BioBio-BauernAktionsplan für den Biolandbau vorgestellt

Aktionsplan für den Biolandbau vorgestellt

In der EU geben die Verbraucher im Schnitt jährlich 84 Euro für Bio-Produkte aus, allerdings mit großen Unterschieden zwischen den EU-Mitgliedstaaten.
Quelle: Vetta

Der Aktionsplan sieht 23 Maßnahmen in drei Schwerpunktbereichen – Förderung des Verbrauchs, Ausbau der Produktion und weitere Stärkung der Nachhaltigkeit – vor, um ein ausgewogenes Wachstum des Bio-Sektors sicherzustellen.

Förderung des Verbrauchs

Im Aktionsplan werden mehrere konkrete Maßnahmen vorgeschlagen, mit denen die Nachfrage angekurbelt, das Verbrauchervertrauen bewahrt und Bio-Lebensmittel den Konsumenten nähergebracht werden sollen. Dazu gehören: Information und Kommunikation über die biologische Produktion, Förderung des Verbrauchs von Bio-Erzeugnissen, Unterstützung des Angebotes von Bio-Produkten in öffentlichen Kantinen sowie im Rahmen des EU-Schulprogramms. Die Maßnahmen zielen außerdem darauf ab, das Verbrauchervertrauen zu stärken und die Rückverfolgbarkeit von Bio-Erzeugnissen zu verbessern.

Auch mit Informationen über das EU-Bio-Siegel möchte die Europäische Kommission den Absatz von Bio-Erzeugnissen in der EU verbessern. Das Logo ist eine Erfolgsgeschichte und soll es auch bleiben. „Die Transparenz auf den Märkten, die Rückverfolgbarkeit der Produkte und das Verhindern von Betrug sollen das Verbrauchervertrauen auf dem wachsenden Markt erhalten”, erklärte EU-Agrarkommissar Janusz Wojciechowski bei der Vorstellung des Aktionsplans.

Ausbau der Produktion

Derzeit werden 8,5 % der landwirtschaftlichen Fläche in der EU biologisch bewirtschaftet, und beim gegenwärtigen Wachstum würde die Union bis 2030 auf 15 bis 18 % kommen. Der Aktionsplan soll nun einen zusätzlichen Impuls geben, um das Ziel von 25 % zu erreichen. Die Kommission sieht die Gemeinsame Agrarpolitik als Schlüsselinstrument für die Förderung der Umstellung auf Biolandbau. Derzeit werden 1,8 % der GAP-Mittel (7,5 Mrd. Euro) zur Unterstützung der biologischen Landwirtschaft aufgewendet. Die künftige GAP soll Öko-Regelungen umfassen, die im Zeitraum 2023 bis 2027 – je nach Ausgang der Verhandlungen – mit Mitteln in Höhe von 38 bis 58 Mrd. Euro unterstützt werden. Im Rahmen dieser Öko-Regelungen kann auch die Bio-Landwirtschaft gefördert werden.

Jenseits der GAP umfassen die wichtigsten Instrumente die Organisation von Informationsveranstaltungen und Netzwerken zum Austausch bewährter Verfahren, die Zertifizierung von Erzeugervereinigungen, Forschung und Innovation, die Nutzung der Blockchain und anderer Technologien zur Verbesserung der Rückverfolgbarkeit, die Stärkung kleiner lokaler Verarbeitungsbetriebe, Unterstützung für die Organisation der Lebensmittelkette und die Verbesserung der Tierernährung. Die Kommission will einen jährlichen EU-Bio-Tag einführen und Preisverleihungen für Spitzenleistungen in allen Bereichen der Bio-Lebensmittelkette organisieren. Außerdem will die Brüsseler Behörde die Entwicklung von Netzwerken für den Bio-Tourismus über “Bio-Regionen” fördern.

Stärkung der Nachhaltigkeit

Schließlich soll der Aktionsplan auch die Leistungen der biologischen Landwirtschaft im Hinblick auf die Nachhaltigkeit verbessern. Die entsprechenden Maßnahmen sind darauf ausgerichtet, den Tierschutz zu stärken, die Verfügbarkeit von biologischem Saatgut zu gewährleisten, den CO2-Fußabdruck des Sektors zu verkleinern und den Verbrauch von Kunststoff, Wasser und Energie möglichst weitgehend zu reduzieren. Außerdem beabsichtigt die Kommission, den Anteil von Forschung und Innovation zu erhöhen sowie mindestens 30 % der Mittel für Forschungs- und Innovationsmaßnahmen in den Bereichen Landwirtschaft, Forstwirtschaft und ländliche Gebiete für Themen bereitzustellen, die den Bio-Sektor betreffen.

Großer Unterschied bei Bio-Einkauf

In der EU geben die Verbraucher im Schnitt jährlich 84 Euro für Bio-Produkte aus, allerdings mit großen Unterschieden zwischen den EU-Mitgliedstaaten. In Dänemark sind es 300 Euro pro Kopf und Jahr, in Polen lediglich 4 Euro, berichtete der EU-Agrarkommissar. Die Nachfrage sei auch vom Wohlstand der Gesellschaft abhängig, und nicht jeder könne sich die teuren Bio-Erzeugnisse leisten, gab Wojciechowski zu bedenken. Allerdings müssten die Produkte billiger werden, wenn mehr und mehr Landwirte ihre Produktion umstellten. Wojciechowski sieht in der organischen Produktion vor allem eine Chance für kleine und mittlere Erzeuger. Wenn die Betriebsaufgabe drohe, könnten die ansonsten nicht mehr wettbewerbsfähigen Landwirte diese noch abwenden, führte der EU-Agrarkommissar aus.

Nationale Ziele für Steigerung der Bio-Fläche festlegen

Die EU-Kommission strebt in ihrem Green Deal einen Anteil des Ökolandbaus von 25 % im Jahr 2030 an. Wojciechowski empfiehlt den EU-Mitgliedstaaten, auch nationale Ziele für eine Steigerung der Bio-Fläche festzulegen. In den nationalen Strategieplänen sollte die Förderung für den Bio-Landbau ausgebaut werden. Dazu kämen vor allem die neuen, jährlichen Eco-Schemes aus der GAP-Reform infrage, aber auch die 2. Säule der GAP. Die Kommission werde die EU-Mitgliedstaaten nicht zu nationalen Zielwerten zwingen, aber ernsthaft mit ihnen darüber sprechen, kündigte Wojciechowski an. Besonders anstrengen sollten sich EU-Mitgliedstaaten mit bisher unbedeutendem Ökosektor, wie Polen, Malta oder Irland.