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Bauern fordern auch von SPAR höhere Milchpreise

Die Landwirte demonstrieren vor dem INTERSPAR Markt in Leoben.
Quelle: Leitner

Aschermittwoch – Ende der Faschingszeit. Schluss mit lustig – das dachten sich auch die österreichischen Bauern, die in einer bundesweit koordinierten Aktion auf die Strasse gingen. Alle Bundesländer, außer Burgenland und Vorarlberg, beteiligten sich an den vom Österreichischen Bauernbund organisierten Kundgebungen. Vor den SPAR Märkten und Zentralen marschierten die Landwirte mit Plakaten, Tafeln und Kuhglocken begleitet von Traktoren und Polizei auf.

Schauplatz SPAR Zentrale Kärnten Osttirol

Niedrige Milchpreise zwingen Landwirte aufzugeben. Dagegen setzten die Landwirte am Aschermittwoch ein Zeichen.
Quelle: Taferner

Treffpunkt 9:30 Uhr wenige hundert Meter von der SPAR Zentrale Kärnten und Osttirol entfernt, parken Autos. Ein Traktor mit Frontlader und Anhänger steht bereit. An die 200 Bauern aus allen Tälern Kärntens sind da. Sogar eine Abordnung aus dem Lungau ist gekommen um den Handelsunternehmen zu zeigen, dass der Bogen überspannt wurde.

10 Uhr: Der Traktor setzt sich vom Parkplatz Herzogstuhl aus in Bewegung. Die Landesstrasse wurde von der Polizei gesperrt. Mit Regenschirmen und Kuhglocken folgen die Bauern mit Schildern wie “Faire Preise für unsere Bauern” oder “Nicht mit uns” oder “Stopp mit Wahnsinnsrabatten”. Ein paar neugierige Köpfe sind hinter den großen Glasfenstern der SPAR-Zentrale zu erkennen.

10:30 Uhr: LK Präsident Johann Mößler und Agrarlandesrat Martin Gruber legen ihre Forderungen unter Anwesenheit der Führungsriege von SPAR Kärnten und Osttirol dar. Dabei stehen sie auf der Ladefläche des Traktoranhängers. Sie fordern eine Partnerschaft auf Augenhöhe, einen angemessenen Umgang mit dem rot-weiß-roten Logo auf Lebensmitteln, mehr Wertschätzung für die Arbeit der Bauern und ein Ende der Lebensmittelimporte. Es gehe um ein “angemessenes Einkommen zum Auskommen”, betont Gruber mehrmals und erntet dafür Zustimmung von den Landwirten. Kuhglocken schallen.

10:45 Uhr: LK Präsident Mößler übergibt ein Forderungspapier an Geschäftsführer Paul Bacher. Ein kurzer Akt im Foyer der Zentrale.

11:05 Uhr: Nachdem die Polizei das Landesstrassenstück bis zum Parkplatz erneut abgesperrt hat, setzt sich der Tross wieder in Bewegung. Langsam, gesittet und hoffnungsvoll.

11:15 Uhr:  Käsesemmeln werden an die Teilnehmer verteilt. Die Kärntner Milch hat Erdbeer Drinks und Bio Kakao bereit gestellt als Stärkung für den Heimweg. Von vielen Seiten hört man eine gewisse Zufriedenheit, ein Zeichen gesetzt zu haben. Ob es wirkt, das bleibt zu hoffen.

Schauplatz INTERSPAR Leoben, Steiermark

Rund 250 Bauern aus der Steiermark sind nach Leoben gekommen um der Handelskette SPAR ein Zeichen zu setzen. Mit im Gepäck jede Menge Transparente, Plakate, Tafeln und rund 45 Traktoren. Diese haben dann eine Zufahrt zum Supermarkt gesperrt.

Gefordert wurde auch hier ein fairer Preis für die Bauern. Jeden Tag schließen 10 Höfe ihre Tore, die niedrigen Erzeugerpreise sind mit ein Grund dafür. SPAR hat im letzten Jahr  einen Konzerngewinn von 352 Millionen Gewinn verzeichnet.

Schauplatz SPAR-Zentrale St. Pölten

800 Bauern haben sich vor der SPAR-Zentrale in Niederösterreichs Landeshauptstadt versammelt. 200 Traktoren waren bei der Protestfahrt mit dabei.

Das fordert der Bauernbund

Bauernbund-Präsident Georg Strasser verlangt in seiner Rede vom Handelsunternehmen „einen sofortigen Stopp der chronischen Aktionitis bei hochwertigsten Lebensmitteln. Wir stehen heute vor den SPAR-Zentralen, weil sich SPAR Österreich trotz unserer Bemühungen im Vorfeld dem Vernehmen nach bei den Verhandlungen im Milchsektor gegen die Bauernfamilien entschieden hat und sich gleichzeitig mehr Dankbarkeit erwartet – wie in Tageszeitungen am Wochenende ausgerichtet wurde.“ Das sei unehrlich und unfair, so Strasser, „vor allem dann, wenn man im selben Atemzug ein Konzerngewinn von 352 Mio. Euro allein in einem Jahr präsentiert. Die Proteste sind somit ein Signal gegen die unsägliche Preispolitik. Dieses Verhalten zerstört nachhaltige Landwirtschaft stiehlt unseren Hofübernehmerinnen und Hofübernehmern die Perspektiven“, erklärt Strasser.

Zudem fordert der Bauernbund einen Bonus auf österreichische Lebensmittel. Strasser: „Es braucht eine Kurskorrektur in der Einkaufs- und Preispolitik der Handelsriesen. Ein Österreichbonus, der die tatsächliche Mehrleistung der heimischen Bäuerinnen und Bauern abgilt, wäre aus unserer Sicht höchst an der Zeit.“

Dritte Forderung: Wo rot weiß rot draufsteht, muss auch Österreich drin sein.  „Wir fordern das Aus für das unsägliche Spielchen mit dem rot-weiß-roten Fähnchen auf Lebensmitteln aus dem Ausland. Wir brauchen eine praxistaugliche Umsetzung der Primärzutatendurchführungsverordnung in Österreich. Es darf nur Österreich draufstehen, wo Österreich drinnen ist – alles andere ist Konsumententäuschung!“, so der Bauernbund-Präsident.

 

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