Agrarpolitik2018: Einkommensminus für österreichische Landwirte

2018: Einkommensminus für österreichische Landwirte

Rekordhitze und Trockenheit waren 2018 die Hauptgründe für ein neuerliches Einkommensminus in der Landwirtschaft. Foto: Agrarfoto

LK Österreich-Präsident Josef Moosbrugger sagt zu den neuerlich gesunkenen landwirtschaftlichen Einkommenszahlen: „Rekordhitze und Trockenheit waren im Vorjahr die Hauptgründe für ein neuerliches Einkommensminus in der Landwirtschaft. Vier negativen Jahren zwischen 2011 und 2015 folgten 2016 und 2017 zwei positive, und nun gab es erneut ein Minus. Mit dem Rückgang von 4,1% laut Landwirtschaftlicher Gesamtrechnung der Statistik Austria kommen die Bäuerinnen und Bauern 2018, also acht Jahre später, nicht einmal an das Einkommen von 2011 heran. Das ist jedenfalls dramatisch. Wir müssen daher den Kampf gegen den Klimawandel massiv verstärken, wozu nicht zuletzt auch die Initiative der Landwirtschaftsministerin für das Weiterbestehen der Holzkraftwerke beiträgt. In den laufenden Verhandlungen über die Reform der EU-Agrarpolitik gilt es, Brüssel klarzumachen, dass die vorgeschlagenen Kürzungen nicht akzeptiert werden können, weil nur eine ausreichende finanzielle Basis die bäuerlichen Existenzen mit all ihren Leistungen für die Gesellschaft absichern kann. Internationale Handelsabkommen kann und darf es nur auf Augenhöhe geben und vor allem rund um den Brexit ist Vorsorge zu treffen, dass extreme Marktverwerfungen nicht die heimischen Rinder-, Milch- und Schweinebauern in ihrer Existenz gefährden.“

2018: Schwere Ernteausfälle und gestiegene Produktionskosten

Das Einkommen aus landwirtschaftlicher Tätigkeit je Arbeitskraft sank für 2018 um 4,1%. Die Ursachen waren gestiegene Produktionskosten, schwere Ernteausfälle im Acker- und Futterbau als Folge von Hitze und Trockenheit und preisbedingte Einbußen in der Schweineproduktion. Dies ließ das reale landwirtschaftliche Faktoreinkommen je Arbeitskraft gegenüber dem Vorjahr wieder sinken. Selbst die beiden vorangegangenen Jahre 2016 und 2017, in denen das Einkommen kurz stieg, konnten die vier Jahre davor, die der Landwirtschaft enorme Einbußen bescherten, nicht ausgleichen.

Die heimische Landwirtschaft erzielte 2018 einen geschätzten Gesamtproduktionswert von rund 7,39 Mrd. Euro, was im Vergleich zu 2017 einem Zuwachs von 0,9% entsprach. Dem höchsten Gesamtproduktionswert der letzten zehn Jahre steht aber auch ein Anstieg der Vorleistungen um 3 % gegenüber. Die Aufwendungen für Vorleistungen, Abschreibungen und sonstige Produktionsabgaben betrugen in Summe etwa 6,3 Mrd. Euro, was einen Anstieg um 3,0% gegenüber dem Vorjahr bedeutete. Auch das im landwirtschaftlichen Wirtschaftsbereich erwirtschaftete Faktoreinkommen, welches die Entlohnung der von den familieneigenen und familienfremden Arbeitskräften geleisteten Arbeit sowie die Produktionsfaktoren Boden und Kapital misst, fiel nominell um 3,1% niedriger aus als im Vorjahr.

Appell an Verarbeiter und Konsumenten

Moosbrugger richtete in diesem Zusammenhang auch einen Appell an die Verarbeiter landwirtschaftlicher Produkte und verlangte “kosten- und wertgerechte Preise für im internationalen Vergleich hochqualitative heimische Rohstoffe aus Bauernhand”. “Und auch die Konsumenten können mithelfen, aus der von ihnen stets geäußerten Wertschätzung für die Landwirtschaft auch Wertschöpfung entstehen zu lassen. Mit ihrer Kaufentscheidung können sie bewusst einer bestimmten Form der Landwirtschaft oder Region den Vorzug geben. Unterstützt werden sollen sie dabei durch eine Herkunftsauszeichnung, die derzeit auf Regierungsebene in Verhandlung ist. Damit soll in der Gemeinschaftsverpflegung und bei verarbeiteten Produkten Wahlfreiheit geschaffen werden”, erklärte Moosbrugger abschließend.