RindMutterkuhDie Hektarleistungen im Grünland erhöhen

Die Hektarleistungen im Grünland erhöhen

Salatins Weidestrategie, das Mob Grazing, wird auch in Argentinien praktiziert.
Quelle: Manuel Winter

Joel Salatin aus Virginia hat sich weltweit einen Namen gemacht. Er denkt Landwirtschaft anders und verbreitet  sein Wissen in Videos und Seminaren weltweit. Seine Polyface Farm führt mittlerweile sein Sohn.
Das Ziel, mehr Lebensmittel pro Hektar zu produzieren, erreicht Salatin mit unterschiedlichen Tierkategorien auf der Weide, die sich gegenseitig ergänzen. Rinder, Schweine, Schafe, Hühner, Puten, Gänse und Hasen können seine
Kunden jederzeit auf seiner Farm besichtigen.

Grünland effizient nutzen

Eines ist für den Amerikaner klar: Er will mit hoher Flächeneffizienz wirtschaften, aber gleichzeitig nachhaltig produzieren. Auch sein Marketing ist danach ausgerichtet. Sein Betrieb ist ganz auf das Grünland und somit hauptsächlich auf seine Rinder ausgelegt. Wie Untersuchungen des Bio-Instituts der HBLFA Raumberg-Gumpenstein zeigten, wird im alpinen Grünland mehr Eiweiß für Wiederkäuer produziert und es ist damit den Ackerkulturen in unserem Klimagebiet überlegen.
Das nutzt auch der amerikanische Weideprofi und setzt daher bei der Rinderfütterung nur auf sein Grasland. Dabei stehen nicht die Einzeltierleistungen im Vordergrund, sondern die effiziente Grünlandnutzung auf der Fläche.
Mit gutem Management wird die Weide-Intensität an den Pflanzenbestand und an die Gegebenheiten der einzelnen Flächen angepasst, um die Hektarerträge zu optimieren. Die erhöhte Futtermenge wird von kleinen und somit effizienteren Rindern beweidet. Die dadurch erhöhte Besatzstärke führt zu einer höheren Hektarleistung in der Fleischproduktion.
Gleichzeitig kommt mit den biodiversen Grünflächen die Artenvielfalt nicht zu kurz. Joel Salatin versucht alles aufeinander abzustimmen: Philosophie, Futtergrundlage, Genetik, Bewirtschaftung und Ökologie.

Joel Salatin nutzt das Weideland mit Rindern, Schweinen und Geflügel, um wirtschaftlicher zu arbeiten.
Quelle: Rachel Salatin Photography

Low-Input auf allen Ebenen

Durch sein Low-Input-System nützt er Infrastrukturen meist doppelt. Mit Rindern in der Vorweide und Geflügel nutzt er das billig produzierte Weidefutter optimal aus und benötigt im Sommer kaum Maschinen. Das Geflügel, das über den Winter nicht geschlachtet wird, hält Salatin im Folientunnel. Dort wird im Frühjahr wiederum Gemüse gepflanzt, wenn die Legehennen schon wieder auf der Weide gackern. Während die Rinder grasen, nützt er Schweine, die von Natur aus gerne wühlen, um den Mist im Rinderstall zu durchlüften.
Ganz egal ob mit Rindern, Schweinen oder Geflügel – die Hektarleistung liegt im Fokus.
Mit Mutterkühen wird so viel vom Raufutter veredelt wie nur möglich. Salatin versucht, immer zum richtigen Zeitpunkt zu beweiden. Er achtet dabei auf die Wachstumskurve der Pflanzen. Das Ziel ist ein Maximum an Ertrag,
bei noch tolerierbarer Qualität. Durch die verlängerte Rastzeit haben die Pflanzen eine längere Wachstumsphase. Dadurch wurzeln die Gräser tiefer, wachsen höher auf und speichern mehr Zucker. Im hohen Bestand entsteht ein
Mikroklima, das hilft Wasser zu sparen. Um die oft höheren Bestände auch gut zu nutzen, setzt Salatin hohe Besatzdichten ein. Die Rinder grasen somit in einem Mob, also in einer großen, dichten Herde. Daher der Name Mob
Grazing. Die Tiere selektieren ihr Futter nicht mehr und beweiden so effizient wie ein Mähwerk.
Um diese hohen Besatzdichten zu erreichen, wird die Herde mehrmals, aber mindestens einmal am Tag, auf neue Futterflächen getrieben.
Durch die häufigen Umtriebe wird auch die Futteraufnahme erhöht. Um den Boden im Sommer vor Austrocknung zu schützen, lässt er das Futter nicht ganz abweiden.
Nach den Rindern kommt das Geflügel, das im Gras noch Insekten als natürliche Proteinquelle findet. In mobilen Ställen werden die Hühner versetzt, um die Grünflächen aufzudüngen und dabei als natürliche Parasitenbekämpfer
zu arbeiten, indem sie die Fliegenlarven verzehren. Rindfleisch, Hühnerfleisch und Eierwerden so auf ein und derselben Fläche produziert.

Nachteile als Vorteile nutzen

Das „verschwendete“ Grünfutter dient den Hennen als Versteck und zur Nahrungssuche. Auch in der Schweinehaltung können vorerst als nachteilig betrachtete Umstände als Vorteile genutzt werden.
Bei Freilandschweinen schrecken viele vor der möglichen Zerstörung der Grasnarbe zurück. Auf der Polyface Farm werden daher die Schweine auf anderen Flächen gehalten wie Rind und Geflügel. Um die Grasnarbe zu erhalten,
wird so häufig wie notwendig umgetrieben, meist einmal pro Woche. Salatin nutzt Schweinerassen, die mehr grasen und weniger wühlen, um den Grasbestand zu schonen. Sollte dennoch zu sehr umgewühlt werden, verfüttert der Amerikaner ganze Getreidekörner.
Die lebenden „Sämaschinen“ graben nicht gefressenes Futter ein und sorgen somit für ein Saatbeet. Das  aufgewachsene Getreide kann wiederum von den Rindern abgegrast werden. Gleichzeitig hilft das Getreide, Unkraut zu unterdrücken, bevor wieder Gras für die nächste Schweineweide nachgesät wird.

Manuel Winter, BSc, schreibt seine Masterarbeit über die von Salatin angewandte Weidestrategie „Mob
Grazing“.

LANDWIRT Tipp

Joel Salatin sollte am 2. und 3. Mai 2020 nach Pöggstall (NÖ) kommen. Dieser Termin wurde wegen der COVID-19 Situation abgesagt. Ein neuer Termin ist in Planung. Infos dazu finden Sie unter
www.joelsalatinmasterclass.at