Rind„Betriebe müssen sich weiterentwickeln können!“

„Betriebe müssen sich weiterentwickeln können!“

Stefan Mann inmitten seiner Kühe, Schwarz-Bunte gekreuzt mit Fleckvieh. Der Boxenlaufstall erlaubt den täglichen Weidegang.
Quelle: Numßen

LANDWIRT: Wovon trinken Sie mehr im Jahr, von Bier oder Milch?

Stefan Mann: (lacht) Milch. Eindeutig. Ich vertrage kein Bier.

Da heben Sie sich von den Deutschen ab. Wir trinken im Durchschnitt fast doppelt so viel Bier wie Milch. Der Pro-Kopf-Verbrauch lag 2018 bei 50,6 Kilo, ist aber im Vergleich zum Vorjahr um 3,1 Kilo zurückgegangen. Woran liegt das?

Die Diskussion, ob Milch gesundheitsfördernd ist oder nicht ist, flackert ja immer wieder neu auf. Das verunsichert natürlich. Dann kauft man eben keine Milch mehr. Es gibt ja genügend andere Getränke. Je nachdem, welche Erfahrung die Verbraucher dann machen, kann sich das wieder umkehren. Ich weiß nur eins: Viele Milchsorten, die in den Regalen stehen, laden nicht dazu ein, getrunken zu werden.

 Welche meinen Sie?

Das Ultrahocherhitzen verändert die Milch. Meistens wird bei dem Verfahren ja auch Fett weggenommen. Das wirkt sich dann aus auf Geruch und Geschmack. Außerdem bin ich davon überzeugt, dass man am Milchgeschmack merkt, ob die Kuh das ganze Jahr über mit Silage und Kraftfutter gefüttert wird. Ich trinke lieber Milch von den Kühen, die nur sporadisch Silagen bekommen, so wie bei uns auf dem Betrieb. Die Art des Futters spiegelt sich in der Milchqualität wieder.

Diese Aussage wird vielen Landwirten, die wenig Flächen bewirtschaften, nicht schmecken. Die kurbeln die Milchproduktion durch Kraftfutter an.

Fakt ist: Wir produzieren Milch im Überschuss und wissen nicht, wohin damit. Die Preise sind im Keller, aktuell bekommt man um die 35 Cent pro Kilo Milch von der Molkerei. Über Jahre wurden die Milchkühe auf Leistung gezüchtet. Mindestens 8.000 Kilo im Jahr, besser 10.000, noch besser 12.000! Das geht in vielen Fällen auf die Gesundheit und drückt das Lebensalter, wenn das Management dieser anspruchsvollen Kühe nicht passt. Die Rasse Deutsche Holstein kann ohne Kraftfutterzugabe ihren Energiebedarf gar nicht mehr decken. Inzwischen achtet man wieder mehr auf die Langlebigkeit von Milchkühen.