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Das Polterschild für alle Fälle

Der geöffnete Deckel von Erlingers Polterschild bietet eine Werkbank mit angenehmer Arbeitshöhe. (Fotos: Weninger)

 

 

Not macht erfinderisch. Dieser Spruch bestätigt sich im Fall von Stefan Erlinger: Der Borkenkäfer ist Schuld daran, dass das Aufarbeiten der enormen Schadholzmengen in seinem 13 Hektar großen Wald nicht mehr nur im Winter, sondern das ganze Jahr durchgehend auch im Sommer erfolgen muss. Damit die Arbeit wenigstens etwas leichter von der Hand geht, wollte Erlinger eine ordentliche Transportmöglichkeit für das viele benötigte Forst- Werkzeug. Ein Harvester kann auf seinen steilen Flächen nicht arbeiten, daher muss der Landwirt aus Sankt Gotthard im Mühlkreis die Bäume selbst fällen und per Seilwinde zur Rückegasse ziehen.

Mit dem kompakten Schild kann Erlinger zum Beispiel Reisig vom Weg schieben.

Drei in eins

„Ich wollte alles, was ich bei der Waldarbeit brauche, beisammen haben und am Traktor mitführen. Am besten in einer geschlossenen Ablage, die vor Schnee und Dreck schützt“, erzählt der 30-Jährige von seinen Anforderungen. Statt sich eine simple Transportbox zu bauen, sollte seine Erfindung gleich mehrere Funktionen erfüllen.

Zunächst sollte natürlich alles, was man im Forst brauchen kann, einen Platz finden, wie Erlinger aufzählt: „In meinem Polterschild habe ich 31 Utensilien immer mit dabei: zwei Motorsägen samt Werkzeug und Kanister, den Seilwindenfunk, Umlenkrollen, Markierspray, meinen Forsthelm, Handwerkzeug, Schneeketten und vieles mehr.“ Die Halterungen für die Schneeketten sind an der Rückseite des Schilds angeschraubt. Die Ablage ist nicht alles. Klappt man den versperrbaren, zweiflügeligen Deckel auf, dient er als Werkbank samt Schraubstock. „So kann ich in einer angenehmen Arbeitshöhe die Motorsägen betanken oder die Sägeketten feilen.“

Ein Blick ins Innere der Box: Ganze 31 Forst-Utensilien hat Erlinger immer dabei.

Zudem sollte die Transportbox so massiv sein, dass sie auch als Polterschild herhalten kann. Zwar ist es nicht zum Ziehen gedacht, aber um zwischendurch zum Beispiel auf Wegen Reisighaufen wegzuschieben, die der Harvester hinterlassen hat. Dafür hat ein befreundeter Metallbauer die Box nach Erlingers Plänen aus 12 mm starkem Stahl gefertigt. Die Teile sind ausgelasert, gekantet und anschließend miteinander verschweißt, das fertige Schild sandgestrahlt und lackiert. Vorne an der Unterseite ist eine massive, 60 mm starke Welle eingeschweißt. „Die Rundung verhindert, dass sich das Polterschild verkantet oder gar in den Boden gräbt“, erklärt der Junglandwirt.

Die dritte Funktion ist schlicht ein Frontgewicht. Das Polterschild ist in der leeren Basisversion etwa 440 kg schwer. „Weil ich auch im Sommer im Forst arbeiten muss, ist das Polterschild immer in der Fronthydraulik angebaut – sobald ich mit der Seilwinde oder dem Rückewagen ausfahre. Um mir das Abhängen zu ersparen, nutze ich es auch als Frontgewicht beim Grubbern.“ Der Deckel ist laut Erlinger wegen der genauen Fertigung auch ohne Gummilippen staub- und wasserdicht.

An der Rückseite des Schilds kann Erlinger die Schneeketten einhängen.

Außen kompakt, innen sicher verstaut

Das Polterschild ist 1,17 m breit, damit man im Wald noch wendig bleibt, wie der Mühlviertler begründet. Die Box ist 1,20 m hoch und 74 cm tief. Die Koppelpunkte für die Unterlenker sind weit unten angeordnet. So ist eine große Aushubhöhe möglich, um auch über Wurzelstöcke zu kommen. Außerdem sind für Ober- und Unterlenker mehrere Bohrungen vorhanden. Für die Unterlenker zudem das Spreizmaß der Kat. III, sollte das Polterschild doch mal im Heck angehängt werden. Das Polterschild samt Transportbox hat einen weiteren Vorteil, an den Erlinger anfangs gar nicht dachte: Weil alles aufgeräumt und sicher

verstaut ist, erhöht das auch die Verkehrssicherheit. Einen Prototyp baute er nach einem halben Jahr Entwicklungszeit im Sommer 2018. Im vergangenen Winter ließ er einige Detailverbesserungen einfließen und fertigte die zweite Version seiner Box. Sie ist stabiler gebaut. Die Scharniere des Deckels sind geändert, sodass dieser den Zugang erleichtert und man nicht mehr so weit hinunter greifen muss.

Für die Waldarbeit hat Stefan Erlinger das Polterschild mit integrierter Transportbox entwickelt.

Professionell vermarkten

Stefan Erlinger möchte sein Polterschild in größerer Stückzahl bauen lassen und über die Firma Sager Landtechnik, einem Landmaschinenhändler in der Nähe, vermarkten. Schon bisher hat er 11 Stück an Landwirte verkauft. Das Polterschild ist mit Steckverbindungen als Baukasten konzipiert. So kann der Käufer es auch selbst zusammenschweißen, was etwa fünf Stunden dauern soll. Der Bausatz soll 1.500 Euro inkl. MwSt. kosten. Wer nicht selbst schweißen möchte, kann das Polterschild fixfertig für 2.500 Euro kaufen.

Den Vergleich zu einem handelsüblichen Polterschild scheut der Tüftler mit seiner Erfindung nicht: „Diese bestehen meist nur aus einer gekanteten Stahlplatte und kosten ab 1.200 Euro. Da fehlt jedoch der üppige Stauraum, den mein Gerät bietet.“ Zudem könne man den Innenraum seiner Erfindung individuell einrichten und bestücken. Dafür sind mehrere gelaserte Löcher vorgesehen. Und wer mehr Gewicht benötigt, kann den unteren Teil in beliebiger Höhe oder den ganzen Hohlraum ausbetonieren. So wird aus Stefan Erlingers Erfindung wirklich ein Polterschild für alle Fälle.

Hier sehen Sie noch einige Detailfotos des Polterschilds von Stefan Erlinger: