BioBio-BauernDeutsche kaufen mehr Bio

Deutsche kaufen mehr Bio

Quelle: Agrarfoto

Wenn schon selbst kochen, dann bio – Nach diesem Motto scheinen viele Haushalte in der Krise einkaufen zu gehen. So haben die Haushalte in Deutschland in den Monaten März bis Mai 2020 fast 30 % mehr Geld für Bio-Frischeprodukte ausgegeben als im Vorjahreszeitraum. Mit diesen Käufen haben die Haushalte ihre Lebensmittelkäufe in Kantinen und Restaurants kompensiert und dabei häufiger zu Bio gegriffen. So macht der Außer-Haus-Verzehr am konventionellen Lebensmittelmarkt rund 27 % aus, am Bio-Markt aber nur gut 10 %. Die gestiegenen Einkäufe im Lebensmitteleinzelhandel haben die fehlenden 10 % mehr als ausgeglichen. Am konventionellen Lebensmittelmarkt dagegen spüren die Verarbeiter die fehlenden Käufe von zum Beispiel Geflügelteilen, Rindfleisch oder Schulobst und -milch deutlicher. Die Vollsortimenter machten 36 % mehr Umsatz mit Bio-Produkten und 23 % mehr mit Lebensmitteln insgesamt.

Gewinner in der Krise: Direktvermarkter und Onlinehandel

Auch die Direktvermarktung gehört bio wie konventionell eindeutig zu den Gewinnern in der Krise. Während die Vollsortimenter mit großem, vielfältigem Angebot punkten, kommt den Hofläden und Wochenmarktbeschickern der Wunsch nach regionaler, vertrauenswürdiger Lebensmittelquelle zugute.

Im Online-Handel kauften die Haushalte 32 % mehr Bio-Produkte und 28 % mehr konventionelle Produkte. Allerdings machten die Verkäufe übers Internet weniger als ein Prozent der gesamten Lebensmittelkäufe aus, bei Bio waren es immerhin 6 %. Alle Abokisten-Versender hatten in Corona-Zeiten großen Zuspruch, viele Neukunden konnten gar nicht mehr aufgenommen werden, weil die Betriebe an Kapazitätsgrenzen kamen.

Zu Beginn der Krise haben die Haushalte viele Trockenprodukte gehortet, die hier nur mit Mehl und Speiseöl zu sehen sind und die bis Mai auch deutlich nachgelassen haben. Von Anfang an aber haben die Haushalte auch mehr Frischeprodukte gekauft und damit deutliche Zuwächse erzielt. Das ergab eine AMI-Analyse auf Basis des GfK-Haushaltspanels für die Bio-Frischeprodukte Obst, Gemüse, Kartoffeln, Brot, Fleisch, Wurst, Geflügel, Eier, Käse, Milch- und Molkereiprodukte, Mehl und Speiseöl. Diese machen rund 60 % des Bio-Marktes aus.

Starke Zuwächse bei Bio-Fleisch und -Mehl

Am stärksten gewachsen sind in den Monaten März bis Mai 2020 gegenüber dem Vorjahreszeitraum Fleisch und Mehl. Die Haushalte haben fast zwei Drittel mehr Geld für Bio-Fleisch ausgegeben als vor einem Jahr. Dabei waren Schweinefleisch, Rindfleisch und gemischtes Hackfleisch nahezu gleichermaßen beteiligt. Die Vollsortimenter und Wochenmärkte haben ihre Verkaufsmenge annähernd verdoppelt. Auch an den größeren Wurstverkäufen waren vor allem Vollsortimenter und Wochenmärkte beteiligt. Käse wiederum ist vor allem in den Discountern und im Online-Handel gewachsen.

Auch die Obst- und Gemüseverkäufe sind bio wie konventionell deutlich gestiegen. Die Anstiege sind nach Produkt seht unterschiedlich, auch je nach Verfügbarkeit. Beim Obst haben die Haushalte vor allem mehr Orangen, Zitronen und Kiwi gekauft, aber auch die Apfelumsätze sind um 30 % gestiegen.

Nachfrage nach frischen Molkereiprodukten bleibt hoch

Bei den Milch- und Molkereiprodukten waren zunächst die H-Milch-Verkäufe in die Höhe geschnellt, das hat sich mit dem Mai aber wieder normalisiert. Dafür bleiben alle frischen Molkereiprodukte mit stabilem Wachstum dabei. Insbesondere Käse hat im Laufe der Zeit sogar noch zugelegt.

Über alle Frischeprodukte hinweg lässt sich sagen: die Wachstumsraten bleiben auch im Mai hoch und fallen kaum hinter März und April ab. Nur typische Hamsterprodukte wie Mehl und Speiseöl zeigen im Mai weniger Dynamik, die Umsätze liegen aber immer deutlich über den Vorjahresmonaten.

Im Juni sind nach Branchenvertretern die Verkäufe bei den Frischeprodukten nahezu ungebremst weitergewachsen. Bei haltbaren Produkten scheint die Welle abgeflaut. Für die kommende Zeit wird ein deutlich kleineres Sommerloch erwartet als in anderen Jahren, weil die Kunden viel häufiger in Deutschland bleiben als sonst.

Quelle: AMI