AckerbauBesser als Vorjahr…

Besser als Vorjahr…

Foto: Böck

Die österreichische Getreideernte 2019 wird von zwei Faktoren bestimmt. Einerseits geht die Anbaufläche leicht zurück, andererseits spürt man deutlich den starken Einfluss des Wetters auf die Erntemengen. Die Getreidefläche nahm gegenüber dem Vorjahr um fast 11.000 ha ab. Die Ernte wird voraussichtlich rund 2,95 Mio. t ausmachen. Das ist gegenüber dem Dürrejahr 2018 ein Plus von 13 %, gegenüber dem Fünfjahres-Schnitt jedoch ein Minus von 2,4 %. Dies teilte die Landwirtschaftskammer Österreich beim Erntegespräch mit.

Besonders auffällig war heuer die Reduktion der Weizenfläche um mehr als 10.000 ha, aber auch Sommergerste hat stark an Bedeutung verloren, stattdessen wurde mehr Wintergerste angebaut. Auch Durumweizen hat stark an Fläche eingebüßt. Ein Plus verzeichnen hingegen Roggen und Körnermais. Dass die Rapsfläche um 11% gesunken ist, war eine erwartbare Reaktion auf das Verbot effizient wirksamer Pflanzenschutzmittel.

 

Neue Strategie

Das Jahr 2018 mit extremer Hitze, Dürre und einem enormen Schädlingsaufkommen waren ausschlaggebend dafür, dass die ‘LK-Strategie Acker – Grünland’ erarbeitet wurde. Diese verfolgt im Wesentlichen drei Ziele:

  • die Versorgungssicherheit mit heimischen Lebensmitteln nachhaltig sicherzustellen
  • dem Klimawandel zu begegnen
  • sich auf die kommende GAP vorzubereiten

Die Strategie gibt unter anderem Antworten auf die Herausforderungen in den Bereichen Innovation, Nachhaltigkeitskriterien, Biolandbau, Bioenergie und -ökonomie, Vermarktung, Eiweiß- und Zuckerstrategie, Pflanzenschutz, Klimawandel etc.

 

Mehr Eiweiß aus Österreich

Moosburge unterstreicht, dass das Grünland ein essenzieller Baustein der österreichischen Eiweißstrategie ist. Auch der Anbau von Sojabohnen hat gezeigt, was möglich ist, wenn sich Forschung, Züchtung und Beratung um eine Kultur bemühen. Um jedoch die einzigartige Eigenschaft von Leguminosen, Nährstoffe aus der Luft binden zu können, besser zu nutzen, bedarf es hier noch weiterer Bemühungen.

 

Forschung und Züchtung

Der Klimawandel verlangt von der Wissenschaft rasch geeignete Antworten für die Praxis. Die Züchter leisten mit standortangepassten Sorten viel und können auf diese Herausforderungen Antworten geben. Hier ist aber auch eine klare Entscheidung über die neuen Züchtungsmethoden von der EU notwendig. Nationalen Alleingänge wird es nicht geben. Denn für die Landwirtschaft bedeuten Alleingänge immer eine klassische Wettbewerbsverzerrung, wie die Vergangenheit gezeigt hat.

 

Neue GAP

“Auch für die neue GAP nach 2020 müssen in den kommenden Monaten die Weichen gestellt werden. Oberstes Ziel ist es, die EU-Agrarpolitik weiterzuentwickeln. Dabei muss es gelingen, die Regeln zu vereinfachen und attraktiv für Bäuerinnen und Bauern sowie die Verbraucher zu gestalten. Die Bürokratie muss auf ein vernünftiges Maß reduziert werden, denn Landwirtschaft und Effektivität sowie Effizienz gehören zusammen. Aktuell liegen auf EU-Ebene noch keine Details oder endgültige Regelungen vor.

 

Neue Regierung

Von unserer nächsten Bundesregierung erwarten wir konkrete Zusagen für einen stabilen Kurs in der bisherigen Ausformung. Unsere Landwirtschaft leistet heute schon Enormes, was Biodiversität, Artenvielfalt, Landschaftselemente, Naturschutzflächen sowie Klima- und Bodenschutzmaßnahmen betrifft. Die österreichischen Bäuerinnen und Bauern sind in diesen Bereichen führend in Europa. Sie erwarten Stabilität, Verlässlichkeit und Planbarkeit, damit sie ihre unverzichtbaren Aufgaben erfüllen können, nämlich Lebensmittel von höchster Qualität in einer intakten Umwelt zu produzieren, wie Moosburger nochmals betont.

 

Faire Bedingungen

“Damit unsere Bäuerinnen und Bauern wirtschaftlich erfolgreich sein können, brauchen sie faire Wettbewerbsbedingungen. Daher verlangen wir von jenen Lebensmittelhändlern, die sich für Verbote und Einschränkungen in der bäuerlichen Produktion in Österreich einsetzen, diese auch konsequent in ihren Märkten anzuwenden und keine Produkte in ihren Regalen anzubieten, die aus Ländern kommen, in denen nicht sichergestellt werden kann, dass diese ebenfalls unter gleich hohen Standards produziert werden”, betonte Schmuckenschlager und ergänzte: “Wir haben mit dem AMA-Gütesiegel in Österreich ein bewährtes Zeichen, das den Kunden Klarheit über die österreichische Herkunft von Fleisch, Eiern, Milchprodukten sowie Obst und Gemüse gibt. Doch damit die Konsumenten im Supermarkt eine umfassende Wahl haben, ist uns als Produzenten hochwertiger heimischer Erzeugnisse die Herkunftskennzeichnung enorm wichtig. Das gilt auch für Qualitätsprogramme, die diese Bestrebungen speziell untermauern. So verlangen wir auch bei Brot-, Mahl- und Braugetreide eine Kennzeichnung der österreichischen Herkunft.”

 

Strategien für Eiweiß und Zucker

Rübenderbrüssler, Erdfloh, Drahtwurm, Engerling, dazu der Quotenwegfall bei der Zuckerrübe und der damit verbundene Preisverfall sowie die gewaltige Dürre, die 2018 so gut wie ganz Österreich betroffen hat, zeigten viele der Herausforderungen auf. Mit österreichischen Strategien wie ‘Heimischer Rübenzucker’ oder der ‘Eiweißstrategie’ und Projekten wie ‘Klimafitte Sorten’ oder dem 2018 beschlossenen Dürrepaket, das auch nachhaltige Maßnahmen zur Risikoabsicherung enthält, wurden erste Umsetzungsschritte erarbeitet, denen in den kommenden Jahren weitere folgen werden”, ergänzte Berlakovich.

 

Gesunder Boden gegen Klimawandel

Unser Boden ist die landwirtschaftliche Produktionsgrundlage. In den bisherigen Umweltprogrammen, wie dem ÖPUL, haben wir für Humusaufbau, Bodenfruchtbarkeit und Bodenqualität überaus viel erreicht. Mit derartigen Maßnahmen arbeiten wir auch gegen die Klimaerwärmung, um der Tatsache entgegenzuwirken, dass sich durch wärmere Temperaturen der Abbau der organischen Substanz im Boden beschleunigt. Daher sind Maßnahmen zur klimafitten Bodenbewirtschaftung ein künftiger Schwerpunkt. Gleichzeitig muss auch der Bodenverbrauch weiter reduziert werden, um dem nach wie vor rasanten Verlust an hochwertigen, landwirtschaftlich genutzten Flächen entgegenzuwirken, wie Berlakovich feststellt.

 

Biomarkt

“Markenprogramme, Tierwohl und der Biomarkt gewinnen für die österreichische Produktion immer mehr an Bedeutung. Gerade im Biobereich liegt Österreich jetzt schon an der europäischen Spitze. Wir müssen daher eine nachhaltige Entwicklung dieses Marktsegments sicherstellen. Tatsache ist jedoch, dass Bio-Umstellungsgetreide derzeit nur zu den geringeren konventionellen Preisen vermarktet werden kann. Daher brauchen wir die Konsumenten als Partner. Diese können mit ihrem Griff ins Regal den Markterfolg mitbestimmen. Ein Ausbau der Bioproduktion muss marktkonform erfolgen, sonst steigt der Preisdruck. Mindestens ebenso wichtig bei Lebensmitteln sind Regionalität und Innovation. Konsumenten greifen bevorzugt zu regionalen Produkten, unabhängig davon, ob diese konventionell oder biologisch erzeugt worden sind. Gleichzeitig bieten die Bäuerinnen und Bauern mit innovativen Spezialitäten eine immer breiter werdende Vielfalt an und stoßen dabei bei den Kunden auf breite Zustimmung”, so Berlakovich.

 

Gegen faule Kompromisse

Zu jüngsten Meldungen, wonach jetzt Bewegung in die zuletzt festgefahren Mercosur-Verhandlungen gekommen sei, merkte Moosbrugger kritisch an, dass hier offenbar versucht werde, Agrarprodukte und Industriegüter gegeneinander abzutauschen, indem die EU einseitige Zugeständnisse beim Import von Zucker, Rindfleisch und Sojabohnen aus Südamerika mache. “Derartige faule Kompromisse lehnen wir klar ab”, unterstrich Moosbrugger. Eine solche Einigung würde nicht nur die europäische Landwirtschaft schwächen, sondern auch sämtlichen Klimaschutzbemühungen der EU widersprechen, weil man damit Produktionsweisen wie Regenwaldrodungen, aber auch die Einfuhr gentechnisch veränderter Produkte unterstützen würde. Das Ziel müsse es stattdessen sein, regionale Produktion und kurze Transportwege zu forcieren.