RindKälberDer Frost kommt, die Silage friert

Der Frost kommt, die Silage friert

Gefrorene Futtermittel führen, neben einem deutlichen Rückgang der Futteraufnahme, zu Störungen im Pansen.
Quelle: Taferner

Im Winter gilt: Füttern Sie kein gefrorenes Futter! Gefrorenes Futter wird deutlich schlechter gefressen und stört die Verdauung. Häufig treten relativ zeitnah Durchfälle bei Rindern auf. Sinkt die Temperatur in den Vormägen, setzen die Pansenorganismen die mikrobielle Aktivität herab. Wird es im Pansen zu kalt, stellen sie die Futterzersetzung ein. Das können Sie verhindern. Bringen Sie Siloballen am besten einen Tag vor der Futtervorlage in eine Garage oder ein anderes Gebäude.

Außensilos sind frostanfällig. Silagen mit einer niedrigen Trockenmasse frieren ab einer Außentemperatur von minus zehn Grad nicht nur an der Anschnittfläche, sondern auch tiefer in den Futterstock hinein. Vorbeugen können Sie, indem Sie einen Strohballen vor und auf die Anschnittstelle packen. Die Ballen können Sie mit einem Radlader oder Frontladertraktor schnell verstellen.

Gefriert das Futter erst am Futtertisch, ist es sinnvoll, mehr Heu oder andere trockene Komponenten in die Ration zu mischen. Rationen mit einer Trockenmasse über 50 % gefrieren normalerweise auch bei minus zehn Grad noch nicht. Nützen Sie die Wintermonate dafür, trockene Silagen zu verfüttern, die in den Sommermonaten ohnehin zur Nacherwärmung neigen.

Feuchtigkeit vermeiden

Nicht nur die Melkarbeit selbst ist im Winter oft schwierig, auch für die Kühe ist das Melken nicht so angenehm wie im Sommer. Vermeiden Sie feuchte Zitzen nach dem Melken. Wässrige Dippmittel gefrieren an den Zitzen und führen dadurch zu einer Reizung der Haut und des Schließmuskels. Ähnliche Probleme gibt es auch bei feuchten Liegeboxen. Achten Sie darauf, diese besonders trocken zu halten und immer genügend frische Einstreu bereit zu haben.

Nach der Geburt kommen die Kälber vom Seiterhof direkt in den angebauten Kälberstall aus Holz im Außenbereich.
Quelle: Volgger

Kälber vor Luftzug schützen

Kälber benötigen ein milderes Stallklima als Kühe. Sie kommen mit niedrigen Temperaturen zwar klar, aber die Luftgeschwindigkeit sollte nur ein Zehntel jener der Kühe betragen. Ist es nicht möglich, dies baulich zu berücksichtigen, können Sie im Winter mit Folienbändern nachhelfen. Kälber brauchen im Winter die Möglichkeit, sich in eine vor Luftzug geschützte Nische zurückzuziehen. Als Beispiel dient hier das Kälberiglu. So können Kälber die Nacht dort verbringen und sind vor zu starkem Auskühlen geschützt. Stroh ist das beste Liegeflächenmaterial, da es isoliert. Wird im Winter mit viel Stroh eingestreut, ist das Kalb auch vor tiefen Temperaturen geschützt. Nebenbei schützt das Stroh auch vor Feuchtigkeit. Feuchtigkeit ist, wie in anderen Bereichen, auch bei der Kälberhaltung oft der Grund für Probleme. Achten Sie besonders im Winter darauf, dass die Stallungen immer trocken sind. Der Energieversorgung kommt in der Kälberhaltung, besonders bei kalten Bedingungen, große Bedeutung zu. Nur so können die Kälber die Körpertemperatur auch im Winter halten. Deshalb müssen Sie auch die Tränkemenge entsprechend erhöhen.

Aufzucht lohnt sich am Seiterhof

Familie Braunhofer bewirtschaftet den Seiterhof im Südtiroler Jaufental auf 1.250 m Seehöhe. Die 28 Brown Swiss Kühe besamen sie hauptsächlich mit gesextem Sperma. Neben den Kühen sind noch 30 Kälber, Jungrinder und Kalbinnen am Betrieb. Die Familie benötigt nur einen Teil der Nachzucht für die Bestandsergänzung. In diesem Jahr hat sie bereits zehn Jungkühe und acht Jungrinder verkauft. Die Jungkühe erzielten dabei einen Durchschnittspreis von 2.350 Euro. Diese Preise sind dem hohen züchterischen Niveau des Betriebes geschuldet. Familie Braunhofer nimmt immer wieder erfolgreich an Schauen in und außerhalb der Provinz teil. Sie feierte bereits zahlreiche Schauerfolge. Der Heumilchbetrieb erreicht eine durchschnittliche Leistung von etwa 8.800 Liter Milch pro Kuh und Jahr mit 3,95 % Fett und 3,60 % Eiweiß. Diese Leistung basiert auf einer trockenen Mischration aus Heu, Luzerne und Mais-Ganzpflanzencops ergänzt mit Kraftfutter- und Mineralstoffkomponenten. Zusätzliches Kraftfutter holen sich die Kühe angepasst an deren Milchleistung am Kraftfutterautomaten ab.

Große Bedeutung kommt in der Kälberhaltung, besonders bei kalten Bedingungen, der Energieversorgung zu. Wichtig ist es, die Kälber besonders im Winter mit hohen Tränkemengen oder ad libitum zu versorgen.
Quelle: Volgger

Kälber raus aus dem Stall

Die Kühe kalben im Strohbereich im ehemaligen Anbindestall. Danach kommen die Kälber direkt in den angebauten Kälberstall aus Holz im Außenbereich. Seit Jahren halten die Braunhofers die Kälber draußen. David Braunhofer sagt: „Dort musste noch nie ein Kalb wegen Atemwegserkrankungen behandelt werden.“ Er betont, dass es besonders wichtig sei, ausreichend langes Stroh in die Kälberbox zu streuen. Im Winter hat das eingesetzte Langstroh eine isolierende Wirkung. Die Kälber können angesäuerte Vollmilch ad libitum  saufen. Der Landwirt säuert die Tränke mit einem Säuregemisch in Pulverform an. Im Sommer füllt er die Eimer zweimal täglich auf. Bei extrem niedrigen Temperaturen stellt er im Winter auf dreimalige Tränke um. Dabei erwärmt er die Restmenge zu Mittag und vertränkt sie erneut. Im Durchschnitt saufen die Kälber in der ersten Woche zwischen sechs und acht Liter Milch pro Tag. Ab der fünften Lebenswoche stallen die Braunhofers die Kälber in eine Strohbucht im alten Anbindestall um. In dieser Phase nehmen die Kälber bis zu 14 Liter Milch am Tag zu sich. So können die Kälber auch bei niedrigen Temperaturen enorm zunehmen. Jungbauer David erklärt: „Durch die Umstellung auf die Haltung der Kälber im Außenbereich haben wir kaum noch Probleme mit Durchfall. Wenn dennoch mal Durchfälle auftreten, ist das meist schnell gelöst.“ Kälber mit Durchfall bekommen drei Tage lang zusätzlich einmal am Tag drei Liter Elektrolyttränke. Dabei reduziert er die Tränkemenge etwas. Braunhofer verabreicht Kälbern, die appetitlos wirken, sofort eine Bikarbonat-Pille. Zudem erhalten die Kälber bereits ab der ersten Woche ein Kälberfutter aus Mais- und Sojaflocken und etwas Stroh. Die Mischung enthält 18,5 % Rohprotein/kg TM.

Bei extrem niedrigen Temperaturen im Winter wird am Seiterhof auf dreimalige Tränke umgestellt.
Quelle: Volgger

Jungrinder dürfen nicht hungern!

Nach der Tränkephase stellen die Braunhofers die Jungrinder auf eine Mischration aus Heu, Luzerne und Grummet um. Dazu erhält das Jungvieh, je nach Körperkondition, ein spezielles Kraftfutter und eine an das Jungvieh angepasste Mineralstoffmischung. Im Sommer sind die Jungrinder auf der Weide. Um den besonders im Spätsommer oft nicht zu vermeidenden Gewichtsverlust auf den extensiven Almweiden auszugleichen, setzt der Landwirt im Herbst die Ration der Jungrinder energiereicher zusammen. Dabei achtet er darauf, dass die Jungrinder immer genügend Grundfutter zur Verfügung haben und nur so viel Kraftfutter wie nötig erhalten, damit sie wachsen aber nicht verfetten. Vor der Kalbung bekommen auch die Jungrinder die gleiche Ration wie die Trockensteher. Der Betrieb strebt ein Erstkalbealter von 24 bis 30 Monate an. Der Seiterhof beweist, dass sich Aufzucht lohnen kann. Zudem zeigt sich, dass Kälber mit niedrigen Temperaturen besser umgehen können als mit schlechter Luftqualität in so manchen Stallungen.

 Der Autor:

Simon Volgger ist Berater für Fütterung beim Beratungsring Berglandwirtschaft (BRING) in Südtirol.