BioAcker und GrünlandEngerlinge erfolgreich bekämpfen

Engerlinge erfolgreich bekämpfen

Mit dem Cultan Gerät ist es möglich, das Pflanzenhilfsmittel Artis Pro punktförmig und mit hohem Druck in den Boden zu injizieren. Fotos: Vetta

Die Maikäfer-Population hat einen dreijährigen Zyklus. 2018 war ein Flugjahr. 2019 ist ein Hauptschadensjahr und großflächige Schäden durch Engerlingsfraß sind zu erwarten. Neu hinzugekommen sind Schäden durch den Engerling des Junikäfers. In vielen Regionen Oberösterreichs und Salzburgs ist die Schadschwelle bereits deutlich überschritten. „In den am meisten betroffenen Gebieten sind zwischen 400 und 700 Engerlinge pro m² im Boden“, erklärt Peter Frühwirt, Grünlandberater der LK Oberösterreich. Drastisch vor Augen geführt bedeuten 437 Engerlinge pro m² umgerechnet 13,5 GVE und somit 8,8 Tonnen Lebendgewicht am Hektar. Die Schadschwelle von 20–25 Engerlingen pro m² ist damit weit überschritten. Wann und wie früh die Schäden sichtbar werden, hängt von den Niederschlägen ab. Gab es bis Ende Juni ausreichend Niederschläge, wird es bis dahin keine größeren Probleme geben. Spätestens ab Mitte Juli und im August und September wird die Grasnarbe jedoch großflächig absterben. Die Engerlinge wandern im Laufe des Frühjahrs aus etwa 60 cm Tiefe langsam in die oberen Bodenschichten. Bis Ende Mai sind nahezu alle Engerlinge in den oberen 10 cm. Besonders bei Schotterböden sind die bisherigen Erfahrungen mit der Rotoregge gut.

Besonders bei Schotterböden sind die bisherigen Erfahrungen mit der Rotoregge gut.

Eine mechanische Bekämpfung mit Kreiselgrubber oder Kreiselegge, Zinkrotor, Rotoregge oder Fräse bietet sich deshalb nach dem 1. oder 2. Schnitt an und sollte bis Anfang September abgeschlossen sein.

Neue Möglichkeit der Bekämpfung

In den betroffenen Gebieten liegt die Zahl der Engerlinge bei durchschnittlich 300 pro m².

Seit diesem Jahr ist es möglich, das mikrobiologische Pflanzenhilfsmittel Artis Pro auszubringen. Dabei wird der Boden mit Pilzsporen beimpft. Gelangen die Pilzsporen an die Haut des Engerlings, keimen sie aus und durchdringen ihn. Die Folge: der Engerling verpilzt. Auf dem Pilzmyzel des abgestorbenen Engerlings bildet sich ein dichter weißer Pilzsporenbelag. Diese befallenen Engerlinge können wiederum andere anstecken. Ein großer Vorteil des Pflanzenhilfsmittels ist, dass es gegen Mai- und Junikäfer eingesetzt werden kann und auch im Biolandbau verwendet werden darf. Artis Pro kann unmittelbar vor dem zweiten Arbeitsgang der mechanischen Bearbeitung mit einer Feldspritze auf den Boden gesprüht werden. Zuvor wird der Boden 4–5 cm tief bearbeitet. „Vor allem mit dem Kreiselgrubber und der Kreiselegge hatten wir bislang gute Erfahrungen. Die Quetschwirkung dabei ist sehr gut“, sagt Frühwirth. Neben der Schlag- und Quetschwirkung schädigt die Einwirkung von UV-Strahlen die Engerlinge. Wichtig ist es deshalb, die Grasnarbe immer bei intensiver Sonneneinstrahlung zu bearbeiten. Fräsen mischen die Erde mehr, ein Großteil der Engerlinge wird dabei nicht zerdrückt. Da Fräsen sehr fein arbeiten, kann die Erde zudem leichter abgeschwemmt werden. Engerlinge, die an der Oberfläche liegen, dienen als Nährsubstrat und unterstützen dadurch die Vermehrung des Pilzes im Boden. Die Aufwandmenge beträgt 3 kg/ha in 300 bis 500 Liter Wasser. Höhere Wassermengen erleichtern das Ausbringen der Pilzsporenlösung. Mehr Wasser unterstützt den Pilz dabei, sich im Boden zu etablieren. Die Düsen der Feldspritze sollten großtropfig und abtrifftmindernd sein. Zudem darf das Mittel nicht auf blühende Pflanzen gesprüht werden. Unmittelbar nachdem Artis Pro aufgespritzt wurde sollte es eingearbeitet werden. Den Boden danach zu Walzen ist sinnvoll. Die ideale Bodentemperatur dafür beträgt 15–30 Grad. Außerdem sollte der Boden möglichst feucht sein. Innerhalb von drei Wochen nach der Ausbringung sind mindestens 10 mm Regen notwendig. „Artis Pro wurde im vergangenen Jahr das erste Mal auf Versuchsflächen ausgebracht. Den Langzeiteffekt können wir deshalb noch schwer abschätzen“ sagt Frühwirt. Bislang seien die Ergebnisse aber vielversprechend. Außerdem sollte Artis Pro nur als Begleitmaßnahme zur mechanischen Bekämpfung dienen.

Ausbringen mit dem Cultan-Gerät

Für Flächen, die mechanisch nicht bearbeitbar sind oder Felsen und Steine eine Bearbeitung unmöglich machen, da sie sehr steil oder Erosionsgefährdet sind, bietet sich die Ausbringung des Pflanzenhilfsmittels mit dem Cultan-Gerät an. Das Mittel wird punktförmig mit hohem Druck in den Boden injiziert. Das Cultan-Gerät, das ursprünglich zur Düngung dient, ermöglicht es, mehr Wasser auszubringen und somit eine bessere Benetzung des Bodens zu erreichen. Heuer wurden zwei Cultan Geräte von zwei oberösterreichischen Landwirte-Gemeinschaften angekauft. Ein Gerät, mit einer Arbeitsbreite von 8 Metern, eignet sich für den Einsatz bis zu 20 % Steigung. Mit dem anderen Cultan-Gerät können auch steilere Flächen befahren werden. Bei Interesse melden Sie sich beim örtlichen Maschinenring. Dieser übernimmt die Einsatzplanung. Der Pflanzenhilfsstoff Artis Pro kann mitbestellt werden. Die Kosten für einen Hektar Bearbeitung mit dem Cultan-Gerät inklusive Artis Pro liegen bei ca. 300 Euro.