SchweinFerkelproduktionBewegungsbuchten: Nur teurer oder auch mehr wert?

Bewegungsbuchten: Nur teurer oder auch mehr wert?

Eine optimale Bewegungsbucht bringt die Sau dazu sich auf einer für sie vorgesehenen, trittsicheren Standfläche und unterstützt vom Ferkelschutzkorb abzulegen. Der trapezförmige Aktionsbereich vermindert erdrückungsgefährliche Rollbewegungen um bis zu 30 %. Foto: Meyer

Von Eckhard MEYER

Laut eigenen Untersuchungen zeigen 40 % der Sauen ein erdrückungsgefährliches Abliegeverhalten. Sie werfen sich beim Abliegen direkt auf die Seite, anstatt sich von der Bauchlage ausgehend im Liegen zu drehen. Das ist besonders in der ersten Lebenswoche der Ferkel relevant. So entsteht die Hälfte der Ferkelverluste in den ersten 48 Lebensstunden. Der Ferkelschutzkorb reduziert diese Verluste um durchschnittlich fünf Prozent – und zwar umso stärker, je höher das Verlustniveau einzelbetrieblich bereits ist. Wenn die Ferkelverluste ehrlich berechnet werden, sind diese bei vielen Betrieben und großen Würfen mit kleinen Ferkeln heute schon zu hoch und erreichen teilweise um die 20 %.

Da die Geburten bei hochleistenden Sauen bereits durchschnittlich sechs Stunden dauern, muss Geburtshilfe möglich sein. Auch dafür ist der Ferkelschutzkorb Voraussetzung. Eine weitere Ursache für Ferkelverluste stellt der Wechsel in der Liegeposition dar, die sogenannten Rollbewegungen. Diese werden bei mehr Platz häufiger beobachtet. Deshalb machen die vorgeschlagenen, noch größeren Buchten für den Freilauf in der Größenordnung von über acht Quadratmetern das Problem eher noch schlimmer. Wird der Schutzkorb nach einer Woche geöffnet, sind die Ferkelverluste ca. ein bis zwei Prozent höher als in guten konventionellen Systemen. Damit können wir gerade so leben. Ein richtig dimensionierter Ferkelschutzkorb unterstützt die Sauen auch beim Aufstehen und Abliegen. Dadurch lassen sich Schwächen im Fundament der Sauen und in der Standsicherheit der Fußböden ausgleichen. Die Aufenthaltsdauer der Sauen im Kastenstand auf ein notwendiges Maß zu reduzieren, ist deshalb ein vernünftiger Kompromiss, der nicht mehr zerredet werden sollte.

So soll die Bucht aussehen

Die Abferkelbucht der Zukunft muss die Ansprüche von Sauen, Ferkeln aber auch von Menschen miteinander vereinen. Dazu braucht es einen optimal ausgeformten Ferkelschutzkorb, der die Abliegebewegungen unterstützt (Höhe und Kröpfung der Querriegel) und das Säugen der Ferkel nicht behindert. Etwa ein Viertel der Sauen reagiert aggressiv auf den Menschen. Daher sollte man den Korb möglichst anwenderfreundlich und sicher, d.h. von außen, öffnen und schließen können. Will man möglichst viele Ferkel absetzen, so kommt es nach heutiger Erkenntnis vor allem auf ein optimales Verhältnis vom Aktionsraum der Sau zu den Fluchträumen der Ferkel an (1,5:1 und nicht 3:1). Diese Fluchträume sollten ohne Unterbrechung in der Bucht, also ringsherum, vorhanden sein. Der bislang eingeschlagene Weg einer eher quadratischen Buchtengeometrie mit dem Ziel, der Sau möglichst viel Bewegungsfreiheit zu ermöglichen, war nachweislich falsch. Optimale Bauformen sind aus unserer Sicht eher lang und schmal im Verhältnis von 3:2. Nur so bringt man die Sau bei geöffnetem Korb dazu, sich möglichst unterstützt von einem aufgeklappten Bügel des Ferkelschutzkorbes auf einer dafür vorgesehenen Fläche mit hoher Standsicherheit abzulegen. Dazu sind 6–6,5 m² Grundfläche ausreichend und für den Landwirt möglicherweise noch bezahlbar.