BioAus der KontrolleDas sind die neuen BIO-Regeln

Das sind die neuen BIO-Regeln

Ab 1.1.2020 gelten für Bio-Bauern neue Richtlinien.
Quelle: Goldberger

Im Sommer 2017 prüfte die EU-Kommission die Umsetzung der EU-Bio-Verordnung in Österreich. Dabei wurde eine Reihe an nationalen Regeln beanstandet. Nach zwei Jahren Austausch auf Beamtenebene informierten das Gesundheitsministerium und das Landwirtschaftsministerium im November 2019 die Öffentlichkeit. Erst da erfuhren die Bio-Bauern, dass bereits ab 2020 Änderungen der Bio-Regeln ins Haus stehen werden. Erst kurz vor Weihnachten – nach Absprache mit der EU-Kommission – gaben die Ministerien Details bekannt.

 

Tiere auf die Weide

Grundsätzlich müssen ab 2020 Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde auf die Weide, wann immer es die Umstände (Witterung und Boden) gestatten. Konkret: Mindestens 1 RGVE pro Hektar weidefähige Fläche oder zumindest 50 Prozent der RGVE müssen in der Vegetationszeit geweidet werden. Außerdem muss jeder Betrieb bis 30. Juni 2020 einen Weideplan erstellen, der zumindest die von der Weidepflicht umfassten Tiere, die Weideflächen sowie die Weideperioden enthält.

 

Weidefähige Fläche

Zur weidefähigen Fläche zählen ab 2020 neben dem Grünland auch 20 Prozent der Ackerflächen. Abgezogen werden…

  • Grünlandflächen, die steiler als 25 % sind (gilt nur für Rinder und Pferde),
  • staunasse Grünlandböden,
  • Naturschutzflächen, auf denen eine Beweidung durch Vertragsnaturschutz oder behördliche Auflagen verboten oder zeitlich stark eingeschränkt ist,
  • Feldstücke mit einer Größe von maximal 0,2 Hektar und
  • Mindestfreilaufflächen für Bio-Geflügel

 

Dauer der Beweidung

Die ÖPUL-Weidemaßnahme gibt eine Mindestweidedauer von 120 Tagen pro Jahr vor. Das kann auch auf mehrere Weideperioden verteilt werden. Die EU-Bio-Verordnung regelt, dass geweidet werden muss, wann immer die Umstände es zulassen (z.B. Witterungs- und Bodenbedingungen). Für Bio-Austria-Betriebe gilt eine Weide- und Auslaufdauer von mindestens 180 Tagen pro Jahr.

 

Eingriffe bei Tieren

Ab 2020 braucht es eine einzelbetriebliche Genehmigung für das Enthornen von Kälbern bis sechs Wochen sowie von weiblichen Kitzen für die Nachzucht bis vier Wochen und für das Schwanzkupieren bei weiblichen Zuchtlämmern bis sieben Tagen. Der Antrag für eine einzelbetriebliche Genehmigung ist online abrufbar. Dort finden Sie auch eine genaue Ausfüllanleitung. FürEingriffe, wie z.B. Nasenring bei Stieren, sind tierbezogene Genehmigungen erforderlich.

 

Auslauf für Bio-Tiere

Eine 100%ige Überdachung der Mindestauslauffläche für Kälber ist ab 2020 nicht mehr möglich. Die Überdachung darf – wie bei anderen Tierkategorien – maximal 90 % der Mindestauslauffläche abdecken. Im Raum steht eine weitere Reduktion auf 75 % im kommenden Jahr. Auch allen Geflügelkategorien ist ab 2020 Auslauf zu gewähren. Das betrifft vorwiegend die Elterntierproduktion. Hier muss ab sofort mindestens Zugang zu teilweise überdachtem Freigelände gewährt werden.

 

Ausstieg aus Bio

Wer die neuen Regeln nicht einhalten kann, kann sanktionslos aus der ÖPUL-Maßnahme „Biologische Wirtschaftsweise“ aussteigen. Dazu reicht eine formlose Meldung an die AMA mit der Begründung, warum die geänderten Auflagen nicht einhaltbar sind. Zu bedenken ist, dass ein Umstieg in andere ÖPUL-Maßnahmen (z.B. UBB) bis zur neuen Periode nicht möglich ist. Ebenfalls zu bedenken ist, dass der Bio-Zuschlag der Investitionsförderung eine „Behaltefrist“ von fünf Jahren erfordert.

 

Was kommt 2021?

Die genauen Regelungen für das Jahr 2021 betreffend Weidehaltung, Überdachung des Auslaufs und Anbindehaltung bei Kleinbetrieben sind noch nicht abschließend geklärt. Hier sind noch weitere Gespräche mit der EU-Kommission und den Branchenvertretern geplant. Zusätzlich werden Ende Jänner die detaillierten Vorschläge der EU-Kommission zur neuen EU-Bio-Verordnung ab 2021 bekannt gegeben. Auch davon wird vieles abhängen.