten einzelbetriebliche Genehmigungen ausgestellt werden. Auch hier gibt es aber noch keine Details.

Etwas mehr Zeit zur Beratung braucht es noch bei der Frage der Auslaufüberdachung. Bisher müssen mindestens 10 % der Mindestauslauffläche nicht überdacht sein. Die EU-Kommission will diesen Wert erhöhen. Für bestehende Ausläufe brauche es hier Übergangsfristen, stellt Ulrich Herzog klar. Er geht davon aus, dass diese Verhandlungen noch ein halbes Jahr dauern werden.

Johannes Fankhauser vom Landwirtschaftsministerium bedauerte diese kurzfristige Änderung: „Es war auch für uns überraschend, dass beim Punkt Weide eine derart klare Reaktion der EU-Kommission kam. Nun wollen wir so rasch wie möglich informieren.“ Er wies darauf hin, dass sich die betroffenen Betriebe möglichst rasch an die Berater der Landwirtschaftskammern und der Bio-Verbände wenden sollten, damit betriebsindividuelle Lösungen gefunden werden können.