LandlebenFamilieAls Bäuerin glücklich sein. Das geht auch heute noch.

Als Bäuerin glücklich sein. Das geht auch heute noch.

Auf vielen Höfen ist die Situation schier aussichtlos. Diese Sorgen teilen zahlreiche Bäuerinnen. Dennoch gibt es Wege zufrieden und glücklich zu leben.
Quelle: Buffler

Bauernfamilien haben es heutzutage nicht leicht. Das Einkommen sinkt, die Arbeit wird immer mehr und die ganze Branche steht am öffentlichen Pranger. Kommt dann noch eine Krise dazu, fragen sich viele Landwirtinnen und Landwirte:

Warum soll ich mir das antun?

Genau diese Frage kennen Christine Wunsch und Katharina Auerswald nur zu gut. Die beiden Frauen standen bereits selber schon einmal vor dem großen „Warum?“

Bei Christine war es die Zeit, als sie nach ihrem Jura-Studium in Bayern nach Südtirol zog und Milchbäuerin wurde. Aus Liebe zu ihrem Mann Paul. Seitdem erfährt sie selber täglich die Probleme und Widrigkeiten in der Landwirtschaft. Doch nicht nur persönlich weiß sie, was es heißt, Bäuerin zu sein. Jahrelang arbeitete Christine als Geschäftsführerin der Südtiroler Bäuerinnenorganisation und bekam dort die Sorgen vieler Bauersfamilien hautnah mit.

Christine Wunsch lebt mit ihrem Mann und vier Kindern auf einem Michviehbetrieb in Südtirol. In ihren Vorträgen und Seminaren zeigt sie, dass Glück viel vom eigenen Denken und Handeln abhängt.
Quelle: Wunsch

Wenn nur die Arbeit zählt

Was sie aus dieser Zeit mitgenommen hat, war die Frage: Kann man in der Landwirtschaft überhaupt glücklich sein? Für Christine gibt es eine klare Antwort: „Ja, es gibt da so viele Glücksfaktoren. Ich weiß, dass ein Bauernhof nicht die reine Idylle ist. Aber im Alltagstrott verliert man die wertvollen Sachen aus dem Blick.“ Sie sieht die Ursache darin, dass auf vielen Höfen die Bedürfnisse der Menschen völlig ignoriert werden. „Da geht es immer nur um fachliche Kompetenzen. Wie mache ich meinen Betrieb wirtschaftlich? Wie halte ich den Laden am Laufen? Wie kann ich die viele Arbeit schaffen? Der Mensch fehlt komplett.“

DIE BÄUERINNENFACHTAGE DIGITAL

Christine und Katharina haben Ihr Interesse geweckt? Dann melden sie sich einfach zu den digitalen Bäuerinnenfachtagen 2020 an. Sie erhalten ab dem 26. November ein Video von Katharina Auerswald zum Thema: „Von der Sorge zur Selbstfürsorge – Umgang mit Ängsten in Krisensituationen.“ Zudem bietet Christine Wunsch am 25. & 26. November um 20.00 Uhr ein Online Seminar an. Dort können Sie mit ihr über das Thema: „Einfach glücklich am Hof: weil ich mich dafür entschieden habe!“ diskutieren. Die Teilnahme ist kostenlos.

Dabei sollten Bauersfamilien erst einmal diese grundsätzlichen Dinge klären. Was will ich als Landwirt und Landwirtin im Leben erreichen? Was sind meine Ziele? Warum führe ich mein Leben gerade so und nicht anders. Wie schwer das ist, kennt Christine aus ihrer eigenen Familie: „Mein Mann hat sich früher nie überlegt, wie er den Hof weiterführen will. Es war klar, dass er es wie seine Eltern macht.“

Raus aus der Opferrolle

Christine ist klar, dass man die äußeren Umstände häufig nicht beeinflussen kann. Aber sie glaubt, man lebt glücklicher damit, wenn man mehr Verantwortung für sich selbst übernimmt. „Wer einen Hof führt, hat sich irgendwann bewusst dafür entschieden. Da darf man dann nicht einfach in die Opferrolle fallen.“ Genauso ist es, wenn man zu seinem Partner auf den Hof zieht. „Ich muss mir klar sein, was meine Rolle dort sein soll. Will ich mich auf dem Betrieb einbringen und sogar einen eigenen Bereich führen? Oder will ich die Frau von einem Landwirt sein und arbeite in meinem eigenen Beruf weiter? Möglichkeiten gibt es da viele. Man muss sich aber entscheiden. Sonst wird man früher oder später unzufrieden.“

Mittlerweile hat Christine aus ihrer Erfahrung heraus zwei Bücher über das Glücklichsein geschrieben. Ein drittes speziell über das Glücklichsein in der Landwirtschaft ist in Arbeit. Zudem bietet sie Seminare an und berät Landwirtsfamilien. Ihr Anliegen dabei ist immer das Gleiche: „Es geht nicht darum, alles hinzuschmeißen. Aber komm aus dem Trott heraus, dass alles negativ ist. Du kannst dich in jeder Situation entscheiden, glücklich zu sein.“

Flucht nach vorne

Das Leben von Katharina Auerswald war ungleich anders. Aufgewachsen in der Tschechoslowakei, lebte sie unter sozialistischer Herrschaft. Bis sie es nicht mehr aushielt und mit ihrem Freund und einem kleinen Rucksack in den Westen floh. Neun Monate später saß sie mit Mitte 20 hochschwanger in einem deutschen Asylbewerberheim ohne Heizung. Zur Entbindung fuhr sie per Anhalter in die Klinik. Es sollten 15 Jahre in Ungewissheit werden, bis sie dauerhaft in Deutschland leben durfte. Während dieser Zeit musste sie immer wieder ganz von unten anfangen. „Ich weiß wirklich, was eine Krise ist“, sagt Katharina und blickt zurück: „Es gab Zeiten, da hatte ich nichts, außer meine zwei kleinen Töchter auf dem Arm und einen Koffer mit Kleidung. Aber ich wusste: Mein Leben wird irgendwann gut.“

Katharina Auerswald lebt im Allgäu und liebt klare Strukturen. Sie hat schon unzählige Stallbüros auf Vordermann gebracht. Aber auch für das Durcheinander im Kopf weiß sie immer einen guten Rat
Quelle: Auerswald

Heute sind die Kinder erwachsen und studieren. Katharina selbst hat sich als Coach erfolgreich selbstständig gemacht und berät Landwirte. Ihr Spezialgebiet: Ordnung in allen Lebenslagen. Vom Chaos auf dem Schreibtisch bis zum Chaos im Kopf. Zum Beispiel wenn es um das Nein-Sagen geht. „Früher dachte ich, Landwirtschaft heißt Kühe füttern und melken. Erst heute weiß ich, wie viel Papierkram dahintersteckt. Die Landwirte und Landwirtinnen haben meinen tiefsten Respekt für ihre Leistung.“

Krisen meistern

Durch ihre Arbeit in den unzähligen Stallbüros erhielt Kahtarina Einblicke in die Sorgen und Nöte der Bauersfamilien: „Es ist interessant, wie verschiedene Menschen mit den gleichen Lebenssituationen umgehen. Manche stecken eine Krise mit links weg, während andere in ein tiefes Loch stürzen.“ Sie sieht ein Muster dahinter: „Es geht nicht darum, wie schwer die Krise ist, sondern darum wie ich mit ihr umgehe. Es gibt Ereignisse und Situationen, bei denen ich machtlos bin. Wenn ich das erkenne, kann ich mich auf die Dinge konzentrieren, die ich tatsächlich ändern kann.“ Für Katharina der erste Schritt zu einem leichteren und positiveren Leben. „Daraus lässt sich die Kraft schöpfen, um aus einer Krise herauszukommen.“