7 neue Sorten für 2019

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Die Sojabohne spielt in Österreich bereits eine wichtige Rolle. Sowohl der Anbau als auch die Sortenzüchtung haben in den letzten Jahren eine beachtliche Entwicklung genommen: Mit 67.620 ha ist die Sojafläche im vergangenen Jahr gegenüber 2017 um weitere 3.200 ha angewachsen. Somit erreicht die vielversprechende Körnerleguminose einen bisherigen Höchststand. Mit Blick auf die Boden- und Klimabedingungen in Österreich erscheint eine weitere Ausdehnung aber auch noch möglich.

Neue und aktuelle Sorten:

Entsprechend dem Zuchtfortschritt – nach Ausgleich der Jahresschwankungen ca. 30 kg/ ha Jahr bei Praxisdaten – wird das Niveau des Standardmittels als Basis für die Relativerträge laufend angepasst. Die Ertragsergebnisse werden je nach Reifegruppe regional differenziert dargestellt. Auch innerhalb einer jeden Reifegruppe sind noch Reifeunterschiede von jeweils bis zu zehn Tagen gegeben. Dieser Umstand ist beim Vergleich der Relativerträge unbedingt zu berücksichtigen. Zur Unterstützung bei der Sortenwahl sei auch auf das Agrar- Online-Tool AGES-Sortenfinder verwiesen (siehe Tipp links).

Reifegruppe 000

Aurelina (3; mit der Reife APS 3) ähnelt der Sorte Marquise. Als hellnabelige, großkörnige Sorte mit hohem Proteingehalt erfüllt sie wichtige Anforderungen für die Produktion von Speisesoja. Aurelina ist auch gut standfest und wenig anfällig für Sclerotinia. Im Korn- und Proteinertrag übertrifft die raschwüchsige Aurelina die Sorten gleicher Reifeeinstufungen im gesamten Anbaugebiet für die 000-Reifegruppe deutlich. Die Neigung zu Samenflecken ist mittel. Die hellnabelige Acardia (4) ist eine späte 000-Sorte ähnlich wie SY Livius mit hohem Ertragspotenzial, hohem Ölgehalt und niedrigem Proteingehalt. Demnach liegt die raschwüchsige und mittelgut standfeste Acardia im Korn- und Ölertrag in beiden 000-Anbauregionen an der Spitze. Naskia (4) hat einen dunklen Nabel. Sie zeigt wie Acardia ein hohes Leistungspotenzial in Verbindung mit einem sehr hohen Ölund einem sehr niedrigen Proteingehalt. Naskia liegt demnach im Korn- und Ölertrag in beiden Anbaugebieten deutlich voran, insbesondere im Alpenvorland. Bei der Standfestigkeit hat sie allerdings Schwächen.

Ertragsleistungen werden bei Sojabohne sehr stark von der Reifezeit beeinflusst. Das gilt insbesondere in der Reifegruppe 000 für die Erträge der frühen Sorten. Darunter fallen Abelina (2), Alexa (2), GL Melanie (2) und Obélix (2). All diese frühreifenden Züchtungen liegen ertraglich in beiden Anbauregionen über Merlin (2) aber unter den weiteren 000-Sorten mit der etwas späteren Abreife. Bis auf Abelina sind die frühen 000-Sorten auch gut standfest. Alexa ist virustolerant, zeigt aber sonst mittlere Krankheitsanfälligkeiten. Obélix ist sehr rasch im Jugendwachstum. Toutatis (3) empfiehlt sich, wenn Sie neben einer recht frühen Abreife eine gute Standfestigkeit und Sclerotiniatoleranz benötigen. Marquise (3)) ist hellnabelig, raschwüchsig und bringt mittlere Erträge in beiden Anbauregionen bei jeweils mittelhohem Protein- und Ölgehalt. Regina (4) hat einen mittleren Proteingehalt und einen dunklen Nabel. Im Kornertrag liegt sie in beiden 000-Anbauregionen knapp unter Standardniveau bei mittleren Proteinerträgen und mittlerer Anfälligkeit für Sclerotinia. SY Livius (4) mit hellem und RGT Shouna (4) mit dunklem Nabel zeigen in beiden 000-Anbauregionen deutliche Mehrleistungen im Korn-, Protein- und Ölertrag bei jeweils mittelguter Standfestigkeit.

Reifegruppe 00

Atacama (6) ist hellnabelig und ähnelt bei der Reife Naya oder Sigalia. Die gut standfeste und für Sclerotinia wenig anfällige Sorte liegt in den Ertragsmerkmalen in allen 00-Anbaugebieten voran. Die ertraglichen Mehrleistungen sind auch im Trockengebiet gegeben. Protein- und Ölgehalt sind mittel ausgeprägt. Die hellnabelige Altona (7) ist eine späte 00-Sorte mit niedrigem Protein- und hohem Ölgehalt. Ihre Korn- und Ölerträge liegen im Alpenvorland und in den südlichen und südöstlichen Anbaugebieten deutlich über dem Durchschnitt. Standfestigkeit und Sclerotinia- Toleranz sind mittel. Arabella (7) mit guter Standfestigkeit und mittelhohem Ölgehalt bringt relevante Mehrerträge im Alpenvorland und im Südosten Österreichs.

Die hellnabelige Bettina (5) wird wegen ihrer doch zu späten Abreife neuerdings als frühe 00-Sorte gehandelt. In der 00-Reifegruppe sind die Kornerträge von Bettina mittel bis leicht über dem Durchschnitt (Alpenvorland). Ihr Proteingehalt ist niedrig und der Ölgehalt hoch. RGT Shiroca (5) ist ebenso eine frühe 00-Sorte. Sie eignet sich gut für die Speisesojaproduktion. Sie ist hellnabelig, hat einen hohen Proteingehalt und ein mittelgroßes Korn. Sie ist sehr standfest und neigt kaum zu Samenflecken. Im Trockengebiet sollte man die kurzwüchsige Sorte beregnen können. Angelica (6) ist hellnabelig und zeigt mittlere Erträge im Trockengebiet und Mehrerträge im Alpenvorland sowie in Kärnten und dem Südburgenland. Die mittel ausgeprägte Lagerneigung und Sclerotinia-Anfälligkeit sind in Gegenden mit hohen Niederschlägen durch eine geringere Saatstärke und eine weiter gestellte Fruchtfolge zu berücksichtigen. Lenka (6) eignet sich gut für Speisesoja. Sie ist hellnabelig, großkörnig, mittelgut standfest und weist einen hohen Proteingehalt auf. Mit ihrer raschen Jugendentwicklung erbringt sie mittlere Kornerträge und überdurchschnittliche Proteinerträge. Ähnliches gilt in abgeschwächter Form für ES Mentor (6) und Naya (6) (Listung 2010) angesichts ihrer mittlerweile unterdurchschnittlichen Erträge. Mit ihrem kompakten Wuchs und der gut ausgeprägten Standfestigkeit sind sie für Standorte mit guter Bodenbonität dankbar. Sigalia (6) erreicht knapp mittlere Erträge in den 00-Anbauregionen und hat eine mittelgute Jugendentwicklung und Standfestigkeit. Auf die allerdings mittelhohe Sclerotinia- Anfälligkeit ist hinzuweisen. Die hellnabelige Albenga (7) ist eine späte 00-Sorte. Sie erreicht im Alpenvorland und in Südostösterreich ein mittleres Ertragsniveau. Im Trockengebiet bleibt sie leicht darunter. Trotz des mittelhohen Wuchses ist Albenga sehr gut standfest.

Reifegruppe 0

Die Neuzulassung Asitka (9) ist aktuell die späteste Sojabohne in der österreichischen Sortenliste. Ihre Ertragsleistungen sind demnach auch entsprechend hoch, insbesondere im Süden und Südosten. Trotz ihres hohen Wuchses besitzt sie eine sehr gute Standfestigkeit. Angepasste Saatstärke und der Anbau in ausgesprochenen Gunstlagen sind angesichts der späten Abreife besonders wichtig.

Die 0-Sorte DH 4173 (8) ist großkörnig, rasch im Jugendwachstum, langwüchsig bei mittelguter Standfestigkeit und besitzt ein gutes Ertragspotenzial. Ihr Anbau beschränkt sich auf die Gunstlagen. Ihre Anfälligkeit für Sclerotinia ist mittel bis gering.

Weitere sechs Neuregistrierungen sind bei Vorliegen einer positiven Registerprüfung (ausreichende Unterscheidbarkeit, Homogenität und Beständigkeit) noch im Frühjahr 2019 zu erwarten. Sorteninformationen über Neuregistrierungen werden auf der BAES-Homepage (www.bsl.baes.gv.at) laufend zur Verfügung gestellt.