RindRinderhaltungRinderfütterung10 Tipps damit Rinder mehr fressen

10 Tipps damit Rinder mehr fressen

Fixpreismodell nur für größere Lieferanten. Foto: Climber 1959/shutterstock.com
Foto: Climber 1959/shutterstock.com

1. Bestes Grundfutter ernten
Kühe sind Feinschmecker. Ein Versuch an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein zeigte, dass Rinder mehr fressen, wenn das Grundfutter von höherer Qualität ist. Einflussfaktoren auf die Qualität sind einerseits die Verdaulichkeit und die Energiedichte. Je besser das Grundfutter ist umso weniger kommt der Effekt der Grundfutterverdrängung zum Tragen. Das bedeutet auch bei höheren Kraftfuttermengen nehmen Rinder mehr vom guten Grundfutter auf. Verdaulichkeit und Energiedichte von Grundfutter hängen vom Erntezeitpunkt ab.

2. Futter optimal haltbar machen
Rinder reagieren sensibel auf Fehlgärungen, nacherwärmte Silagen und schimmeliges Heu. Ob einzeln vorgelegt oder in der Mischration – solches Grundfutter dämpft die Futteraufnahme. Sorgen Sie für bestmögliche Konservierung der Grundfuttermittel. Sortieren Sie Schimmel großzügig aus – er kann die Gesundheit der Rinder gefährden. Achten Sie bei den Silagen auf den Vorschub sowie die saubere Entnahme aus den Silos und legen Sie Silagen besonders in der warmen Jahreszeit am besten frisch vom Silo vor.

3. Angenehme Fressplätze schaffen
Wer viel fressen soll, muss sich wohlfühlen. Seien Sie ein guter Gastgeber und machen Sie den Kühen die Futteraufnahme schmackhaft. Das beginnt bei genügend Fressplätzen (einer je Kuh!). Wenn Kühe Druckstellen an Schulter oder Nacken aufweisen, sollten Sie unbedingt die Fressgitter anpassen. Achten Sie auf falsch montierte Schauben, die beim Fressen stören. Kühe sehen schlecht und mögen Licht. Leuchten Sie den Futtertisch gut aus und vermeiden Sie Schatten.

4. Futtertische sauber halten
Putzen Sie Futterreste immer aus, bevor Sie frisch einfüttern. Gärsäuren in den Silagen greifen mit der Zeit den Beton an und lassen ihn rau werden. Glatte Oberflächen sind leichter zu reinigen. Sanieren Sie raue Futtertische mit Anstrichen aus Epoxydharz oder Edelstahlplatten. Das spart Zeit beim Einfüttern und fördert die Futteraufnahme. Sie essen doch auch nicht gern an einem Tisch, wo noch die Brösel vom Vortag liegen.

5. Futter anschieben
Frisches Futter ist für Kühe attraktiv. Wer öfter frisch vorlegt oder mehrmals täglich Futter anschiebt, lockt die Kühe zum Futtertisch. Ob händisch oder automatisch – Futter anschieben lohnt sich. Mit jedem Anschieben bekommen die Tiere wieder schmackhaftes Futter. Studien haben gezeigt, dass häufigeres Futteranschieben zu einer höheren Gewichtszunahme und zu besseren Milchleistungen führen kann. Steht den Kühen mehr Energie zur Verfügung, hat das auch positive Auswirkung auf Gesundheit und Fruchtbarkeit.

6. Hungergrube beobachten
Rinder, die zu wenig fressen, zeigen es zunächst an der Hungergrube. Diese sehen Sie auf der linken Seite, wenn Sie hinter der Kuh stehen. Dort ist der Pansen nahe an der Bauchdecke. In den Niederlanden wird mit einer fünfstufigen Skala beurteilt, ob die Kuh genug frisst. Ist die Hungergrube handbreit tief in Form eines Dreiecks eingefallen, stimmt die Futteraufnahme nicht. Zeigen mehr als die Hälfte der Kühe dieses Warnsignal, sollten Sie die Ration dringend auf Zusammensetzung und Struktur überprüfen lassen.

7. Kranke Kühe fressen weniger
Wer die maximale Futteraufnahme und damit auch die Leistungen ausschöpfen will, muss Erkrankungen rasch behandeln. Wie auch bei uns Menschen, vertreiben Schmerzen und Unwohlsein den Hunger. Gerade im Laufstall ist zu beobachten, dass Kühe mit Klauenerkrankungen weniger fressen. Daten aus der Aktivitätsmessung zeigen, dass die Kühe lange liegen und weniger oft zum Futtertisch gehen. Sie magern ab. Wer die Klauen der Rinder zweimal jährlich schneidet, legt die Basis für fresslustige Rinder.

8. Futterreste einplanen
Vermeiden Sie kahlgeleckte Tröge. In der Praxis gilt: je Kilogramm erwarteter Milchleistung sollten die Kühe mindestens 0,5 kg TM fressen. Vorgelegt bedeutet nicht gefressen! An den Futterresten lässt sich erkennen, ob die Futteraufnahme mit den Berechnungen übereinstimmt. 5-10 % Futterreste sollten übrig bleiben. Weil das schwer einzuschätzen ist, sollten Sie das Restfutter von Zeit zu Zeit abwiegen um die vorgelegte Menge anzupassen.

9. Kraftfutterabholung überprüfen
Wer Kraftfutter über Transponder oder Melkroboter zuteilt, der sollte auch dessen Verzehr im Auge behalten. Beachten Sie, dass eine Milchkuh pro Gabe nicht mehr als 1,5 kg Kraftfutter fressen soll. Bei zu hohen Kraftfuttergaben kann der Pansen aus dem Gleichgewicht kommen und es kommt zur Pansenübersäuerung (Acidose). Dadurch wird die Verdauung gestört und die Futteraufnahme sinkt. Holt eine Kuh immer zu wenig Kraftfutter ab, suchen Sie die Ursache (Krankheit, Rangordnung, …).

10. Nicht beim Wasser sparen
Wasser fördert die Futteraufnahme. Wer isst schon gerne, ohne ein Getränk zu bestellen? Auch im Winter ist es wichtig, dass die Tränken funktionieren, denn in der kalten Jahreszeit brauchen Rinder mehr Energie um sich warm zu halten. Im Sommer  kann Wasser bei Hitzestress helfen, die Futteraufnahme hoch zu halten. Sprinkleranlagen kühlen die Kühe. Schalten Sie diese ab 20° Grad Lufttemperatur ein. Nutzen Sie Wasser auch um die optimale Feuchtigkeit in Mischrationen zu erreichen. Bei trockenen Mischrationen steigt die Futterselektion.