AckerbauAusfallgetreide muss nicht sein

Ausfallgetreide muss nicht sein

Unter einer ordentlichen Zwischenfrucht hat Ausfallgetreide keine Chance.
Quelle: Böck

Das Einpflügen von Zwischenfrüchten im Herbst gehört für viele Betriebe nach wie vor zum Standard. Besonders das Ausfallgetreide bereitet vielen Landwirten immer wieder Probleme. Hier ist der Pflug nun mal die sauberste Lösung. In den Verhandlungen zur neuen ÖPUL-Periode wird die Pflugvariante heiß diskutiert. Es stehen sogar Forderungen im Raum, dass es keine vegetationslosen Böden während der nicht produktiven Zeit mehr geben soll. Daher sollten Landwirte künftig einen Plan B haben. Denn das ÖPUL werden wir kaum beeinflussen können, das Ausfallgetreide hingegen schon. Wie das funktionieren kann, haben wir uns auf vier Betrieben, die Mitglied im Verein Boden.Leben sind, angesehen. Sie erklären, wie sie die Zwischenfrüchte rein halten.

 

Für Auinger ist eine vielfältige Mischung besonders wichtig.
Quelle: Auinger

Klassisch im Mostviertel

Ferdinand Auinger aus St. Pantaleon-Erla (Bez. Amstetten) führt den Betrieb im „ehemaligen“ Feuchtgebiet, wie er es nennt. In feuchten Jahren, mit kurzem Zeitfenster zur Begrünungsaussat, setzte der Betrieb teilweise auf eine seichte Pflugfurche nach dem Stoppelsturz. Damit hat er selbstredend kein Problem mit Ausfallgetreide. Wenn die Regenfälle im Sommer ausbleiben, setzt er auf den klassischen Stoppelsturz mit zweimaligem Grubbern. Das erste Mal fährt er mit einem Flügelschargrubber mit Walze und Nachlaufstriegel auf maximal 4 cm Bodentiefe quer die Flächen ab. Sobald das Ausfallgetreide aufgelaufen ist, werden die jungen Pflanzen mit einem Doppelherzschargrubber ca. 15 cm eingearbeitet, oder es kommt der Tiefenlockerer zum Einsatz. Das Getreide braucht zum Auflaufen ca. 10 Tage. So lange wird gewartet. Wenn er schon früher reinfahren würde, hätte er erst recht wieder das Ausfallgetreide in der Zwischenfrucht. Nach dem Grubbern wird umgehend die Zwischenfrucht mit einer Kreiseleggen- Drillkombination mit Doppelscheibenscharen und Andruckrollen angebaut. Die Zwischenfrucht wird wie eine Hauptkultur behandelt. So können sich auch die Kleearten gut entwickeln. Am liebsten wäre ihm die Saat der Zwischenfrucht umgehend direkt hinter dem Mähdrescher. Dadurch könnte er auch die Keimruhe des Getreides nutzen. Das geht sich arbeitstechnisch und zeitlich aber nicht aus.

Mehr Vielfalt

Für Auinger ist eine vielfältige Mischung besonders wichtig.
Quelle: Auinger

Gesät wird vor Mais eine gut abgestimmte Fertigmischung mit 18 Komponenten. Auinger unterstreicht dabei die Vielfalt und speziell den enthaltenen Roggen und die Sorghumhirse. Die bauen den Boden mit Mykorrhizastämmen auf, die auch der Mais nutzen kann, und legen so mit bereits im Sommer einen Grundstock an Pilzen im Boden. Außerdem schätzt er die winterharten Komponenten, da die auch im Winter das Bodenleben mit Wurzelausscheidungen ernähren. Sobald die Zwischenfrucht eine Wuchshöhe von 5 bis 10 cm erreicht, gibt er mit einem Schleppschlauchfass etwa 15 m3 Schweinegülle direkt in den Bestand. Dazu fährt er vorrangig in den Abendstunden. Von der Überfahrt erholt sich die Zwischenfrucht recht schnell wieder. Grundsätzlich ist Auinger die direkte Güllegabe lieber als vor der Saat, da aufgrund der Sommerhitze kombiniert mit der Mineralisierung durch die Bodenbearbeitung sonst ein Überangebot an Nährstoffen herrscht.

Schüller setzt auf Zinkensaat.
Quelle: Schüller

Zinkensaat im Waldviertel

Der Betrieb von Christian Schüller liegt in Atzelsdorf (Bez. Horn) auf 550 m Seehöhe. Er sät Zwischenfrüchte hauptsächlich nach Winterweizen und vor Sommergerste, Hafer und Körnermais. Früher hatte er auch immer wieder Probleme mit Ausfallgetreide. Mehrere Jahre säte er seine Zwischenfrucht über Striegelsaat direkt nach der Ernte. Aufgrund der zunehmenden Trockenheit wurden die Aufgänge aber immer schlechter und ein neues System musste her. Mittlerweile sät Schüller die Zwischenfrucht mit einer Horsch Sprinter Zinkensämaschine, direkt nach dem Drusch. Zuvor verteilt er aber das Stroh mit einem selbstgebauten Strohstriegel gleichmäßig über das Feld. Im vergangenen Jahr arbeitete er noch mit dem Originalzinken. Dieses Jahr hat er jedoch einen speziellen Zinken der kanadischen Firma Bourgault montiert. Dieser Zinken bewegt noch weniger Erde. Die Sprinter ist mit einem Zweitanksystem ausgestattet. Das er laubt Schüller, das Saatgut auf zwei Tiefen auszusäen. Daher unterteilt er zwischen groben und feinkörnigen Früchten. Sommerwicke, Sonnenblume, Ackerbohne und Peluschke legt er auf etwa 5 cm ab, während er Kresse, Buchweizen und Sandhafer auf ca. 3 cm sät. Derzeit arbeitet Schüller noch mit rein abfrostenden Komponenten. Künftig möchte er aber auch mehr mit winterharten Gräsern wie Grünschnittroggen und Weidelgräsern arbeiten. Die bilden das bessere Wurzelsystem aus und hinterlassen eine bessere Struktur.

Schnell begrünen

Die Direktsaat ist frei von Ausfallgetreide.
Quelle: Schüller

Durch die Direktsaat und die geringe Erdbewegung haben die Zwischenfrüchte einen deutlichen Vorsprung im Vergleich zum Ausfallgetreide. Schüllers Meinung nach gehört eine Zwischenfrucht so schnell wie möglich nach der Ernte in die Erde. Die Sonne sollte den nackten Boden nicht unnötig aufheizen. Letztes Jahr konnte er auf nackten Nachbarflächen bis zu 50 °C Bodentemperatur messen. Das sterilisiert die Böden. Hier schlägt ein bewachsener Boden zwei Fliegen mit einer Klappe. Die Böden heizen sich bei weitem nicht so auf und die Pflanzen können das Sonnenlicht für die Assimilation besser nützen. Daher ist Schüller auch die Zeit zwischen Ernte und der Etablierung einer Zwischenfrucht ein Dorn im Auge. Er experimentiert immer häufiger mit Untersaaten. Die würden die Sonneneinstrahlung direkt nach der Ernte auch noch nützen. Schüller versucht also den Boden ständig grün zu halten und so wenig wie möglich einzugreifen. Dadurch würde der Boden auch das Wasser besser aufnehmen und halten – was in Zeiten anhaltender Trockenheit wohl das eherne Ziel ist.

 

Im Spätdruschgebiet muss es oft schnell gehen.
Quelle: Schranz

Zwei Stufen im Burgenland

Der Betrieb von Dieter Schranz liegt im burgenländischen Kalteneck. Mit seinen Flächen auf 700 bis 800 Meter Seehöhe und seinen eher leichten Böden sieht er sich aber näher verwandt mit dem Mühl- und Waldviertel als mit dem restlichen Burgenland. Schranz sät Zwischenfrucht nach Winterweizen und Triticale. Darauf folgen im Frühjahr entweder Sommergerste oder Silomais. Mit Druschterminen beim Weizen um den 10. August gehört er auch zum Spätdruschgebiet. Wenn er also eine ordentliche Zwischenfrucht etablieren möchte, hat er nicht viel Zeit für den klassischen Stoppelsturz und irgendwelche Maßnahmen, um das Auflaufgetreide zu beseitigen. Braucht er aber auch nicht. Er fährt direkt nach dem Getreidedrusch entweder mit dem Grubber (bei weniger Stroh) oder der Scheibenegge (bei mehr Stroh) in die Stoppeln und sät gleichzeitig die Zwischenfrucht ein. Dazu ist am Gerät ein pneumatisches Sägerät von APV montiert, der das Saatgut vor der Nachlaufwalze auf der bearbeiteten Erde ablegt. Bearbeitet wird auf ca. 10 cm Bodentiefe. Seichter würde seiner Meinung nach zwar auch gehen, doch ist der Respekt vor dem grassierenden Mäuseproblem zu groß. Als Zwischenfrucht wird mit dem Kleinsamenstreuer Ölrettich, Buchweizen, Phacelia, Öllein und Alexandrinerklee gesät. Mit einem Fronttank werden ab heuer zusätzlich vor der Scheibenegge auch noch Erbsen ausgebracht und eingearbeitet. Zuvor brachte er die Erbsen in eine eigenen Überfahrt mit dem Düngestreuer aus. Diese Mischung etabliert sich auf den Flächen von Dieter Schranz noch sehr gut. Vor der Sommergerste wird im Frühjahr einmal seicht mit der Scheibenegge und kurz vor dem Anbau noch einmal mit dem Feingrubber bearbeitet, damit er problemlos aussäen kann. Ein Totalherbizid braucht er nicht.

Winterhart vor Mais

Bei der Zwischenfrucht vor Mais sät Schranz im Herbst in die etablierte Sommerzwischenfrucht zusätzlich noch eine winterharte Zwischenfrucht mit Grünschnittroggen und Winterwicken. Das hat er 2019 erstmals versucht und das Ergebnis hat ihm außerordentlich gut gefallen. Auch wenn sich die Winterwicke nicht mehr ganz so schön entwickelt hat, bedeckte der Grünschnittroggen im Frühjahr den ganzen Boden und unterdrückte dadurch das Unkraut sehr gut. Für Schranz ein sehr großer Vorteil, da er nie vor der letzten Aprilwoche Mais sät und sich in der abgefrorenen Zwischenfrucht normalerweise oft noch das Unkraut gut entwickeln kann. In den Grünschnittroggen überlegt er künftig auch, den Mais direkt zu säen. Außerdem wäre durch den gegebenen Erosionsschutz auch Soja wieder ein Thema. Gesät wird die Zwischenfrucht recht simpel mit einer Drillsämaschine. Als Vorwerkzeuge dient eine selbstgebaute Kurzkombination mit eine Flachstegwalze vor zwei Reihen Striegel vor einer Keilringwalze.

 

Die Rübe nach der Zwischenfrucht ist auch ohne Glyphosat sauber.
Quelle: Böck

Hohe Saatstärke in Oberösterreich

Albert Muckenhuber aus Gallsbach (Bez. Grieskirchen) bewirtschaftet einen Betrieb im Feuchtgebiet. Aber auch er konnte sich in den vergangenen Jahren nicht über ausreichende Niederschläge nach der Getreideernte bzw. dem Zwischenfruchtanbau freuen. Ausfallgetreide ist jedoch auch bei ihm kein großes Thema. Nach Wintergerste und -weizen fährt er umgehend nach der Ernte mit der Scheibenegge drüber. Die Arbeitstiefe ist dabei nur minimal, so dass kaum Erde bewegt wird. Das Stroh soll nur so schnell wie möglich mit Erde in Berührung kommen und sogleich mit der Rotte beginnen. Zwei bis drei Tage später streut Muckenhuber zuerst mit dem Düngestreuer Ackerbohnen, die im Anschluss mit einem Doppelherzschargrubber in den Boden eingearbeitet werden. Die Arbeitstiefe liegt dabei zwischen 12 und 13 cm. Gleichzeitig wird über einem Kleinsamen-Tellerstreuer das kleinsamige Saatgut vor der nachlaufenden Krümelwalze ausgesät. Eine große Rückverfestigung braucht es hier nicht. Das zeigt der gelungene Bestand im Vorjahr ohne nennenswerte Niederschläge nach der Saat.

Kreuzblütler und Gülle

Wird die Zwischenfrucht zu dünn gesät, kann sich das Ausfallgetreide darunter gut entwickeln.
Quelle: Böck

Neben der Ackerbohne wird eine Mischung aus Kresse, Sareptasenf der Sorte Vitasso, Ölrettich, Melorationsrettich, Phacelia, Alexandrinerklee, Leindotter und Ramtillkraut gesät. Da Muckenhuber später auch noch Gülle gibt, setzt er auf weniger Leguminosen zugunsten stickstoffzehrender Kreuzblütler. Muckenhuber betont auch, dass er dabei nicht mit Saatgut spart. Lieber ein bisschen mehr und dafür einen lückenlosen und dichten Bestand. Was passiert, wenn zu wenig oder gar kein Zwischenfrucht- Saatgut gesät wird, merkt er wenn er mal zu spät am Feld das Sägerät einschaltet. Hier kommt das Ausfallgetreide, und das nicht zu knapp. Aber unter einer dichten Zwischenfrucht, die zudem noch einen Vorsprung hat, bekommt das Getreide keine Chance. Zu einem späteren Zeitpunkt gibt Muckenhuber in den Bestand auch noch etwa 15 m3 Schweinegülle mit dem Schleppschlauch über Gülleverschlauchung in den Bestand. Im Frühjahr ist der Bestand im Normalfall schön abgefroren und unkrautfrei, sodass er Mais – und seit diesem Jahr neu – Zuckerrüben in Mulch bzw. Direktsaat aussähen kann. Glyphosat braucht Muckenhuber trotz seiner langjährigen Bewirtschaftung ohne Pflug keines.