LandtechnikAckerbautechnikAnhängefeldspritze Lemken Vega im Praxistest

Anhängefeldspritze Lemken Vega im Praxistest

Die Vega 12 zeichnet sich durch ein modernes Design, eine einfache Bedienung und eine hohe Funktionalität aus.
Quelle: Paar

Lemken bietet die gezogene Feldspritze Vega 12 mit 3.000, 4.000 und 5.000 Litern und Spritzbreiten von 15 bis 30 m an. Für unseren Praxistest hat uns das Unternehmen eine Vega 12 mit einem Fassungsvolumen von 4.000 Litern und dem neuen RA-Gestänge (Rear Aluminium) zur Verfügung gestellt. Vorweg, diese Anhängespritze hat nicht nur ein ansprechendes Design, sondern zeichnet sich auch durch einen hohen Bedienkomfort und eine hohe Funktionalität aus.

Das 27 m breite Gestänge ließ sich symmetrisch auf 21 und 15 m reduzieren und war sogar mit der elektrischen Einzeldüsenschaltung „Eltec Pro“ ausgestattet. Damit konnten wir sie ideal an Fahrgassenabstände und Schlaggrößen anpassen. In den letzten zehn Jahren haben wir die Vor- und Nachteile aufgebauter Front-Heck-Spritzkombinationen drei verschiedener Hersteller ausgiebig getestet. Mit diesen „kleinen Selbstfahrern“ lässt sich die Schlagkraft in kleinstrukturierten Gebieten deutlich steigern. Zuletzt haben wir das mit der Anbauspritze Sirius 12 und dem Fronttank Gemini 7 von Lemken unter Beweis gestellt (LANDWIRT 01/2019).

Das 27 m breite Gestänge ließ sich symmetrisch auf 21 und 15 m reduzieren und war sogar mit der elektrischen Einzeldüsenschaltung „Eltec Pro“ ausgestattet.
Quelle: Paar

Zwei getrennte Tanks haben aber auch Nachteile, vor allem beim Handling, Befüllen und Reinigen. Daher haben wir in der vergangenen Saison unter denselben betrieblichen Voraussetzungen
erstmals eine Anhängespritze zum Einsatz gebracht, um die Grenzen auf kleinen Flächen und auf Hängen auszuloten.

Systemunterschiede

Unser Testteam hat auf knapp 500 ha alles ausprobiert. Ja, wir haben sogar kleine, unförmige Hangflächen unter einem Hektar gespritzt. Solche Extremeinsätze sind nur mit entsprechender Ausstattung zu bewältigen. Unsere Vega war z.B. mit einer nachlaufgesteuerten Deichsellenkung und dem neuen RA-Gestänge ausgestattet, das alle Stückerl spielt.
Was sind die Vor- und Nachteile einer Anhängespritze gegenüber dem „kleinen Selbstfahrer“?
Vorteile:
• Sie lässt sich viel rascher an- und abbauen.
• Der Behälter kann in einem Zug befüllt und
entleert werden.
• Das zweimalige Berechnen und Bemessen
der Spritzmittel für Front- und Hecktank
fällt weg.

Die kompakte Bauweise und die Deichselfederung sorgen für einen hohen Fahrkomfort.
Quelle: Paar

• Ein einzelner Behälter lässt sich deutlich einfacher
reinigen.
• Es besteht keine Gefahr der Achslastüberschreitung
wie bei Front-Heckkombinationen.

Nachteile:
• Auf Flächen von unter zwei Hektar sinkt die
Spritzleistung durch das aufwändigere
Handling deutlich.
• Es besteht ein höheres Risiko am Hang.
• Das Fahrwerk und die hohe technische Ausstattung
machen die Maschine teuer.

Das Fahrwerk…

… hat unser Testteam überzeugt. Die Vega läuft sowohl auf der Straße als auch auf dem Acker einwandfrei hinterher. Zudem ist bei Straßenfahrt die Sicht nach hinten gut.

Mit der hydraulischen Deichselverstellung und der integrierten Abstellstütze lässt sich die Maschine auch im vollen Zustand abstellen.
Quelle: Paar

Unser Testkandidat war mit einer starren, druckluftgebremsten Achse, einer hydraulischen Knickdeichsel und einer Deichselfederung ausgestattet. Optional gibt es auch eine mechanisch oder pneumatisch gefederte Achse mit lastabhängiger Bremse und Niveauregulierung.

Viel Lob gab es für den komfortablen An- und Abbau. In unserem Fall war die Maschine mit einer K80-Kugel unten angehängt. Besonders viele Pluspunkte gab es für die serienmäßige, hydraulisch höhenverstellbare Deichsel mit dem integrierten mechanischen Stützfuß. Nach dem Runterklappen der Abstellstütze lässt sich die Maschine auch in vollbeladenem Zustand mit einem separaten Steuergerät hochheben.

Der Deichsellenkzylinder wird mit einem Gyroskop gesteuert.
Quelle: Paar

Die Neigungsverstellung ist auch für den Spritzbetrieb wichtig. Damit wird sichergestellt, dass die Spritze vollständig entleert wird und die technische Restmenge möglichst gering ist.
Für rund 1.000 Euro Aufpreis liefert der Hersteller die Deichsel gefedert aus. Um weitere 4.000 Euro bekommt man die für unsere Einsatzzwecke unabdingbare Deichsellenkung dazu. Die automatische Steuerung erfolgt mit einem Gyroskop, auch Kreiselkompass genannt. Ist dieser einmal am Traktor montiert und kalibriert, läuft die Spritze dem Traktor absolut spurgetreu nach. Eine tolle Sache nicht nur für große, gleichförmige Schläge. Muss man aber z.B. auf kleinen Schlägen häufig in Ecken zurückstoßen, kommt das System an seine Grenzen. Damit beim Losfahren des abgewinkelten Gespanns nicht der Kotflügel des Traktors beschädigt wird, lenkt die Spritze erst nach einer Radumdrehung. Bis dahin läuft die Spritze außer der Spur.

Verbessertes Gestänge

Das RA-Gestänge hat ein neues Mittelstück und zusätzliche Automatikfunktionen. Sonst ist es nahezu baugleich mit dem Gestänge, wie wir es im Vorjahr bei der Sirius im Einsatz hatten. Die Führung und die Funktionalität des Gestänges wurden in höchsten Tönen gelobt. Statt der bisherigen Parasol-Führung hängt das gesamte Gestänge auf einer zentralen Drehachse. Die Hanganpassung erfolgt nicht mehr mechanisch durch die Schwerpunktverlagerung, sondern aktiv mittels Sensoren und Hydraulik. Der Zielflächenabstand unseres Spritzgestänges wurde mit fünf Ultraschallsensoren gesteuert: einer am Mittelstück und jeweils zwei an den Auslegern.

Alle Düsen, Leitungen und Elektronikteile sitzen vollkommen geschützt im Aluprofil.
Quelle: Paar

Dadurch ist auch bei großer Arbeitsbreite und Wechselhanglagen eine exakte Anpassung über Armanwinkelung, Hangausgleich und über den Hubmast möglich.
Das Gestänge klappt auf Knopfdruck vollautomatisch zügig zusammen. Es bildet in Transportstellung ein kompaktes Paket im Heck. Da das Gestänge nicht wie bei vielen Mitbewerbern seitlich über das Fass gelegt wird, kann das Fass breiter und kürzer gebaut werden. Zudem ergibt sich laut Hersteller ein niedrigerer Schwerpunkt. Bei unserem 27/21/15 m-Gestänge ragte ein Gestängeteil ziemlich weit nach unten. Trotzdem kamen wir beim Ein- und Ausfahren auf Feldstücken mit der Bodenfreiheit gut zurecht.
Gut gefallen hat uns, dass jetzt auch das einseitige Klappen automatisch möglich ist. Die maximale Aushubhöhe gibt der Hersteller je nach Fahrwerk mit 2,9 m an. Das Aluminiumprofil ist leicht und stabil. Alle Düsen, Leitungen und Elektronikteile sitzen vollkommen geschützt im Aluprofil.

ISOBUS-Steuerung mit traktoreigenem Terminal.
Quelle: Paar

Komfortable Bedienung

Das serienmäßige ISOBUS-Konzept („Mega-Spray 2.0“) spielt alle Stückerl und ist praktisch. Lemken bietet verschiedene CCI-Terminals und AUX-Boxen bis hin zum neuen CCI-A3-Multifuktionsgriff mit Touchdisplay an.
Unsere Testfahrer haben die Vega vorwiegend mit traktoreigenen ISOBUS-Terminals getestet.

Alles funktionierte beinahe fehlerfrei. Lediglich die Füllstandsanzeige streikte hin und wieder. Vermutlich lag es am Sensor, der im Inneren des Fasses verbaut ist.

Übersichtliches Bedienzentrum an der linken Maschinenseite mit einer leistungsfähigen Einspülschleuse.
Quelle: Paar

Alle Flüssigkeitsventile werden elektrisch gesteuert. Sie lassen sich entweder über das Terminal in der Kabine oder über das zusätzliche Terminal im Heck beim Bedienzentrum an der linken Maschinenseite ablesen. Fehlbedienungen sind dadurch nahezu ausgeschlossen. Bei Dämmerung wird das Bedienzentrum automatisch mit einer LED-Lampe ausgeleuchtet – ein Ein/Aus-Schalter wäre hier zweckmäßiger.
Für alle flüssigkeitsführenden Komponenten gab es durchwegs Lob: Angefangen von den beiden getrennt voneinander steuerbaren 260-Liter-Altek-Pumpen zum Rühren und Spritzen, dem oberen und unteren unabhängig voneinander geregelten Injektordüsen-Rührwerk, über die vier Reinigungsdüsen an der Tankdecke, den automatischen Füll-Stop, die Hochdruckzirkulation, bis hin zur 45 Liter fassenden Einspülschleuse mit serienmäßiger Proflowdüse und einer Absaugleistung von 120 l/min für das störungsfreie Anmischen flüssiger und pulvriger Mittel.
Wie schon beim Praxistest mit der Anbauspritze Sirius, war auch der Spritzbalken von der Vega mit einer GPS-gesteuerten Einzeldüsenabschaltung ausgestattet. Leider kam es zu Spritzschäden, da einzelne Düsen manchmal nicht öffneten. Den Fehler dafür konnten wir leider nicht eindeutig ausfindig machen. Wir vermuten kleinste Verunreinigungen.

Dreifachdüsenstock mit Einzeldüsenabschaltung.
Quelle: Paar

Die Einzeldüsenabschaltung schont durch Mitteleinsparungen die Umwelt und den eigenen Geldbeutel. Sie verhindert jede Art von Überlappung. Sofern es vom Traktorterminal unterstützt wird, lassen sich bei einem 30-m-Balken damit 60 Teilbreiten realisieren. Serienmäßig bietet Lemken bis zu 13 Teilbreiten an.
Wie schon beim Test im Vorjahr mit der Sirius Anbauspritze möchten wir wiederum die hohe Verarbeitungsqualität erwähnen. Diese Hightech-Feldspritze von Lemken hat auch ihren Preis. Die kleinste Vega 12 mit 3.000-Liter-Fass und 15-m-Balken kostet inkl. 20 % MwSt. knapp 70.000 Euro in der Grundausstattung. Wer aber in einem hügeligen, kleinstrukturierten Gebiet unterwegs ist, sollte deutlich tiefer in die Tasche greifen: Unser gut ausgestatteter Testkandidat Vega 12/4000 mit Deichsellenkung, automatisch geführtem 27-m-Gestänge, GPS-gesteuerter Einzeldüsenschaltung u. v. m. kostet laut Preisliste rund 132.000 Euro inkl. MwSt.

1 Kommentar

Sind neue Feldspritzen nicht eine Fehlinvestition?
https://www.pfluglos.de/lumbrico/lumbrico-ausgaben/lum-september-2019
Beikräuter elektrisch bei der Wurzel packen
Elektrische Beikrautbekämpfung: Neue Alternative für den Pflanzenschutz
In der Schweiz könnte bereits im kommenden Jahr ein Szenario Realität werden, dass auch deutschen Landwirten bevorstehen könnte. So fordert der Verein „Sauberes Wasser für alle“ im Rahmen der sogenannten „Trinkwasserinitiative“, dass unter anderem nur noch diejenigen Landwirtschaftsbetriebe mit Direktzahlungen oder Subventionen unterstützt werden, die keine Pestizide einsetzen. Als Alternative für den chemisch-synthetischen Pflanzenschutz bedarf es deshalb neuer Ansätze wie der elektrischen Unkrautbekämpfung. Das systemisch wirkende Electroherb geht dabei den Beikräutern mit Hochspannung an den Kragen. Erste Versuche in der Schweiz lieferten gute Ergebnisse.